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    Paderborn

    Paderborner Erzbischof warnt vor Entwicklungen in Europa

    Derzeitige Debatten um Seenotrettung, Kirchenasyl oder den Brexit lassen Europa in keinem guten Licht erscheinen und zeigen, dass das geeinte und einige Europa nicht selbstverständlich ist, so der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker.

    Paderborner Erzbischof zum Zustand Europas
    Großbritannien, Dover: Das Brexit-Wandbild des Streetart-Künstlers Banksy zeigt einen Mann, der die EU-Flagge mit einem ... Foto: Gareth Fuller (PA Wire)

    Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker nimmt zahlreiche alarmierende Entwicklungen in Europa wahr. „Ich sehe mit Sorge das unwürdige Gezerre und Polemisieren um Menschen, Flüchtlinge, die vor dem Ertrinken gerettet werden müssen, um Aufnahme-Quoten, um die Kriminalisierung von Lebensrettern“, erklärte Becker beim Gäste-Empfang im Rahmen des am Wochenende in Paderborn stattfindenden Libori-Festes.

    Liebesbund lässt jede Form von Nationalismus und Egoismus aufbrechen

    Während zahlreiche Länder in Europa und darüber hinaus versucht seien, sich in sich selbst zurückzuziehen, lasse der Liebesbund jede Form von Nationalismen und Egoismen aufbrechen. Damit spielte der Paderborner Erzbischof auf den „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ zwischen den Diözesen Le Mans und Paderborn an, der das Liborifest vor fast 1 200 Jahren begründet hatte. Im Jahr 836 wurden die Gebeine von Bistumspatron Liborius, der Bischof von Le Mans war, nach Paderborn überführt. „Stellen wir uns dem großen Friedensprojekt Europa – mit dem Segen unseres Bistumspatrons. Lassen wir uns von dem völker- und bistumsverbindenden Liebesbund ewiger Bruderschaft inspirieren“, so der Erzbischof.

    Ebenso kritisierte Becker Diskussionen um das Kirchenasyl in Deutschland sowie das Ringen Großbritanniens um den Brexit. All dies lasse Europa in keinem guten Licht erscheinen und führe vor Augen, „dass das geeinte und einige Europa nicht selbstverständlich ist“. Der Prozess der europäischen Einigung sei immer wieder Anfragen und Anfeindungen ausgesetzt und müsse daher verteidigt werden.

    "Ich habe den Eindruck, als würde Europa
    nach einer neuen Daseinsberechtigung suchen,
    als wäre das große Friedensprojekt Europa nicht genug"
    Hans-Josef Becker, Erzbischof von Paderborn

    „Ich habe den Eindruck, als würde Europa nach einer neuen Daseinsberechtigung suchen, als wäre das große Friedensprojekt Europa nicht genug“, sagte der Erzbischof. Das dürfe keinesfalls zu einem allein von wirtschaftlichen Erwägungen geprägten Europa führen, in dem jeder auf seinen eigenen Vorteil aus sei, so Becker. „In einer Kultur des Nationalismus und Individualismus bleibt der Einzelne auf der Strecke - der einzelne Staat und der einzelne Mensch.“

    Das Libori-Fest hatte am Samstag begonnen mit der Überführung der Gebeine des heiligen Liborius (348-397) im Dom aus der Krypta in den Hochchor. Am Sonntagmorgen feierte Becker mit zahlreichen Bischöfen aus aller Welt dort einen Festgottesdienst. Das Fest dauert bis 4. August.

    DT/mlu/KNA

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