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    „Opfer sind notwendig“

    1. Cat Tien (Mädchen aus Vietnam): Hallo, Heiliger Vater. Ich heiß Cat Tien und komme aus Vietnam. Ich bin sieben Jahre alt und möchte Dir meine Familie vorstellen. Das ist mein Papa Dan, das ist meine Mama, sie heißt Tao, und das ist mein kleiner Bruder Binh.

    Pilger von den Philippinen bringen Farbe in die abendliche Feier. Foto: dpa

    1. Cat Tien (Mädchen aus Vietnam): Hallo, Heiliger Vater. Ich heiß Cat Tien und komme aus Vietnam. Ich bin sieben Jahre alt und möchte Dir meine Familie vorstellen. Das ist mein Papa Dan, das ist meine Mama, sie heißt Tao, und das ist mein kleiner Bruder Binh. Ich würde gerne etwas über Deine Familie wissen und wie es war, als Du so klein warst, wie ich....

    Heiliger Vater: Danke, meine Liebe – und Deinen Eltern: Danke von Herzen. Nun, Du hast gefragt, welche Erinnerungen an meine Familie ich habe: da gäbe es natürlich ganz viele! Ich möchte nur ein paar Dinge erzählen. Das Wichtigste in meiner Familie war immer der Sonntag, doch der Sonntag begann schon am Samstagnachmittag. Unser Vater trug uns die Lesungen vor, die Sonntagslesungen, aus einem Buch, das zur damaligen Zeit in Deutschland sehr verbreitet war und in dem die Texte auch erklärt wurden. So begann der Sonntag: wir beschäftigten uns bereits in einer freudigen Atmosphäre mit dem Gottesdienst. Am Tag danach gingen wir in die Messe.

    Ich bin in der Nähe von Salzburg zu Hause, also gab es bei uns viel Musik – Mozart, Schubert, Haydn –, und wenn das Kyrie begann, dann war es, als öffne sich der Himmel. Und dann war zu Hause natürlich das gemeinsame große Mittagessen wichtig. Wir haben auch viel gesungen: mein Bruder ist ein großer Musiker, er hat schon als Junge für uns alle komponiert, und so hat die ganze Familie gesungen. Mein Vater spielte die Zither und sang; das sind unvergessliche Momente. Dann haben wir natürlich gemeinsame Fahrten und Spaziergänge unternommen; wir haben in der Nähe eines Waldes gewohnt und so war es sehr schön, im Wald spazieren zu gehen: es gab Abenteuer, Spiele, und so fort. Mit einem Wort: wir waren ein Herz und eine Seele, mit vielen gemeinsamen Erlebnissen, auch in äußerst schweren Zeiten, denn es war Krieg, vorher die Diktatur und nachher die Armut. Doch diese gegenseitige Liebe, die zwischen uns herrschte, diese Freude auch über einfache Dinge, waren stark, und so konnte man auch die schlimmen Dinge ertragen und überwinden.

    Mir scheint das äußerst wichtig: dass auch die kleinen Dinge Freude gemacht haben, denn so kam das Herz des anderen zum Ausdruck. So sind wir in der Gewissheit aufgewachsen, dass es gut ist, ein Mensch zu sein, weil wir sahen, wie sich die Güte Gottes in den Eltern und in den Geschwistern widerspiegelte. Und, um die Wahrheit zu sagen, wenn ich versuche, mir ein wenig vorzustellen, wie es im Paradies sein mag, dann denke ich immer an die Zeit meiner Jugend, meiner Kindheit. So, in jenem Umfeld des Vertrauens, der Freude und der Liebe, waren wir glücklich, und ich denke, dass es im Paradies ähnlich sein müsste, wie in meiner Jugend. In diesem Sinne hoffe ich, „nach Hause“ zu gehen, wenn es in die „jenseitige Welt“ geht.

    2. Serge Razafinbony und Fara Andrianombonana (Verlobte aus Madagaskar):

    Serge: Heiliger Vater, wir sind Fara und Serge und kommen aus Madagaskar. Wir haben uns in Florenz kennen gelernt, wo wir studieren – ich Ingenieurswissenschaften und Fara Betriebswirtschaft. Wir sind seit vier Jahren verlobt und träumen davon, in unser Land zurückzukehren, sobald wir unser Examen haben, um – auch durch unseren Beruf – unseren Leuten zu helfen.

    Fara: Die im Westen vorherrschenden Familienmodelle überzeugen uns nicht, doch wir sind uns bewusst, dass auch in unserem Afrika viele traditionelle Formen in gewisser Weise überholt werden müssen. Wir spüren, dass wir füreinander gemacht sind; deshalb wollen wir heiraten und unsere Zukunft gemeinsam gestalten. Wir wollen auch, dass alle Aspekte unseres Lebens von den Werten des Evangeliums bestimmt werden. Doch wenn wir von der Ehe sprechen, Heiliger Vater, dann gibt es ein Wort, das uns mehr als alle anderen anzieht und uns gleichzeitig Angst macht: das „für immer“....

    Heiliger Vater: Liebe Freunde, Danke für dieses Zeugnis. Mein Gebet wird Euch auf dem Weg Eurer Verlobung begleiten, und ich hoffe, dass Ihr mithilfe der Werte des Evangeliums eine Familie „für immer“ aufbauen könnt. Ihr habt auf verschiedene Formen der Ehe hingewiesen: wir kennen die „mariage coutumier“ Afrikas und die westliche Ehe. Um die Wahrheit zu sagen, herrschte auch in Europa bis zum neunzehnten Jahrhundert ein anderes Modell der Ehe vor als jetzt: die Ehe war häufig in Wirklichkeit ein Vertrag zwischen „Clans“, mit dessen Hilfe man versuchte, den „Clan“ zu bewahren, die Zukunft zu öffnen, den Besitz zu bewahren und so weiter. Vom „Clan“ wurde man füreinander ausgesucht, in der Hoffnung, dass man zueinander passen würde. So war es teilweise auch in unseren Ländern. Ich erinnere mich, dass es in dem kleinen Dorf, in dem ich zur Schule ging, großteils noch so war. Doch dann, vom neunzehnten Jahrhundert an, folgt die Emanzipierung des Individuums, die Freiheit der Person, und die Ehe gründet nicht mehr auf dem Willen der anderen, sondern auf der eigenen Entscheidung; am Anfang steht das Verliebtsein, dann folgt die Verlobung und schließlich die Ehe. Zu jener Zeit waren wir alle davon überzeugt, dass dies das einzige richtige Modell sei und dass die Liebe „an sich“ das „immer“ garantiere, denn die Liebe ist absolut, sie will alles und daher auch die Gesamtheit der Zeit: sie ist „für immer“. In der Wirklichkeit ist es leider nicht so: man sieht, dass das Verliebtsein schön ist, doch vielleicht nicht immer andauert, so wie das Gefühl: es bleibt nicht auf ewig da. Man sieht also, dass der Übergang vom Verliebtsein zur Verlobung und schließlich zur Ehe andere Entscheidungen, innere Erfahrungen erfordert. Wie ich sagte: dieses Gefühl der Liebe ist schön, doch es muss gereinigt werden, es muss geprüft werden, dass heißt, es kommen auch die Vernunft und der Wille ins Spiel; Vernunft, Gefühl und Wille müssen sich verbinden. Im Ritus der Eheschließung sagt die Kirche nicht: „Bist Du verliebt?“, sondern „Willst Du?“, „Bist Du entschlossen?“. Das heißt: das Verliebtsein muss wahre Liebe werden, indem der Wille und die Vernunft in den Weg einbezogen werden, den die Verlobung darstellt, einen Weg der Reinigung, einen Weg größerer Tiefe, so dass wirklich der ganze Mensch, mit allen seinen Fähigkeiten, mit seiner vernünftigen Entscheidungsfindung und seiner Willenskraft sagt: „Ja, das ist mein Leben“.

    Ich denke oft an die Hochzeit von Kana. Der erste Wein ist wunderbar: das ist das Verliebtsein. Doch er hält nicht bis zum Ende vor: es muss ein zweiter Wein her, das heißt, er muss gären, älter werden, reifen. Eine dauerhafte Liebe, die wirklich ein „zweiter Wein“ wird, ist schöner, besser, als der erste Wein. Das müssen wir suchen. Und hier ist es auch wichtig, dass das „Ich“ nicht isoliert ist, das „Ich“ und das „Du“, sondern dass auch die Pfarrgemeinde einbezogen wird, die Kirche, die Freunde. Das, die richtige Personalisierung, die Lebensgemeinschaft mit anderen, mit Familien, die sich gegenseitig stützen, ist sehr wichtig und nur so, in diesem Einbeziehen der Gemeinschaften, der Freunde, der Kirche, des Glaubens, Gottes selbst, wächst ein Wein, der für immer ist. Euch alles Gute!

    3. Familie Paleologos (Familie aus Griechenland)

    Nikos: Kalispera! Wir sind die Familie Paleologos. Wir kommen aus Athen. Ich heiße Nikos und das ist meine Frau Pania. Und das sind unsere beiden Kinder Pavlos und Lydia.

    Vor Jahren haben wir mit zwei weiteren Teilhabern alles investiert, was wir hatten, und eine kleine Computerfirma gegründet. Mit der derzeitigen, äußerst harten Wirtschaftskrise, haben wir deutlich weniger Kunden, und diejenigen, die uns geblieben sind, zahlen mit immer längeren Verzögerungen. Wir schaffen es kaum, den Lohn unserer beiden Mitarbeiter zu zahlen und uns Teilhabern bleibt kaum etwas übrig: um unsere Familien zu versorgen, bleibt uns daher jeden Tag weniger. Unser Fall ist einer von vielen, von Millionen anderen. In der Stadt gehen die Leute mit gesenktem Kopf umher; niemand traut niemandem mehr, es fehlt die Hoffnung.

    Pania: Obgleich wir weiter an die Vorsehung glauben, fällt es auch uns schwer, an eine Zukunft für unsere Kinder zu denken.

    Es gibt Tage und Nächte, Heiliger Vater, in denen man sich fragt, wie man es schaffen soll, die Hoffnung nicht zu verlieren. Was kann die Kirche allen diesen Leuten sagen, diesen Menschen und Familien, die keine Perspektive mehr haben?

    Heiliger Vater: Liebe Freunde, danke für Euer Zeugnis, das mein Herz und die Herzen von uns allen ergriffen hat. Was können wir darauf antworten? Worte reichen nicht aus. Wir müssten etwas Konkretes tun, und wir alle leiden darunter, dass es uns nicht möglich ist, etwas Konkretes zu tun. Reden wir zunächst von der Politik: mir scheint, dass in allen Parteien das Verantwortungsgefühl wachsen müsste; dass sie nicht Dinge versprechen, die sie nicht halten können, dass sie nicht nur auf Stimmenfang gehen, sondern für das Wohl aller verantwortlich sind, und dass verständlich wird, dass die Politik immer auch menschliche Verantwortung, moralische Verantwortung vor Gott und den Menschen bedeutet. Natürlich leiden die Einzelnen und müssen – häufig ohne die Möglichkeit, sich zu wehren – die Situation so annehmen, wie sie ist. Dennoch können wir auch hier sagen: versuchen wir, dass jeder sein Möglichstes tut, dass er mit großem Verantwortungsgefühl an sich, an die Familie, an die anderen denkt, in dem Wissen, dass Opfer notwendig sind, um voranzukommen.

    Was können wir tun? Das ist meine Frage in diesem Moment. Ich denke, dass möglicherweise Partnerschaften zwischen Städten, zwischen Familien, zwischen Pfarrgemeinden hilfreich sein könnten. Wir haben in Europa jetzt ein Netz von Partnerschaften, doch dabei geht es um kulturellen Austausch, was sicher sehr gut und notwendig ist. Doch vielleicht wären Partnerschaften in einem anderen Sinne notwendig: dass wirklich eine Familie aus dem Westen, aus Italien, aus Deutschland, aus Frankreich.... die Verantwortung übernimmt, einer anderen Familie zu helfen. Das gilt auch für die Pfarrgemeinden, für die Städte: dass sie wirklich Verantwortung übernehmen, in konkretem Sinne helfen. Und seid gewiss: ich und viele andere beten für Euch, und dieses Gebet bedeutet nicht nur Worte, sondern es öffnet das Herz auf Gott hin und sorgt so auch für Kreativität, um Lösungen zu finden. Hoffen wir, dass der Herr uns helfe, dass der Herr Euch immer helfe! Danke!

    4. Familie Rerrie (Familie aus den Vereinigten Staaten)

    Jay: Wir leben in der Nähe von New York. Ich heiße Jay, stamme aus Jamaika und bin Buchhalter. Das ist meine Frau Anna, die als Lehrerin für behinderte und lernschwache Kinder arbeitet. Und das sind unsere sechs Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren. Von daher, Heiliger Vater, können Sie sich sicher vorstellen, dass unser Leben aus einem steten Wettlauf gegen die Zeit, aus Besorgnissen und äußerst komplizierten Situationen besteht...

    Auch bei uns in den Vereinigten Staaten gehört die Sorge, den Arbeitsplatz nicht zu verlieren, zu den Dingen, die absolute Priorität haben. Daher darf man nicht auf Arbeitszeiten achten, und darunter leiden häufig gerade die familiären Beziehungen.

    Anna: Natürlich ist es nicht immer einfach.... Wir haben den Eindruck, Heiliger Vater, dass die Institutionen und die Unternehmen es nicht erleichtern, die Arbeitszeit mit den Zeiten für die Familie vereinbaren zu können. Heiliger Vater, wir nehmen an, dass es auch für Sie nicht leicht ist, Ihre unendlich vielen Verpflichtungen mit Zeiten der Ruhe zu vereinbaren.

    Haben Sie ein paar Ratschläge, um uns dabei zu helfen, wieder zur notwendigen Harmonie zu finden? Wie kann man im Strudel so vieler Reize, denen wir in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind, den Familien helfen, den Feiertag nach dem Herzen Gottes zu feiern?

    Heiliger Vater: Eine große Frage, und ich denke, dass ich dieses Dilemma zwischen zwei Prioritäten verstehe: die Priorität des Arbeitsplatzes ist so fundamental wie die Priorität der Familie. Und wie soll man diese beiden Prioritäten miteinander vereinbaren? Ich kann nur versuchen, ein paar Ratschläge zu geben. Erstens: es gibt Unternehmen, die den Familien ein gewisses „Extra“ – Geburtstage und so weiter – zugestehen und sehen, dass es am Ende auch dem Unternehmen zugute kommt, wenn sie ein wenig Freiheit gewähren, weil es die Liebe zur Arbeit, zum Arbeitsplatz, stärkt. Ich würde also gerne die Arbeitgeber auffordern, an die Familien zu denken, auch daran zu denken, ihnen zu helfen, dass diese beiden Prioritäten miteinander vereinbart werden können.

    Zweitens: mir scheint, dass hier natürlich nach einer gewissen Kreativität gesucht werden muss, und das ist nicht immer einfach. Doch man kann versuchen, jeden Tag ein wenig Freude in die Familie zu bringen, ihr ein wenig Aufmerksamkeit zuzuwenden, ein wenig auf den eigenen Willen zu verzichten, um gemeinsam Familie zu sein, und die Nächte, die Dunkelheit anzunehmen und zu überwinden, von denen auch vorher die Rede war, und an diesen großen Reichtum zu denken, den die Familie darstellt, um ihr so auch in Zeiten großen Drucks jeden Tag etwas Gutes zu schenken und zu einer Versöhnung der beiden Prioritäten zu finden. Und schließlich gibt es den Sonntag, den Feiertag: ich hoffe, dass in Amerika der Sonntag beachtet wird. Mir scheint also der Sonntag, der Tag des Herrn, sehr wichtig, und gerade als solcher ist er auch der „Tag des Menschen“, damit wir frei sein sollen. Das war im Schöpfungsbericht die ursprüngliche Absicht des Schöpfers: dass an einem Tag alle frei sein mögen. In diesem Freisein füreinander, für sich selbst, ist man frei für Gott. Und so denke ich, dass wir die Freiheit des Menschen verteidigen, wenn wir den Sonntag verteidigen und die Festtage als Tage des Herrn und somit als Tage für den Menschen. Euch alles Gute! Danke.

    5. Familie Araujo (brasilianische Familie aus Porto Alegre)

    Maria Marta: Heiliger Vater, wie im Rest der Welt, so scheitern auch bei uns in Brasilien immer mehr Ehen. Ich heiße Maria Marta und das ist Manoel Angelo. Wir sind seit vierunddreißig Jahren verheiratet und schon Großeltern. Als Ärztin und Psychotherapeutin begegnen wir vielen Familien und stellen fest, dass in Partnerschaftskrisen die Schwierigkeit immer stärker ausgeprägt ist, einander zu vergeben und Vergebung anzunehmen. Doch in verschiedenen Fällen sind wir dem Wunsch und dem Verlangen begegnet, eine neue Verbindung zu schaffen, etwas Dauerhaftes, auch für die Kinder, die aus der neuen Verbindung hervorgehen.

    Manoel Angelo: Einige dieser Paare wiederverheirateter Geschiedener würden sich der Kirche gerne wieder annähern, doch wenn sie sehen, dass ihnen die Sakramente verweigert werden, ist ihre Enttäuschung groß. Sie fühlen sich ausgeschlossen, von einem unumstößlichen Urteil gezeichnet. Dieses große Leid verletzt die Betroffenen zutiefst; Verletzungen, die auch Teil der Welt werden und auch unsere Wunden sind, Wunden der ganzen Menschheit.

    Heiliger Vater, wir wissen, dass solche Situationen und diese Menschen der Kirche sehr am Herzen liegen: welche Worte und welche Zeichen der Hoffnung können wir ihnen geben?

    Heiliger Vater: Liebe Freunde, danke für Eure so notwendige Arbeit als Psychotherapeuten für die Familien. Danke für alles, was Ihr tut, um diesen Menschen in ihrem Leid zu helfen. Tatsächlich ist die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen eines der großen Leiden der heutigen Kirche. Und wir haben keine einfachen Rezepte. Das Leid ist groß, und wir können nur den Gemeinden und den Einzelnen helfen, jenen Menschen beizustehen, das Leid einer Scheidung zu tragen. Ich würde sagen, dass die Prävention natürlich sehr wichtig wäre, das heißt von Anfang an das Verliebtsein zu einer tiefen, gereiften Entscheidung zu führen; außerdem ist die Begleitung während der Ehe wichtig, damit die Familien niemals allein sind, sondern wirklich auf ihrem Weg begleitet werden.

    Was diese Menschen betrifft, müssen wir dann sagen, – wie Sie schon erwähnt haben –, dass die Kirche sie liebt, doch sie müssen diese Liebe sehen und spüren. Es scheint mir eine große Aufgabe für die Pfarrei, für die katholische Gemeinde, wirklich ihr Möglichstes zu tun, damit sie sich geliebt und angenommen fühlen, damit sie spüren, dass sie nicht „draußen“ stehen, auch wenn sie die Absolution und die Eucharistie nicht empfangen können: sie müssen sehen, dass sie auch so ganz in der Kirche leben. Wenn die Absolution in der Beichte nicht möglich ist, so ist doch vielleicht der ständige Kontakt mit einem Priester, mit einem Seelenführer, sehr wichtig, damit sie sehen können, dass sie begleitet, dass sie geführt werden. Dann ist auch ganz wichtig, dass sie spüren, dass die Eucharistie wahr ist und sie Anteil an ihr haben, wenn sie wirklich in Gemeinschaft mit dem Leib Christi treten. Auch ohne den „leiblichen“ Empfang des Sakraments können wir geistlich mit Christus in seinem Leib vereint sein. Es ist wichtig, das verständlich zu machen, Dass sie wirklich die Möglichkeit finden, ein Leben des Glaubens zu führen, mit dem Wort Gottes, in der Gemeinschaft mit der Kirche, und sehen, dass ihr Leid ein Geschenk für die Kirche ist, da sie so allen dienen, um die Stabilität der Liebe, der Ehe zu schützen; und dieses Leid ist nicht nur eine physische und psychische Qual, sondern auch ein Leiden in der Gemeinschaft der Kirche für die großen Werte unseres Glaubens. Ich denke, dass ihr Leid, wenn es wirklich innerlich angenommen wird, ein Geschenk für die Kirche ist. Sie müssen das wissen, dass sie gerade so der Kirche dienen, im Herzen der Kirche sind. Danke für Euer Engagement.

    Auch das Erdbebengebiet wurde bei der Feier nicht vergessen. An die über Videoschaltung verbundenen Kinder in einer Zeltstadt der Emilia Romagna richtete der Papst folgenden Gruß:

    Liebe Freunde, Ihr wisst, dass wir Eure Schmerzen und Euer Leid zutiefst mitempfinden; vor allem bete ich jeden Tag, dass dieses Erdbeben endlich aufhört. Wir alle wollen dabei mitwirken, Euch zu helfen: seid gewiss, dass wir Euch nicht vergessen, dass ein jeder von uns sein Möglichstes tun wird, um Euch zu helfen – die Caritas, alle Organisationen der Kirche, der Staat, die verschiedenen Gemeinschaften – jeder von uns möchte Euch helfen, sei es auf geistliche Weise, durch unsere Gebete, durch unsere seelische Nähe, sei es auf materielle Weise, und ich bete inständig für Euch. Gott helfe Euch, er helfe uns allen! Euch alles Gute, der Herr segne Euch!

    Übersetzung aus dem Italienischen

    von Claudia Reimüller