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    Papst empfängt Meisner und Tebartz-van Elst

    Freiburg/Bonn/Berlin/Rom (DT/dpa/KNA) Papst Franziskus hat am Montag den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zu einer zwanzigminütigen Audienz empfangen. Am selben Tag sprach er auch mit dem Kölner Kardinal Joachim Meisner. Über den Inhalt der Begegnungen wurde im Vatikan, wie bei Privataudienzen üblich, nichts mitgeteilt. Bischof Tebartz-van Elst hält sich seit einer Woche in Rom auf. Kardinal Meisner begleitet derzeit gut zweitausend Ministranten aus seiner Diözese auf einer seit längerem geplanten Pilgerreise nach Rom. Seine erste Privataudienz bei Papst Franziskus war nach Angaben des Erzbistums Köln „schon vor Monaten vereinbart“ worden.

    Vergoldeter Oktober: Der Domberg beschert dem Tourismus der beschaulichen Provinzstadt Limburg derzeit einen unerwartete... Foto: dpa

    Freiburg/Bonn/Berlin/Rom (DT/dpa/KNA) Papst Franziskus hat am Montag den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zu einer zwanzigminütigen Audienz empfangen. Am selben Tag sprach er auch mit dem Kölner Kardinal Joachim Meisner. Über den Inhalt der Begegnungen wurde im Vatikan, wie bei Privataudienzen üblich, nichts mitgeteilt. Bischof Tebartz-van Elst hält sich seit einer Woche in Rom auf. Kardinal Meisner begleitet derzeit gut zweitausend Ministranten aus seiner Diözese auf einer seit längerem geplanten Pilgerreise nach Rom. Seine erste Privataudienz bei Papst Franziskus war nach Angaben des Erzbistums Köln „schon vor Monaten vereinbart“ worden.

    Unterdessen hat der Bruder des Limburger Bischofs Berichte über eine Autismus-Erkrankung des Kirchenmannes zurückgewiesen. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, unterstrich der Freiburger Psychiatrie-Professor Ludger Tebartz-van Elst: „Als Bruder des Bischofs von Limburg und als Arzt kann ich aufgrund meiner Fachkenntnis und meiner Kenntnis der Biografie meines Bruders klar erklären, dass er weder an einem Asperger-Syndrom noch an einer anderen Variante von Autismus leidet.“ Er wolle davor warnen, „medizinische Krankheitsbegriffe als Mittel der Auseinandersetzung in persönlichen oder institutionellen Konflikten und Machtkämpfen zu missbrauchen“, erklärte der Mediziner. Mit Bestürzung habe er verfolgt, wie sein Bruder nicht nur heftig kritisiert, „sondern mit böswilligen Unterstellungen und persönlichen Verunglimpfungen in seiner menschlichen Existenz angegriffen wird“.

    Als Bischof müsse sich sein Bruder vielfältiger Kritik stellen. „Angriffe, die seine menschliche Würde verletzen, sind damit gleichwohl nicht zu rechtfertigen“, erklärte Ludger Tebartz-van Elst. Zuvor hatte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet, der Bruder habe Vertrauten angeblich gesagt, der Bischof leide unter dem Asperger-Syndrom, einer Form von Autismus.

    Die Deutsche Bischofskonferenz bezeichnete unterdessen Medienberichte über Inhalte des vertraulichen Gesprächs zwischen Papst Franziskus und Erzbischof Robert Zollitsch am Donnerstag als „reine Spekulation“. Ein Artikel der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ „entbehrt jeder Grundlage“, sagte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am Samstagabend der Katholischen Nachrichten-Agentur. Die FAS hatte berichtet, der Papst habe entsetzt reagiert, als ihn der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am vergangenen Donnerstag darüber informiert habe, dass die Baukosten in Limburg auf bis zu 40 Millionen Euro steigen könnten. Natürlich sei es bei dem Treffen auch um die Vorwürfe gegen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst gegangen, erklärte Kopp, doch über genauere Inhalte habe man strengstes Stillschweigen vereinbart. Medienberichten zufolge ist der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Kurienerzbischof Georg Gänswein, am Sonntagmittag im deutschen Priester-Kolleg „Santa Maria dell'Anima“ gewesen, wo sich der Limburger Bischof zurzeit aufhält.

    Limburger Domdekan lobt Rolle der Presse

    Am Wochenende gingen führende Vertreter des Bistums öffentlich auf Distanz zu ihrem Bischof. Domdekan Günther Geis, der Vorsitzende des Domkapitels und ehemalige Generalvikar, sagte der eigenen Bistumszeitung „Der Sonntag“, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sei „bei Null“. Im Bistum Limburg müsse es „einen Neuanfang mit einem neuen Bischof geben“. Domdekan Geis nannte die Entwicklung besonders schmerzlich, da der Beginn 2007 zunächst „hoffnungsvoll“ gewesen sei. Tebartz-van Elst sei keineswegs von Rom geschickt, sondern vom Domkapitel gewählt worden, so Geis. „Wir kannten ihn von seinen Publikationen, nicht aber als Persönlichkeit.“ Bereits am 2. September habe er dem Bischof mitgeteilt, dass das Vertrauen in die Amtsführung „irreparabel zerstört“ sei, so Geis. Zugleich kritisierte Geis den Präfekten der römischen Glaubenskongregation, Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller. Es sei falsch, von einer Pressekampagne zu sprechen, wie Müller dies getan habe: „Im Gegenteil: Die Presse hat wesentlich mit dazu beigetragen, Fakten ans Licht zu bringen, die vorher verschleiert wurden.“

    Auch der Sprecher des Limburger Priesterrats, Pfarrer Reinhold Kalteier, und die Präsidentin der Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, können es sich laut Bistumszeitung „nicht“ oder nur „sehr schwer“ vorstellen, dass der Bischof im Amt bleibt. Die Laienvertreterin hält die weiteren Untersuchungen zum Bau der neuen Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg für weniger entscheidend bei der Frage nach personellen Konsequenzen. Das Ergebnis der von Erzbischof Robert Zollitsch eingesetzten Prüfungskommission „hilft uns nicht weiter“, so Schillai. Vielmehr müsse Papst Franziskus nun entscheiden, was zu passieren habe.

    Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen erwartet unterdessen, dass Tebartz-van Elst selbst die Initiative ergreift. „Ich bin sicher, dass er selbst das Seine tun will, um der Kirche weiteren Schaden zu ersparen“, sagte Thissen dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag). Er wolle nicht den Rücktritt seines Mitbruders fordern. Klar sei allerdings, „dass die Kirche Schaden genommen hat“, sagte Thissen. „Mit alldem, was jetzt zutage gekommen ist, hätte ich niemals gerechnet.“ Ursachen für die Situation seien, so der Hamburger Erzbischof, „wenn Gremien umgangen werden oder sie ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen“. Man könne das „nicht kommentarlos hinnehmen und zur Tagesordnung übergehen“, erklärte er. Thissen, der wie Tebartz-van Elst vom Niederrhein stammt, ist mit diesem nach eigenen Angaben freundschaftlich verbunden.

    Kardinal Rainer Maria Woelki will die Vorgänge im Bistum Limburg noch nicht abschließend bewerten. Es sei „zu früh“, ein Urteil über das Verhalten des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst zu fällen. Weder die juristische Aufarbeitung noch die Untersuchungen der bischöflichen Kommission seien abgeschlossen, sagte Woelki am Freitag vor Journalisten in Berlin. Die unterschiedlichen Verantwortlichkeiten müssten noch geklärt werden. Ob der Bischof weiterhin in der Lage sei, seine Diözese zu leiten, könne nicht aus der Ferne bewertet, sondern müsse im Bistum Limburg selbst geklärt werden. Zugleich betonte der Berliner Erzbischof, dass das Limburger Geschehen der ganzen katholischen Kirche in Deutschland „sehr geschadet“ habe. Es gebe einen Verlust an Glaubwürdigkeit, so Woelki. Er beklagte, dass es schwierig sein werde, das durch den neuerlichen Skandal verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Darum müssten sich nun aber alle Bischöfe bemühen.

    Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann erklärte, er hoffe auf eine schnelle Klärung und konstruktive Wege aus der Krise in Limburg. Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Armin Laschet warnte in Berlin vor einer leichtfertigen Beurteilung der Vorfälle: „Als Politiker sind wir keinen Deut besser, wenn ich auf die Elbphilharmonie oder den Berliner Flughafen sehe.“ Zugleich erklärte er, dass die Debatte um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst dem Ansehen der Kirche schade. Laschet verteidigte das bestehende Verhältnis von Staat und Kirche; darum müsse notfalls auch ein „Kulturkampf“ geführt werden. Es gebe politische Kräfte, die das verändern wollten. „Ich will aber nicht, dass alles vom Staat organisiert wird.“ Die aktuelle Krise dürfe nicht den Blick darauf verstellen, wie wichtig der Beitrag der Kirchen für das Gemeinwesen sei.

    Weitere Anzeigen, auch gegen den Generalvikar

    Der Architekt des umstrittenen Diözesanen Zentrums in Limburg, Michael Frielinghaus, wies die Vorwürfe von Geldverschwendung und luxuriöserer Bauweise zurück. Es habe „keine Kostenexplosion“ gegeben und auch der Begriff „Protzbau“ treffe nicht zu, so Frielinghaus am Freitag in der ZDF-Sendung „aspekte“. Zugleich nahm Frielinghaus, der auch Präsident des Bundes deutscher Architekten ist, Bischof Tebartz-van Elst in Schutz. „Wir haben einen klugen Menschen erlebt, der zuhören kann“, erklärte der Architekt. Was über den Bischof nun geschrieben werde, könne er nicht nachvollziehen. Frielinghaus beklagte allerdings die „fatale“ Kommunikation über Kosten und Baufortschritt. Die Öffentlichkeit hätte darüber „transparenter“ informiert werden müssen. Insofern könne er die Aufregung jetzt auch verstehen. Er hoffe aber, dass durch Aufklärung die Betrachtung wieder „objektiver“ werde.

    Gegenüber dem Limburger Dom, einem der bedeutendsten Kirchenbauten Deutschlands, sei nun ein einmaliger Ort entstanden, der keineswegs eine Privatangelegenheit des Bischofs sei, so der Architekt. Von Verschwendung könne nicht die Rede sein, vielmehr sei hier nachhaltig „investiert“ worden, so Frielinghaus. Die Alternative wäre gewesen, gegenüber dem Dom zwei Baudenkmäler verkommen zu lassen und ein Brachgrundstück nicht zu nutzen, erklärte der Architekt. Wer den neuen Gebäudekomplex nun betrete, werde einen „Ort der Einkehr und der Besinnung“ erleben, der mit wenigen Materialien und einer „disziplinierten Formensprache“ auskomme. Tebartz-van Elst habe sich inhaltlich an der Baugestaltung beteiligt, aber keineswegs mit Sonderwünschen den Architekten bedrängt. So sei dem Bischof etwa wichtig gewesen, dass der Felsen, auf dem der Bau gründe, und die Ruine des alten Wehrturms am Fuße des Gebäudes, für die Öffentlichkeit zugänglich und sichtbar seien. Die Privaträume des Bischofs, die nur einen geringen Teil des Komplexes ausmachten, seien keineswegs unangemessen. So habe das Schlafzimmer ins Untergeschoss verlegt werden müssen, da im Erdgeschoss kein Platz mehr gewesen sei. Überhöhte Kosten, etwa für die Aufhängung eines Adventskranzes, seien ihm nicht bekannt, so Frielinghaus.

    Während Café- und Restaurantbetreiber in der Limburger Altstadt dank vieler Tagesausflügler von Umsatzsteigerungen bis zu dreißig Prozent berichten, beschäftigt sich die Limburger Staatsanwaltschaft weiter mit der Causa Domberg. Nach Angaben der Limburger Staatsanwaltschaft gingen bis Freitag 20 Anzeigen gegen Tebartz-van Elst wegen des Verdachts der Untreue ein, davon acht anonym. Zwei Anzeigen liegen außerdem gegen den Generalvikar des Bistums, Franz Kaspar, vor, eine Anzeige gegen die drei Mitglieder des Vermögensverwaltungsrates des Bischöflichen Stuhls. Die Behörde prüft, ob ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

    Deutsche Depeschenagentur