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    Mit Maria für den Frieden

    Ziemetshausen (DT) Gebet und christlicher Friedenswille überspringen mühelos Ländergrenzen. Etwa fünfzehntausend Pilger, darunter zahlreiche Prominente aus Politik, Kirche und Gesellschaft, haben das Pontifikalamt mit Lichterprozession am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel im mittelschwäbischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild als gläubige Demonstration gegen Resignation und Hoffnungslosigkeit erlebt. Vom 50-jährigen Bestehen der Augsburger Komturei St. Ulrich und Afra des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem schlug der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, der zugleich Großprior des Ordens ist, einen Bogen zur Situation der Christen im Heiligen Land. Als Minderheit von nur zwei Prozent einer Bevölkerung von insgesamt mehr als elfeinhalb Millionen Menschen leben sie in einer Situation, die vergleichbar ist mit jener der Urkirche.

    Moralische Unterstützung wiegt schwerer als Geld: Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, lud die Gläubigen... Foto: Bernhard Weizenegger

    Ziemetshausen (DT) Gebet und christlicher Friedenswille überspringen mühelos Ländergrenzen. Etwa fünfzehntausend Pilger, darunter zahlreiche Prominente aus Politik, Kirche und Gesellschaft, haben das Pontifikalamt mit Lichterprozession am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel im mittelschwäbischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild als gläubige Demonstration gegen Resignation und Hoffnungslosigkeit erlebt. Vom 50-jährigen Bestehen der Augsburger Komturei St. Ulrich und Afra des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem schlug der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, der zugleich Großprior des Ordens ist, einen Bogen zur Situation der Christen im Heiligen Land. Als Minderheit von nur zwei Prozent einer Bevölkerung von insgesamt mehr als elfeinhalb Millionen Menschen leben sie in einer Situation, die vergleichbar ist mit jener der Urkirche.

    Auch die kleine Mutterkirche von Jerusalem sei eine Minderheit und in ihrer Existenz abhängig von der geistlichen und materiellen Unterstützung der Universalkirche gewesen, stellte der Patriarch fest. Der Minderheitenstatus als solcher bereitet ihm kein Kopfzerbrechen: „Wir haben deshalb keine Komplexe. Alle der Kirche Treuen werden immer eine Minderheit sein.“ Doch erinnere die Kirche des Heiligen Landes immer wieder an den Auftrag aller Christen in der Welt, „das Bewusstsein für die Mitverantwortung des Erhalts der Mutterkirche mit den heiligsten und geschichtlichen Stätten der Christenheit und Institutionen zu erneuern und zu stärken“.

    Mit Blick auf das Marienfest unterstrich Patriarch Twal sein Vertrauen in die Hilfe der Gottesmutter: Sie sorge sich als Mutter der Kirche um ihre geistlichen Kinder auf Erden. „Maria ist unser Vorbild“, stellte Twal fest. Ihr ganzer Lebensweg und ihre Entscheidungen seien eine Antwort an Gott. Die äußeren Umstände, unter denen Maria ihr „Ja“ zu Christus gesprochen habe, „waren nicht einfacher als unsere heute. Sie waren eher schwieriger und bedurften eines außerordentlichen Gottvertrauens.“ Doch habe Maria allen Widersprüchen zum Trotz es gewagt, mit diesem Vertrauen das Wort Gottes in sich aufzunehmen und damit der Welt das Leben zu bringen. Der Lateinische Patriarch hob die Bedeutung Mariens als „Mutter der Hoffnung“ hervor. Anstatt sich von Angst leiten zu lassen, habe Maria in jedem Moment ihres Lebens auf die Worte des Engels gehört, der ihr in Nazareth gesagt hatte: „Fürchte Dich nicht“. So habe sie die Herausforderungen an der Seite ihres Sohnes nicht gescheut und sei stets an seiner Seite geblieben.

    Die Lichterprozession führte nach der Eucharistie an die neugestaltete Mariengrotte, in der Unsere Liebe Frau von Fátima verehrt wird. Der Blumenteppich griff in diesem Jahr Motive aus dem Heiligen Land auf: Maria als Königin von Palästina, das Kreuz der Grabesritter und die Heilige Stadt Jerusalem, von der aus sich der Glaube an den Auferstandenen verbreitet hatte. Wallfahrtsdirektor Prälat Wilhelm Imkamp, der selbst Ritter des Ordens vom Heiligen Grab ist, erinnerte im Gespräch mit dieser Zeitung daran, dass Maria von den Grabesrittern als Königin Palästinas verehrt wird. Diesem marianischen Titel komme „gerade in diesen schwierigen Zeiten eine ganz besondere Bedeutung zu“.

    Den Christen im Heiligen Land zu helfen ist eine wichtige Aufgabe des Ordens. Der selige Papst Pius IX. habe den Orden ausdrücklich als Unterstützungsorgan des lateinischen Patriarchats von Jerusalem neu strukturiert, so Prälat Imkamp weiter. Die Kollekte des Pontifikalamtes war für die Katholische Universität Madaba in Jordanien bestimmt, deren Grundstein Papst Benedikt XVI. im Mai 2009 bei seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land gelegt hatte. Christen und Muslime studieren dort gemeinsam. Gute Schulen und qualifizierte Ausbildungsmöglichkeiten im Heiligen Land zu haben, ist Twal wichtig. Ihn bedrückt, dass eine ganze Generation junger Israelis und Palästinenser mit der Gewalt aufgewachsen ist. Viele haben nie freien Zugang zu den Heiligen Stätten gehabt und wissen Twal zufolge nicht einmal, „wo sich das Heilige Grab befindet“. Daher haben auch seine Vorgänger besonderen Wert auf Schulen und Hochschulen gelegt, um „Führungspersönlichkeiten und gesunde Bürger für eine gesunde Gesellschaft auszubilden. Eine Welt, die von Gewalt und rechtem und linkem Extremismus heimgesucht werde, braucht katholische Bildungseinrichtungen“, stellte Patriarch Twal gegenüber der „Tagespost“ fest. In der Trägerschaft des Lateinischen Patriarchats befinden sich neben vierzehn Krankenhäusern derzeit 44 Schulen und zwei Hochschulen, in denen 22 000 Personen unterrichtet werden. Katholiken, Juden und Muslime lernen gemeinsam. Aus den Schulen des Lateinischen Patriarchats sind nach Angaben Twals etliche Führungskräfte und viele geistliche Berufe hervorgegangen. „Ich bin froh darüber, dass unser Priesterseminar voller Kandidaten ist, die unsere Schulen besucht haben“, so der Patriarch. Der Patriarch erinnerte die Christen im Westen daran, die eigene Identität zu lieben. „Ihre Wurzeln liegen in Jerusalem“.

    Ihm geht es weniger um materielle Hilfe als um Verantwortungsbewusstsein. „Ich bin allen dankbar, die uns helfen, aber vor allem lege ich Wert darauf, dass Sie mit mir verantwortlich sind für die christliche Gemeinde und die christlichen Institutionen der Kirche im Heiligen Land. Es ist Ihre Mutterkirche. Teilen Sie unsere Freuden und Leiden mit uns. Kommen Sie ins Heilige Land und schauen Sie sich die Originalstätten an. Bei uns können Sie das Evangelium anfassen und miterleben.“

    Dass insbesondere die Marienverehrung im Heiligen Land friedensstiftend wirkt, weiß er aus Erfahrung. Katholiken, Orthodoxe und auch Muslime verehrten die Mutter Jesu, berichtet Twal. „In unserer schwierigen Situation ist sie unsere Zuflucht.“ Nach seinem Besuch in Vesperbild zeigte er sich beeindruckt über die geistliche Ausstrahlung des Wallfahrtsortes: „Ein Juwel“. Tagsüber strömten trotz gelegentlicher Regenschauer ununterbrochen Pilger an die Grotte.

    Beim überfüllten Amt mit Kräuterweihe hatte Wallfahrtsdirektor Imkamp am Morgen dazu ermutigt, die Botschaft Christi öffentlich zu bezeugen. Vorbild sei die Mutter Jesu: „Maria ist eine Frau, die zu Recht Entscheidungen verlangt.“ Im Kräuterbuschen leuchte das Bewusstsein auf, dass die Mutter Jesu „medicamentum salutare“ sei und Marienverehrung zur ganzheitlichen Medizin gehöre. Der Kirche gehe es um den ganzen Menschen. Und die Quintessenz des Festgeheimnisses? „Sie sind mit Leib und Seele berufen. Wer von Ganzheitlichkeit spricht, darf Maria nicht ausschließen“, so Imkamp..