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    „Noch Luft nach oben“

    Beim Treffen der deutschen Bischöfe zeigte die Kirche auch ihre weibliche Seite. Von Kilian Martin

    Mit Forderungen wurden die Bischöfe in Lingen begrüßt. Foto: dpa

    Frauen sind nicht das erste, woran man bei einer Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz denkt. Wenn die 67 Diözesan- und Weihbischöfe aus allen deutschen Diözesen zusammenkommen, zeigt die Kirche sich von ihrer männlichen Seite. Zur Frühjahrsvollversammlung sah es anders aus. Im emsländischen Lingen zeigte die Kirche gleich mehrfach ihr weibliches Gesicht.

    Bewusst hatten die Oberhirten selbst einen entsprechenden Akzent gesetzt und die Rolle der Frauen in der Kirche auf ihre Tagesordnung gesetzt. Nach 2013 hatte die DBK dazu im vergangenen Jahr zum zweiten Mal den Anteil der Frauen an kirchlichen Leitungspositionen erfassen lassen. Der Trend zeige zwar nach oben, aber noch nicht weit genug, wie Bischof Franz-Josef Bode zur Vorstellung am Dienstag selbstkritisch erklärte. „Wir wollten schon bei 30 Prozent sein“, so der Vorsitzende der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft der Bischofskonferenz.

    Tatsächlich ist die Frauenquote auf Spitzenposten deutscher Ordinariate seit 2013 um gut 30 Prozent gestiegen. Zuletzt war dennoch nur jede fünfte entsprechende Position auf der oberen Ebene von einer Frau besetzt. Etwas besser sieht es auf der mittleren Verwaltungsebene aus, aber auch dort stellen Frauen weniger als ein Viertel des Personals. Im Auftrag der DBK hatte diese Zahlen natürlich eine Frau ermittelt: die Theologin Andrea Qualbrink.

    Schon im vergangenen Herbst hatten sich die Bischöfe ihres Ziels vergewissert, mehr weibliche Führungskräfte in die Bistumsleitungen zu bringen. Die Zielvorgabe bleibt weiterhin „ein Drittel und mehr“, wie Bode nun bekräftigte. Und auch die Frage darf gestellt werden, ob es damit getan sein wird. Schließlich, so betonte der Bischof selbst, sind nur wenige Leitungspositionen der Kirche ans Weiheamt gebunden und damit von vornherein Männern vorbehalten. Die Not des Priestermangels lehre noch dazu, sich bei jeder Neubesetzung zu fragen: „Muss das ein Kleriker machen?“ Bode selbst habe es als Gewinn empfunden, wenn dort, wo es möglich ist, Frauen ihr Können und ihre spezielle Perspektive in die Arbeit der Kirchenleitung einbrächten.

    Ein entscheidender Player für das weibliche Wachstum in der kirchlichen Leitung ist der Hildegardisverein. Gemeinsam mit der DBK treibt der Verband seit Jahren die Rekrutierung und vor allem die Fortbildung weiblicher Nachwuchskräfte für Führungspositionen voran. Das Programm „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ haben seit 2016 gut 100 Frauen absolviert, weitere 40 sollen ab dem nächsten Jahr folgen, wie Geschäftsführerin Brigit Mock in Lingen erklärte. Vorteile des Programms sehe sie dabei auch auf Seiten der Kirche. Laut Mock bilden die Absolventinnen einen „Pool von qualifizierten Nachwuchskräften in einer Zeit des Fachkräftemangels“.

    Dem Verband sei es dabei ein Anliegen, stets „stärkenorientiert“ zu arbeiten, erklärte Mock weiter. Beim Pressegespräch, eingerahmt von Bischof Bode und DBK-Pressesprecher Matthias Kopp, beharrte sie auf die Eigenkompetenz der Frauen. Sie müssten an Spitzenpositionen kommen, weil sie die nötigen Fähigkeiten mitbringen, nicht weil sie durch Quoten oder Sanktionen dort hingebracht werden, betonte Mock. Laut ihrer Mitstreiterin Qualbrink sei es dazu jedoch förderlich, wenn nicht gar notwendig, dass Bistumsleitungen ihren Willen zeigten, mehr Frauen auf der Führungsebene zu haben.

    Dass die Frauen dennoch nicht nur auf eigene Kraft allein vertrauen können, hatte am Montag bereits Kardinal Reinhard Marx bekannt. Er selbst habe noch vor Jahren gedacht, die Katholikinnen würden den Aufstieg von sich aus bewerkstelligen. Doch gebe es der Hemmnisse nach wie vor viele und so müssten Frauen in Führungspositionen eben nach wie vor gezielt gefördert werden, so der Kardinal.

    Dass bei der Frage nach der Stellung von Frauen in der katholischen Kirche die Forderung nach Zugang zur Weihe nie weit weg ist, zeigte sich unterdessen auch in Lingen. Zurückhaltung übten dabei Mock und Qualbrink, wohl auch, um ihr Anliegen nicht mit kirchenpolitischen Forderungen zu verknüpfen. Anders traten bereits am Montagabend die Vertreterinnen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) auf. Der größte Frauenverband der Republik hatte parallel zum Eröffnungsgottesdienst der Vollversammlung unter dem Motto „Macht Licht an“ zur Demonstration geladen – und mehr Frauen als erwartet waren gekommen. Zum ersten Mal seit längerer Zeit formierte sich anlässlich einer Vollversammlung eine größere Demonstration.

    Ortsbischof Franz-Josef Bode nahm stellvertretend für seine Amtsbrüder von den Demonstrantinnen 30 000 Unterschriften von kfd-Frauen entgegen. Diese forderten von den Bischöfen vor allem eine noch weitergehende Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Von Taschenlampen erleuchtet waren aber auch die weiteren Forderungen auf den Transparenten nicht zu übersehen: Die kirchliche Sexualmoral sei zu verändern, der Pflichtzölibat abzuschaffen, das Weiheamt für Frauen zu öffnen.

    Noch im Messgewand nahm Bischof Bode im Gedränge stehend den disziplinierten Protest der Frauen entgegen. Dass er das Gespräch suchen würde, war bereits zuvor verabredet worden, ebenso der direkte Abzug seiner übrigen Amtsbrüder. Spätestens als der Bischof selbst die Taschenlampe in die Hand nahm, um gemäß dem Motto der Demonstration,„Licht anzumachen“, zeigte sich der eingespielte Umgang eines Oberhirten mit Laienverbänden. So blieb vom Protest der kfd-Frauen am Ende wenig Überraschendes. Die altbekannten Forderungen taten ihr Übriges dazu. So ist nicht nur in der Kirchenleitung, sondern auch bei den Laienverbänden und ihren Vorstellungen von der Zukunft der Kirche noch immer Luft nach oben.

    Bearbeitet von Kilian Martin

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