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    Protestanten in puncto PID gespalten

    Köln (DT/KNA) Die unterschiedlichen Positionen von evangelischer und katholischer Kirche zur Präimplantationsdiagnostik (PID) führen nach Ansicht des Braunschweiger evangelischen Landesbischofs Friedrich Weber nicht zu einem Scheitern der Ökumene. Es gebe aber ein Problem, das sich in unterschiedlicher ethischer Einschätzung zeigt, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen dem Kölner „domradio“ am Dienstag. Bei der PID gehe es darum, „dass Leben ermöglicht wird und auf die Welt gebracht wird, anders als in der Abtreibungsdebatte beispielsweise“.

    Köln (DT/KNA) Die unterschiedlichen Positionen von evangelischer und katholischer Kirche zur Präimplantationsdiagnostik (PID) führen nach Ansicht des Braunschweiger evangelischen Landesbischofs Friedrich Weber nicht zu einem Scheitern der Ökumene. Es gebe aber ein Problem, das sich in unterschiedlicher ethischer Einschätzung zeigt, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen dem Kölner „domradio“ am Dienstag. Bei der PID gehe es darum, „dass Leben ermöglicht wird und auf die Welt gebracht wird, anders als in der Abtreibungsdebatte beispielsweise“.

    Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte am Sonntag die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche bei der „Woche für das Leben“ in Frage gestellt (DT 18. Januar). Grund ist, dass der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, seine Kirche aufgerufen hatte, ihre Haltung in dieser Frage neu zu beraten. Schneider gilt als Befürworter der PID in engen Grenzen.

    Weber wies im „domradio“ darauf hin, dass die Konfliktlinie „sich nicht allein zwischen evangelischer und katholischer Kirche“ abzeichne. Auch innerhalb der politischen Parteien gebe es keine einheitliche Linie. Daneben gebe es „deutliche Differenzen zwischen den Bischöfen innerhalb der evangelischen Kirche“. Auch für die katholische Kirche macht Weber „differenzierte Meinungen zu dem Problem“ aus. Hier spiele die ethische Verantwortung eines jeden Einzelnen eine große Rolle. Wenn die Kirche sich rigoros gegen PID ausspreche, „weil es um menschliches Leben geht, dann müssen wir auch hinreichend starke Begleitmöglichkeiten anbieten für Menschen, die dann mit hoher Wahrscheinlichkeit ein schwer behindertes Kind begleiten müssen“. Die Frage sei, ob das nicht über die Kraft der Kirche gehe.

    Dagegen stimmte der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, der Kritik Meisners im Grundsatz zu: „Es ist ein Schlag gegen die ökumenische Bewegung, wenn sich eine Kirche von bisher gemeinsamen Positionen verabschiedet, wie das jetzt auch bei der PID droht.“ Steeb kritisierte einen „Schlingerkurs“ in ethischen Fragen bei der EKD. Er bat dessen Rat, bei seinem bisherigen klaren Nein zur PID zu bleiben. Diese Methode führe dazu, „menschliches Leben zu selektieren“. Steeb bejahte, dass die evangelikale Bewegung in manchen Wertefragen der katholischen Kirche und auch den orthodoxen Kirchen näher stehe als weiten Teilen in der evangelischen Kirche. Dies gelte etwa beim „Ja ohne jedes Nein zum menschlichen Lebensschutz“ und der Ablehnung praktizierter Homosexualität: „Dafür gibt es in der Bibel keine Rechtfertigung.“

    Auch die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands teilt die Einschätzung Meisners. „Wo der Kardinal recht hat, da hat er recht“, erklärte der Vorsitzende der Vereinigung, Pastor Ulrich Rüß. In dem Maße, wie sich die evangelischen Kirche von eindeutigen ethischen biblischen Grundlagen zum Schutz des Lebens entferne, drohe die ökumenische „Woche für das Leben“ zur Farce zu werden. Der EKD-Ratsvorsitzende habe das bisherige, beiden Kirchen gemeinsame Nein zur PID mit dem Hinweis aufgekündigt, man müsse alles noch einmal neu bedenken „aus der Sicht der Frauen“ und er könne sich daher eine begrenzte Freigabe zur PID vorstellen. Rüß: „Wenn bei dieser so wichtigen ethischen Grundsatzfrage zum Schutz des Lebens ein Spalt geöffnet wird, ist kein Halten mehr.“ Leichtfertig sei ein ethischer Konsens aufgehoben worden zu Lasten des Lebens, der Glaubwürdigkeit des Evangeliums, der Kirche und der Ökumene. „Unsere Zeit braucht keine ökumenischen Lippenbekenntnisse und Sonntagsreden, sondern eine Ökumene, die wenigstens in ethischen Grundsatzfragen mit einer Stimme spricht“, fordert Rüß.