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    Papst: Synode nicht mit einem Parlament verwechseln

    Vatikanstadt (DT/KNA/KAP) Im Vatikan hat die Bischofssynode über Ehe und Familie ihre Beratungen aufgenommen. Rund 270 Bischöfe, Kardinäle und Ordensobere versammelten sich am Montag zu ihrer ersten Sitzung in der Synodenaula. Papst Franziskus warnte die Teilnehmer in seiner kurzen Eröffnungsansprache davor, die Synode mit einem Parlament zu verwechseln. Es gehe nicht darum, durch Verhandlungen einen Konsens zu erzielen, sondern sich dem Wirken des Heiligen Geistes zu öffnen, sagte er. Franziskus forderte zur freimütigen Rede und zum Dialog auf. Die Teilnehmer müssten ihre eigenen Gewohnheiten und Vorurteile überwinden, um ihren Brüdern zuzuhören. Weiter sagte er, die Synodenteilnehmer müssten die Beratungen mit „Eifer für Seelsorge und Lehre, Weisheit und Offenheit“ angehen. Dabei müssten sie sich stets das „Wohl der Kirche, der Familien und das oberste Gesetz, das Heil der Seelen, vor Augen halten“. Er rief die Synodenväter zu „apostolischem Mut, evangeliumsgemäßer Demut und vertrauensvoller Anbetung“ auf.

    Im Vatikan haben die Beratungen der Familiensynode begonnen. Die Familie sei heute „so sehr bedroht wie vielleicht noch ... Foto: dpa

    Vatikanstadt (DT/KNA/KAP) Im Vatikan hat die Bischofssynode über Ehe und Familie ihre Beratungen aufgenommen. Rund 270 Bischöfe, Kardinäle und Ordensobere versammelten sich am Montag zu ihrer ersten Sitzung in der Synodenaula. Papst Franziskus warnte die Teilnehmer in seiner kurzen Eröffnungsansprache davor, die Synode mit einem Parlament zu verwechseln. Es gehe nicht darum, durch Verhandlungen einen Konsens zu erzielen, sondern sich dem Wirken des Heiligen Geistes zu öffnen, sagte er. Franziskus forderte zur freimütigen Rede und zum Dialog auf. Die Teilnehmer müssten ihre eigenen Gewohnheiten und Vorurteile überwinden, um ihren Brüdern zuzuhören. Weiter sagte er, die Synodenteilnehmer müssten die Beratungen mit „Eifer für Seelsorge und Lehre, Weisheit und Offenheit“ angehen. Dabei müssten sie sich stets das „Wohl der Kirche, der Familien und das oberste Gesetz, das Heil der Seelen, vor Augen halten“. Er rief die Synodenväter zu „apostolischem Mut, evangeliumsgemäßer Demut und vertrauensvoller Anbetung“ auf.

    Die kirchliche Glaubenslehre sei kein „Museum“, so Franziskus. Sie müsse vielmehr eine „lebendige Quelle“ für die Kirche sein und das kirchliche Leben „erleuchten“. Der Papst sprach in diesem Zusammenhang vom „Lebensgut“ der Kirche, das vom „Glaubensgut“ erleuchtet werde.

    Zum Auftakt der Bischofssynode über die Familie im Vatikan betonte der Generalrelator der Versammlung, der Budapester Kardinal Peter Erdö, die Unauflöslichkeit der Ehe und verteidigte die geltende Lehre der Kirche. Die Wiederheirat nach dem Scheitern einer kirchlich geschlossenen Verbindung verstoße gegen die Botschaft Jesu Christi und schließe die Betroffenen vom Empfang der Kommunion aus, bekräftigte er am Montag in seinem Eröffnungsreferat. Die Mehrheit der Synodenteilnehmer von 2014 habe die Sichtweise geteilt, dass eine Wiederheirat nach dem Scheitern einer kirchlich geschlossenen Verbindung gegen die Botschaft Jesu Christi verstoße und die Betroffenen vom Empfang der Kommunion ausschließe, sagte er. Die Kirche sei gefordert, wiederverheiratete Geschiedene seelsorgerisch und „barmherzig zu begleiten“, aber zugleich die katholische Lehre „konsequent zu bezeugen“, so der Primas von Ungarn. Um dies zu bewerkstelligen, brauche es jedoch eine vertiefte Reflexion, räumte Erdö mit Blick auf die bevorstehenden Beratungen der Bischöfe ein. Als Generalrelator ist Erdö der Berichterstatter der Bischofsversammlung und hat wichtigen Einfluss auf die Formulierung der Synodenergebnisse.

    Erdö bezog sich in seinen Ausführungen auf das Arbeitspapier zur Synode. Demnach gibt es viele Wege, wiederverheiratete Geschiedene am Gemeindeleben teilhaben zu lassen, ohne sie zur Eucharistie zuzulassen. Kritisch setzte sich Erdö mit den Wegen der orthodoxen Kirchen auseinander, die eine Wiederheirat nach einer Scheidung unter bestimmten Vorgaben zulassen. Diese seien nicht mit der Rechtsprechungspraxis der katholischen Kirche vergleichbar. Auch erteilte Erdö der Idee der „Gradualität“ bei der Beurteilung sexueller Beziehungen außerhalb der Ehe eine Absage. Objektiv gebe es zwischen wahr und falsch sowie zwischen gut und böse keine Gradualität, betonte er. Allerdings könne es für den Einzelnen eine subjektive, graduelle Annäherung an das Gute und Wahre geben. Die subjektive Schuld sei weniger schwer, wenn die Sünde nicht erkannt werde.

    Zum Thema Homosexualität erinnerte Erdö an die geltende kirchliche Lehre, wonach es zwischen homosexuellen Partnerschaften und dem Plan Gottes für Ehe und Familie „nicht einmal entfernte Analogien oder Ähnlichkeiten“ gibt.

    Die katholische Kirche will mit der Weltbischofssynode Ehe und Familie neue Bedeutung und Anerkennung verschaffen. Die Familie sei heute „so sehr bedroht wie vielleicht noch nie zuvor, von innen wie von außen“, sagte der Generalsekretär der Synode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, am Montag zum Beginn der ersten Arbeitssitzung. Aufgabe des dreiwöchigen Treffens mit 270 Bischöfen und 90 weiteren Teilnehmern sei es, die Resultate eines langen und gründlichen Vorbereitungsprozesses zusammenzutragen und für Kirche und Gesellschaft nutzbar zu machen. Die 14. Ordentliche Bischofssynode sei so gründlich und vielfältig vorbereitet worden wie kaum ein Treffen zuvor, führte Baldisseri aus.

    Vor Beginn der Beratungen waren in zahlreichen Wortmeldungen erneut verschiedene Erwartungen an die Synode, aber auch Sorgen und Bedenken geäußert worden. Konkrete Ergebnisse erwartet der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki von der Synode „Die Bischöfe werden dem Papst am Ende schon die erbetene Entscheidungsgrundlage liefern“, sagte der Erzbischof am Sonntag dem Kölner domradio. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass der Papst danach dann die richtigen Entscheidungen treffen wird.“ Nach den Worten Woelkis weiß nicht nur der Papst, „dass Ehe und Familie leider nicht immer gelingen, weil wir Menschen oft an den konkreten alltäglichen Herausforderungen scheitern“. Daher sei es gut, dass die Bischöfe aus aller Welt darüber beraten, wie hier neue pastorale Wege der Versöhnung gefunden werden könnten. Das Familienbild habe sich in den letzten Jahren rasant verändert, sagte Woelki. Deutliche Worte zur Bedeutung von Ehe und Familie erhofft sich der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, von der Synode. Er erwarte, dass diese „mehr Klarheit bezüglich der Ehe als Sakrament schaffen wird“, sagte der deutsche Kurienkardinal in einem Interview von „Radio Vatikan“ am Freitag. Die Familie bezeichnete er als „Zelle der Gesellschaft“ und „auch der Kirche“. Er erhoffe sich fundierte Diskussionen, die sich auf die Bibel und die kirchliche Lehre stützten, so Müller. Die Ehe sei „nicht nur eine ideale oder menschliche Vorstellung, sie ist vor allem ein Geschenk Gottes“. Zugleich warnte der Kardinal vor den Konsequenzen der „Gender-Ideologie“. Sie führe zu einer „kompletten Zerstörung der menschlichen Grundlagen“. Demgegenüber gelte es, die von Gott geschenkte Würde des Menschen zu verteidigen.

    Vor einer Überbewertung des Themas Homosexualität warnte Kurienkardinal Robert Sarah. Praktizierte Homosexualität sei unvereinbar mit der katholischen Lehre. Das Thema gleichgeschlechtlicher Beziehungen dürfe daher bei der Familiensynode ebenso wenig überbewertet werden wie der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, sagte der Präfekt der Gottesdienstkongregation in Rom. Schon bei der Bischofssynode vor einem Jahr, die ebenfalls über Familienfragen beriet, hätten Homosexuelle und Wiederverheiratete zu sehr im Mittelpunkt gestanden, sagte Sarah weiter. Dahinter verbarg sich nach seinen Worten die Absicht einer bestimmten „Gruppe“, sich von der katholischen Lehrmeinung zu lösen. Dies dürfe nicht geschehen. Sarah warb dafür, dass die Synode die positiven Aspekte der Familie stärker hervorheben müsse. Die Kirche wolle Schwule und Lesben nicht ausgrenzen, verurteilen und diskriminieren, sondern ihnen liebevolle seelsorgliche Begleitung anbieten. In seinen Äußerungen bei der Tagung „Die Wahrheit in Liebe leben“ in der Päpstlichen Universität Thomas von Aquin in Rom wandte sich der Kurienkardinal auch gegen die Gender-Theorie, nach der die sexuelle Identität vor allem durch Erziehung und gesellschaftliche Sozialisierung geprägt werde. „Die Kirche lehnt die unklare und diffuse Gender-Ideologie ab“, so Sarah.

    Bei der gleichen Tagung äußerte sich der australische Kurienkardinal George Pell. Der Kardinal warf den Medien eine verzerrte Berichterstattung über die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität vor. Sie stellten es oft so dar, als hasse die Kirche Schwule und Lesben, sagte Pell. Dies sei völlig verfehlt. Die klare Ablehnung praktizierter Homosexualität, an der nach Pells Worten nicht zu rütteln ist, sei nur ein Aspekt der kirchlichen Lehre. Sie fordere ebenso eine sensible und respektvolle Haltung gegenüber Schwulen und Lesben. Mit Blick auf die Bischofssynode über die Familie äußerte der 74-Jährige die Hoffnung, dass die Teilnehmer „die Schönheit der katholischen Lehre zu Sexualität und Partnerschaft entdecken“. Der Kirche gehe es nicht um Verbote, sondern um das Lebensglück des Menschen, so Pell.

    Der Familienbischof der Deutschen Bischofskonferenz, Berlins Erzbischof Heiner Koch, sprach sich sich gegen eine kirchliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren aus. „Ich sehe die Gefahr, dass die Segnung mit einer Eheschließung verwechselt werden kann, und das ist nicht gewollt“, sagte Koch, der an der Synode teilnimmt, „Spiegel-Online“ am Samstag. Koch räumte ein, dass Homosexuelle „sich von der Kirche nicht wertgeschätzt und diskriminiert fühlen, weil die Kirche die Segnung ihrer Beziehung verweigert“. Die Ehe sei für die katholische Kirche jedoch „die Beziehung von Mann und Frau auf Lebensdauer, offen für die Weitergabe des Lebens – und das kann eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft nicht sein“. Mit Blick auf Homosexuelle und Christen, die keine Ehe eingehen wollten, rief Koch die Kirche auf, „so zu unterscheiden, dass wir nicht damit verletzen, also zu differenzieren, ohne zu diskriminieren“.