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    „Öffnen wir dem Herrn die Türen unseres Herzens“

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Seit einer Woche befinden wir uns in der liturgischen Zeit des Advents: Zeit der Öffnung auf die Zukunft Gottes, Zeit der Vorbereitung auf die heilige Weihnacht, als Er, der Herr, das absolut Neue, gekommen ist, inmitten dieser zerrütteten Menschheit zu wohnen, um sie von innen zu erneuern. In der Liturgie des Advents erklingt eine Botschaft voller Hoffnung, die dazu einlädt, den Blick zum letzten Horizont zu erheben, doch gleichzeitig dazu, in der Gegenwart die Zeichen des Gott-mit-uns zu erkennen. An diesem zweiten Adventssonntag nimmt das Wort Gottes den bewegten Ton des sogenannten Deuterojesaia an, der den Israeliten, die durch das jahrzehntelange schmerzliche Exil in Babylon geprüft waren, endlich die Befreiung verkündete: „Tröstet, tröstet mein Volk – sagt der Prophet im Namen Gottes. Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht“ (Jes 40, 1–2). Das will der Herr im Advent tun: zum Herzen seines Volkes reden und dadurch zur ganzen Menschheit, um das Heil zu verkünden. Auch heute erhebt sich die Stimme der Kirche: „Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste“ (Jes 40, 3). Für die Bevölkerungen, die durch Elend und Hunger geschwächt sind, für die Flüchtlingsscharen, für alle, deren Rechte auf schwere und systematische Weise verletzt werden, stellt sich die Kirche als Wächter auf den hohen Berg des Glaubens und verkündet: „Seht, da ist euer Gott. Seht, Gott der Herr, kommt mit Macht“ (Jes 40, 9–10).

    Diese prophetische Verkündigung hat sich in Jesus Christus verwirklicht. Er hat mit seinen Lehren und dann mit seinem Tod und seiner Auferstehung die alten Verheißungen erfüllt und eine tiefere und umfassendere Perspektive aufgezeigt. Er hat einen nicht nur irdischen, historischen und als solchen provisorischen Exodus eingeleitet, sondern einen tiefgreifenden und endgültigen: den Übergang vom Reich des Bösen zum Reich Gottes, von der Herrschaft der Sünde und des Todes zur Herrschaft der Liebe und des Lebens. Daher geht die christliche Hoffnung über die legitime Erwartung einer sozialen und politischen Befreiung hinaus, denn das, was durch Jesus begonnen wurde, ist eine neue Menschheit, die „von Gott“ kommt, doch gleichzeitig auf dieser unserer Erde aufkeimt, in dem Maße, in dem sie sich vom Geist des Herrn befruchten lässt. Es handelt sich also darum, ganz in die Logik des Glaubens einzudringen: an Gott glauben, an seinen Heilsplan, und sich gleichzeitig für den Aufbau seines Reiches einsetzen. Gerechtigkeit und Friede sind Geschenke Gottes, doch sie bedürfen solcher Männer und Frauen, die „gute Erde“ sind, dazu bereit, den guten Samen seines Wortes aufzunehmen.

    Erstlingsfrucht dieser neuen Menschheit ist Jesus, Sohn Gottes und Sohn Marias. Sie, die Jungfrau und Mutter, ist der „Weg“, den Gott selbst sich bereitet hat, um in die Welt zu kommen. Mit ihrer ganzen Demut schreitet Maria an der Spitze des neuen Israel, im Exodus aus jedem Exil, aus jeder Unterdrückung, aus jeder moralischen und materiellen Knechtschaft, auf einen „neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt“ (2 Petr 3, 13) zu. Ihrer mütterlichen Fürsprache vertrauen wir die Erwartung des Friedens und des Heils der Menschen unserer Zeit an.

    Die Pilger deutscher Sprache begrüßte der Papst mit den Worten:

    Mit frohem Herzen grüße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache. Die Botschaft des Advents ruft uns auf, dem Herrn den Weg zu bereiten. Fangen wir damit bei uns an, indem wir das Neue zulassen, das Christus in uns wirken will. Seine Wahrheit leuchtet den Suchenden, seine Kraft stärkt die Schwachen und seine Heiligkeit bringt den Sündern Vergebung. Öffnen wir dem Herrn die Türen unseres Herzens und tun wir Gutes denen, die unsere Hilfe brauchen. Der Heilige Geist geleite euch auf Wegen der Gnade.