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    Mut machen mit lebendigen Zeugnissen

    Gottes Liebe zwingt niemanden zum Glück. Seine Liebe achtet unsere Freiheit und wirbt um uns. Das ist die Kernbotschaft des Buchs zum Thema Barmherzigkeit von Georg Bickl. Mit dem Titel „Mit leidenschaftlichem Erbarmen“ knüpft Bickl an Jesaja 43, 4 an: „Weil Du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe, gebe ich für Dich ganze Länder und für dein Leben ganze Völker.“ Georg Bickl – 77 Jahre alt, seit 50 Jahren verheiratet und Vater von vier Kindern – ist überzeugt: Mit diesem leidenschaftlichen Erbarmen wirbt Gott um uns, immer wieder, selbst wenn wir ihn schon gut zu kennen glauben.

    Gottes Liebe zwingt niemanden zum Glück. Seine Liebe achtet unsere Freiheit und wirbt um uns. Das ist die Kernbotschaft des Buchs zum Thema Barmherzigkeit von Georg Bickl. Mit dem Titel „Mit leidenschaftlichem Erbarmen“ knüpft Bickl an Jesaja 43, 4 an: „Weil Du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe, gebe ich für Dich ganze Länder und für dein Leben ganze Völker.“ Georg Bickl – 77 Jahre alt, seit 50 Jahren verheiratet und Vater von vier Kindern – ist überzeugt: Mit diesem leidenschaftlichen Erbarmen wirbt Gott um uns, immer wieder, selbst wenn wir ihn schon gut zu kennen glauben.

    Gott ist barmherzig und durch seine Kirche soll diese Barmherzigkeit erfahrbar sein. Bickls Vision ist eine Kirche, wie sie Papst Franziskus beschreibt: die Kirche, die das Licht Christi in die Welt trägt. In seiner Präkonklave-Rede sagte Papst Franziskus, damals noch Kardinal Jorge Mario Bergoglio: „Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (wie die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit.“

    Die Kirche, die sich von diesem Übel löst, geht unter der Führung des Heiligen Geistes aus sich heraus, um Gottes befreiende Botschaft den Menschen nahezubringen, die ihn nicht kennen. Diese Kirche beschreibt Bickl mit bewegenden Zeugnissen aus seinem Leben, gerade auch als Mitglied der katholischen Gemeinschaft Emmanuel, der er nahezu zwanzig Jahre angehört. Da ist zum Beispiel die Geschichte mit der zerbrochenen Hostie beim großen „Nightfever“-Abend der Gemeinschaft Emmanuel während des Weltjugendtags in Köln. Diese Veranstaltung fand nicht in einer Kirche statt, sondern in einer Sportarena. Zehntausend Jugendliche waren gekommen. Und das Herzstück dieses Abends war eine Eucharistische Anbetung. Eigens dafür war von Strafgefangenen eine riesige Monstranz gebaut worden, die auch aus großer Entfernung noch gut zu sehen war.

    Allerdings passierte dann an dem „Nightfever“-Abend das Malheur, dass die in einer Messe vorher konsekrierte große Hostie kurz vor dem Einsetzen in die Monstranz zerbrach. Die Verantwortlichen des Abends entschieden sich, vorsichtig die beiden Bruchstücke in die Halterung für die Hostie in der großen Monstranz einzuspannen. Allerdings war der Bruch deutlich zu sehen.

    Ein ungeplantes Zeichen mit hoher Aussagekraft

    Dieses so völlig ungeplante Zeichen der gebrochenen Hostie hat an dem Abend viele Jugendliche tief berührt. Sie spürten: Christus will als der unter uns sein, der sein Leben zu unserm Heil hat zerbrechen lassen. Trost und Ermutigung kann das Buch für Menschen sein, die Hilfe für ein Leben mit Gott suchen. Bickl gibt Weisungen geistlichen Lebens und Wirkens, die eine große geistliche Tradition aufnehmen und doch ganz schlichte Beispiele des Lebens aufgreifen. Das nur auf den ersten Blick Erstaunliche ist, dass die geistliche Tradition sehr präzise Grundlegendes über die Kirche sagt, die unter der Führung des Heiligen Geistes aus sich hinaus und zu den Menschen geht. Zu den Elementen dieses Christseins gehört die Offenheit für Gotteserfahrungen, das Annehmen des Berufen-Seins von Gott, die Erfahrung der heilenden und erlösenden Gegenwart Gottes und die Bereitschaft, missionarisch zu sein.

    In den neuen geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen ist das mit unterschiedlichen konkreten Ausformungen ausgeprägt, wobei zum Beispiel für die Gemeinschaft Emmanuel die Anbetung des Allerheiligsten, das Mitleiden mit den materiell und geistig Ärmsten und die Evangelisation zentral wichtig sind.

    Bickl geht auch der Frage nach, wie Berufung überhaupt möglich ist und wie ein Leben mit Gott im Alltag aussehen kann. Das Leben mit dem Wort Gottes, der Bibel, ist prägend für Bickl und die Gemeinschaft Emmanuel. Manche Bibelstellen begleiten ihn über lange Zeit, bereiten Lebensentscheidungen vor. So war es auch mit der Idee des pensionierten Gymnasiallehrers, dieses Buch zu schreiben. Vor über zehn Jahren dachte er das erste Mal darüber nach.

    Immer wieder stieß er auf die Bibelstelle im Buch Habakuk: „Schreib auf, was du siehst, schreib es deutlich auf die Tafeln, damit man es mühelos lesen kann. Denn erst zur bestimmten Zeit trifft ein, was du siehst; aber es drängt zum Ende und ist keine Täuschung; wenn es sich verzögert, so warte darauf; denn es kommt … und bleibt nicht aus“ (Habakuk 2, 2b–3).

    Gott schmerzt unsere Gleichgültigkeit

    Die Kirche befindet sich aktuell in einer Krise, stellt Bickl fest. Für ihn ist dies im Kern eine Beziehungskrise, die das Miteinander der Glieder der Kirche, das Verhältnis der Christen zur Welt, aber vor allem die Beziehung des Einzelnen zu Gott betrifft. Wenn wir wahrnehmen, so Bickl, wie sehr es Gott schmerzt, wenn wir sein Werben um uns ignorieren, dann kann ein Neuanfang geschehen.

    Verletzte Beziehungen bedürfen der Heilung. Bickl glaubt fest daran, dass Gott, der heilig ist, uns ganz und gar heil machen möchte. Das setzt voraus, dass wir ihn besser kennen lernen wollen, nicht theoretisch, sondern in der Bereitschaft, dass er bei uns anklopfen und uns begegnen darf. Das Buch will genau dazu ermutigen. Bickl zeigt auf, dass eine geheilte Gottesbeziehung Basis für eine gesunde Beziehung zu sich selbst und zu anderen Menschen und somit Ausgangspunkt für eine echte Erneuerung der Kirche ist. Viele Zeugnisse zeigen, dass dann, wenn jemand Gott „versuchsweise“ eine Chance gibt, Beglückendes möglich wird.

    Bickl ist sich sicher: Gott hat für jeden Menschen Pläne des Heils. Er ruft uns daher in eine enge Beziehung zu ihm. Der Heilige Geist hilft uns, diesen Ruf zu leben – im Alltag, in der Gemeinschaft der Kirche, im je persönlichen Evangelisationsauftrag – auch für Laien. Doch ist es auch nötig, nüchtern und wachsam zu sein. Deshalb geht es in dem Buch „Mit leidenschaftlichem Erbarmen“ auch ausführlich um den Umgang mit Versuchungen und das rechte Hören auf den Heiligen Geist.

    Es braucht keine langfristigen Pläne, lautet Bickls Fazit: „Es kommt nicht darauf an, dass wir – mit welch großem Einsatz auch immer – etwas für Gott, die Menschen und die Kirche tun, sondern darauf, zu erspüren und dann auch zu tun, was Gott will. Nicht noch so ausgefeilte pastorale Konzepte bewirken echte Erneuerung, sondern unsere Bereitschaft, für Gottes Pläne und das konkrete Wirken des Heiligen Geistes sensibel und verfügbar zu werden. Bickls Rat: „Bitten wir Gott öfter, uns zu zeigen, worum wir konkret bitten sollen.“

    Georg Bickl: Mit leidenschaftlichem Erbarmen. Fe-Medienverlag Kißlegg, 205 Seiten, 2016, EUR 7,95