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    Österreichs Bischöfe gegen „Ehe für alle“

    Wien (DT) Die Österreichische Bischofskonferenz lehnt es ab, den Ehe-Begriff auch auf homosexuelle Partnerschaften auszudehnen. Wörtlich heißt es in einer Stellungnahme der Bischöfe, die bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien zum Abschluss der Herbstvollversammlung präsentiert wurde: „Der Unterschied zwischen der Ehe und einer homosexuellen Verbindung ist so wesentlich, dass der Ehebegriff nicht auch auf sie ausgeweitet werden kann, ohne dass dabei der Sinn von Ehe verloren ginge: die natürliche Generationenfolge durch gemeinsame Kinder und das Recht von Kindern auf Vater und Mutter.“ Anlass der Stellungnahme ist der Beschluss des österreichischen Verfassungsgerichtshofes, zu prüfen, ob das gesetzliche Ehe-Verbot für Menschen gleichen Geschlechts eine Diskriminierung darstellt und darum aufgehoben werden muss. Die Ehe sei „von allen anderen Formen des Zusammenlebens“ zu unterscheiden, betonte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn als Vorsitzender der Bischofskonferenz am Freitag.

    Wien (DT) Die Österreichische Bischofskonferenz lehnt es ab, den Ehe-Begriff auch auf homosexuelle Partnerschaften auszudehnen. Wörtlich heißt es in einer Stellungnahme der Bischöfe, die bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien zum Abschluss der Herbstvollversammlung präsentiert wurde: „Der Unterschied zwischen der Ehe und einer homosexuellen Verbindung ist so wesentlich, dass der Ehebegriff nicht auch auf sie ausgeweitet werden kann, ohne dass dabei der Sinn von Ehe verloren ginge: die natürliche Generationenfolge durch gemeinsame Kinder und das Recht von Kindern auf Vater und Mutter.“ Anlass der Stellungnahme ist der Beschluss des österreichischen Verfassungsgerichtshofes, zu prüfen, ob das gesetzliche Ehe-Verbot für Menschen gleichen Geschlechts eine Diskriminierung darstellt und darum aufgehoben werden muss. Die Ehe sei „von allen anderen Formen des Zusammenlebens“ zu unterscheiden, betonte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn als Vorsitzender der Bischofskonferenz am Freitag.

    Dass ausschließlich eine Verbindung von zwei Personen verschiedenen Geschlechts als Ehe bezeichnet wird, sei „nicht eine Diskriminierung, sondern ihr spezifisches Wesen, heißt es in der Stellungnahme der Bischofskonferenz. Grundlage der Ehe sei nicht eine bestimmte sexuelle Orientierung, sondern „die Komplementarität von Mann und Frau und die grundsätzliche Fruchtbarkeit dieser Verbindung“. Die Unterscheidung der Ehe von anderen Partnerschaftsformen sei deshalb „vom rechtlichen Gleichheitsgebot her gefordert, wonach Ungleiches ungleich zu behandeln ist“. Alle „von der leiblichen Elternschaft abweichenden Konstrukte, die Paaren gleichen Geschlechts Elternrechte gegenüber Kindern einräumen, sollten immer dem Wohl der Kinder dienen“, heißt es in der Erklärung weiter. Sie könnten „nie die mit der Ehe verbundene leibliche Elterschaft ersetzen“. Eine Uminterpretation der Ehe sei, so die Bischöfe, „der falsche Weg, um behauptete Diskriminierungen zu beseitigen“. Sie werfe aber viele Probleme auf. So zeige das Beispiel anderer Länder, dass „durch die Preisgabe des bisherigen Eheverständnisses Forderungen nach Leihmutterschaft, Geschwisterehe oder auch Polygamie nur mehr schwer abzuwehren sein werden“. Die Bischöfe hoffen darauf, dass der Verfassungsgerichtshof an seiner bisherigen Linie festhält. „Mit einem Bruch mit dem bisherigen Eheverständnis wäre nichts gewonnen, aber das Vertrauen in fundamentale Begriffe der Rechtsordnung, die im Wesen des Menschen wurzeln und für die Gesellschaft grundlegend sind, verloren“, heißt es in der Erklärung.

    Auf Nachfragen sagte Kardinal Schönborn am Freitag in Wien, es gebe zwar „einen tiefgreifenden Unterschied zwischen dem, was das Bürgerliche Gesetzbuch unter Ehe versteht und was die Kirche mit sakramentaler Ehe meint“, doch sei es notwendig, dass das bürgerliche Recht sich an den naturrechtlichen Vorgaben orientiert. Die Generationenfolge sei „das Rückgrat jedweder Gesellschaft“. Die Rechtsordnung müsse sich „an der Realität“ orientieren, so Schönborn, der unterstrich, dass die Kirche hier keine Sonderlehre vertrete, „sondern die Schöpfungsordnung“.

    Kirche wünscht eine familienfreundliche Politik

    Am Dienstag war die Österreichische Bischofskonferenz erstmals von Bundespräsident Alexander Van der Bellen in der Wiener Hofburg empfangen worden. Dabei habe der Bundespräsident das auf solider rechtlicher Basis stehende Miteinander von Staat und Kirche in Österreich thematisiert, so Kardinal Schönborn. Er zitierte Präsident Van der Bellen mit dem Satz: „Das Konkordat hat sich bewährt.“

    Zu den derzeit laufenden Koalitionsverhandlungen von ÖVP und FPÖ legten die Bischöfe einen Wunschzettel mit sieben Punkten vor. In Frageform heißt es darin: „Wird es angesichts grundlegender technischer Veränderungen künftig noch für alle Arbeit geben, von der Menschen leben können und die Sinn stiftet?“ Thematisiert wird weiter die Frage nach der Tragfähigkeit des Solidarnetzes in Krisenzeiten und im Alter, der Traum junger Menschen von einem geglückten Leben mit Kindern, die Frage der Aufnahme und Integration von Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen sowie die Solidarität der Österreicher mit der Menschheitsfamilie. „Kann das friedliche Zusammenleben in unserer vielfältigen Gesellschaft erhalten werden und weit über unsere Grenzen ausstrahlen?“, heißt es in der Erklärung wörtlich. Hinterfragt wird auch der „Lebensstil“, der „Raubbau an der Zukunft unserer Nachkommen und der Schöpfung“ betreibe.

    Die Kirche habe in all diesen Fragen „keine fertigen Antworten“, so Schönborn, sie hoffe aber auf eine Kooperation aller politischen und zivilgesellschaftlichen Kräfte“. Die Kirche selbst werde „wie bisher nach den Maßstäben des Evangeliums“ den Dienst am Gemeinwohl mittragen. In der Erklärung der Bischöfe heißt es aber auch, Österreich sei „verglichen mit vielen anderen Ländern nach wie vor ein Vorbild im Einsatz für soziale Gerechtigkeit, eine lebenswerte Umwelt und das friedliche Zusammenleben von Menschen aller Volksgruppen, Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen“. Der Wiener Kardinal fasste in der Pressekonferenz seine Wünsche an die künftige Regierung so zusammen: „Wir wünschen uns eine familienfreundliche Politik, weil die Familie die Zukunft der Gesellschaft ist.“

    Loyalität zum Papst gehört zur DNA von Katholiken

    Angesprochen auf die „Dubia“ von vier Kardinälen zum nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Amoris laetitia“ sowie auf die laufende Unterschriftenaktion für Papst Franziskus sagte Kardinal Schönborn wörtlich: „Die Loyalität zum Papst gehört zur DNA von Katholiken. Das bedarf nicht feierlicher Unterschriften.“ Dass ein Papst zugleich kritisiert wird, sei für ihn weder überraschend noch kirchengeschichtlich neu. Schönborn erinnerte an die Kritik, die Papst Paul VI. einst entgegenschlug. Zu den „Dubia“ sagte Schönborn, er persönlich sei mit der Vorgehensweise der vier Kardinäle nicht einverstanden, „aber dass man Fragen stellen darf, das halte ich für legitim“.

    Gemeinsam mit der Caritas setzen sich Österreichs Bischöfe für eine bundesweit einheitliche Mindestsicherung ein. Die Politik sei überdies gefordert, für Einkommensschwache Wohnen wieder leistbar zu machen, heißt es in einer weiteren Stellungnahme der Herbstvollversammlung. Für Langzeitarbeitslose brauche es „einen unbefristeten erweiterten Arbeitsmarkt, der diesen Menschen sinnvolle Formen der Beschäftigung in Kombination mit einer Existenzsicherung ermöglicht“.

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