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    Missionieren mit Liebe und Verstand

    Rom/Wien (DT) Bis heute gilt er als der bedeutendste Missionar Asiens: Am 16. Januar 2011 jährt sich zum 300. Mal der Todestag des seligen, aus Goa stammenden Oratorianerpriesters Jose Vaz. Joseph Vaz wurde am 21. April 1651 als drittes von sechs Kindern in dem indischen Dorf Benaulim (Goa) in einer christlichen Familie geboren. Der Sohn von Christoph und Maria Vaz, geborene de Miranda, stammte aus einer Konkany-Familie, die der Kaste der Brahmanen angehört hatte, aber schon seit mehreren Jahren katholisch war. Schon früh lernte er im Gymnasium Portugiesisch und Latein. Es war sicher der religiöse Eifer seines Elternhauses, der in ihm die Berufung zum Priestertum reifen ließ. Er studierte Altphilologie an der Hochschule der Jesuiten in Goa sowie Philosophie und Theologie am Dominikanerkollegium „St. Thomas von Aquin“. Mit 25 Jahren wurde er zum Priester geweiht. Schon in dieser Zeit hegte er eine besonders innige Marienverehrung. Gerne bezeichnete er sich wiederholt als Sklave der Jungfrau Maria, wie es der heilige Ludwig Maria Grignon de Monfort in der Übung der vollkommenen Hingabe an Jesus durch Maria später so anziehend propagiert hat.

    Seliger Joseph Vaz. Foto: Archiv

    Rom/Wien (DT) Bis heute gilt er als der bedeutendste Missionar Asiens: Am 16. Januar 2011 jährt sich zum 300. Mal der Todestag des seligen, aus Goa stammenden Oratorianerpriesters Jose Vaz. Joseph Vaz wurde am 21. April 1651 als drittes von sechs Kindern in dem indischen Dorf Benaulim (Goa) in einer christlichen Familie geboren. Der Sohn von Christoph und Maria Vaz, geborene de Miranda, stammte aus einer Konkany-Familie, die der Kaste der Brahmanen angehört hatte, aber schon seit mehreren Jahren katholisch war. Schon früh lernte er im Gymnasium Portugiesisch und Latein. Es war sicher der religiöse Eifer seines Elternhauses, der in ihm die Berufung zum Priestertum reifen ließ. Er studierte Altphilologie an der Hochschule der Jesuiten in Goa sowie Philosophie und Theologie am Dominikanerkollegium „St. Thomas von Aquin“. Mit 25 Jahren wurde er zum Priester geweiht. Schon in dieser Zeit hegte er eine besonders innige Marienverehrung. Gerne bezeichnete er sich wiederholt als Sklave der Jungfrau Maria, wie es der heilige Ludwig Maria Grignon de Monfort in der Übung der vollkommenen Hingabe an Jesus durch Maria später so anziehend propagiert hat.

    Im Bettlergewand unterwegs für Christus

    Schon nach kurzer Zeit fielen sein religiöser Eifer und seine Bildung auf; er wurde zu Predigten in der Kathedrale der Hauptstadt, zum Beichte hören und zur geistlichen Begleitung eingeladen. In Kanara, auf dem Gebiet der Erzdiözese Goa, wo der Heilige Stuhl ein Apostolisches Vikariat errichtet hatte, war in dieser Zeit ein Streit bezüglich der Kompetenzen und der Jurisdiktion ausgebrochen. Um die Hirten zu versöhnen und den Eifer der Gläubigen neu zu entfachen, bedurfte es großer Demut und außerordentlicher Hingabe; und als er 1684 die Aufgabe des Apostolischen Vikars zurücklegte, konnte man die peinvolle Situation als bereinigt ansehen. In all diesen Schwierigkeiten und auch Undankbarkeiten empfand Joseph Vaz immer stärker den Wunsch, in einen Orden einzutreten. Es scheiterte aber immer daran, dass alle bestehenden Orden nur europäische Kandidaten aufnahmen. Einige Versuche, „eingeborene“ Kommunitäten zu gründen, waren fehlgeschlagen. Jedoch erlaubte der Erzbischof von Goa am 25. September 1685, dass drei indische Priester mit einer vita communis an der Kirche vom Heiligen Kreuz der Wunder auf dem Monte Boa Vista starten durften. Pater Joseph wurde zum Superior gewählt, und er war es auch, der die notwendige juridische Form für eine solche vita communis fand, die den Weiterbestand sicherte.

    Am 9. Januar 1686 entschieden sich die Patres für die Konstitutionen des Oratoriums des heiligen Philipp Neri (1515–1595), der eine Weltpriestergemeinschaft im 16. Jahrhundert in Rom gegründet hatte. Das Unternehmen erwies sich als schwierig: Die Gründung und die kanonische Errichtung durch den Heiligen Stuhl mussten durch manche Schwierigkeiten hindurch. Erst am 26. November 1706 wurde mit einer Bulle von Papst Clemens XI. die Gründung bestätigt. Ende 1686 war die kleine Kommunität, die jedoch von Anfang an mit Berufungen gesegnet war, so weit, dass sie auch ohne Pater Vaz auskommen konnte. Dieser fühlte, dass der Augenblick gekommen war, einer neuen Berufung zu entsprechen, nämlich den Katholiken auf Ceylon seelsorglich zu Hilfe zu kommen. Pater Joseph zog das Gewand eines Kuli, eines Sklaven und Bettlers an, und nach einigen Monaten leidvoller Versuche gelang es ihm, an der Küste Ceylons zu landen. Er begann damit, Katholiken zu suchen. Die meisten von diesen hatten unter dem Druck der Verfolgung äußerlich die calvinistischen Bräuche angenommen und wagten nicht, sich zu exponieren. Schließlich fand er bei einer katholisch gebliebenen Familie Unterschlupf und lernte über diese weitere dem Katholizismus treu gebliebene Gläubige, die noch verstreut im Land lebten, kennen. Geleitet vom Beispiel Jesu Christi ging er überall hin, mit einem Rosenkranz um den Hals als Zeichen seines katholischen Glaubens. Neben der Gleichgültigkeit der Buddhisten und Hinduisten bemerkte er die eine oder andere Person, die mit Interesse dieses Erkennungszeichen der Christen von Ceylon betrachtete.

    Unter großen Schwierigkeiten begann die Neuevangelisierung der Insel, die sich in dem sicheren Dorf Jaffna entfaltete. Pater Vaz führte viele Katholiken zu den Sakramenten zurück. Unermüdlich hörte er Beichte, taufte Kinder und Erwachsene, brachte das heilige Messopfer dar und regularisierte schon geschlossene Ehen. Die Tätigkeit des Apostels zog jedoch bald die Aufmerksamkeit der holländischen Obrigkeiten und den Zorn der Calvinisten auf sich. Eine Verfolgung brach aus, und es gab nicht wenige Märtyrer. Pater Joseph Vaz wurde jedoch in dem kleinen, formell unabhängigen Königreich Kandy in Sicherheit gebracht, wo der buddhistische König Villmadharma Surya regierte. Calvinistische Agenten verbreiteten das Gerücht, Joseph Vaz sei ein portugiesischer Spion. Als er entdeckt wurde, musste er für zwei Jahre ins Gefängnis. Einem Wunder verdankte er schließlich die Wiedererlangung seiner Freiheit: Als 1696 während einer nie dagewesenen Dürreperiode die Gebete der buddhistischen Mönche nicht den gewünschten Erfolg zeigten, ließ der König von Kandy nach Vaz schicken. Dieser errichtete auf dem Hauptplatz einen Altar mit einem Kreuz. Kaum hatte er zu beten begonnen, regnete es auch schon; nur der Altar und Pater Vaz blieben trocken. Das Geschehen beeindruckte den König so sehr, dass er dem katholischen Priester die Erlaubnis gab, überall im Land das Evangelium Jesu Christi zu verkünden, sein sakramentales Priestertum auszuüben und die Präsenz der Kirche zu stärken.

    Zuerst erlernte er die Sprache

    Nach der wiedererlangten Freiheit begann Joseph Vaz systematisch mit der Missionierung des Landes. Er besuchte praktisch die gesamte Westküste von Jaffna bis Colombo, die noch heute stark vom katholischen Glauben geprägt ist. Wenn Pater Vaz in ein neues Sprachgebiet kam, so erlernte er zu allererst die Sprache – unter anderem beherrschte er Tamil und Sinhala. Er führte ein einfaches und genügsames Leben und schlief stets auf einer dünnen Matte auf dem Erdboden. Die im Jahre 1697 ausgebrochene Pockenepidemie hätte – nach dem persönlichen Zeugnis des Königs – die ganze Bevölkerung dahingerafft, wenn die Liebe und der Verstand von Pater Vaz nicht dafür gesorgt hätten, die Kranken zu pflegen und Hygiene-Vorschriften zu erlassen, die tatsächlich die Ansteckung verhinderten.

    Pater Vaz hätte zum apostolischen Vikar für ganz Ceylon ernannt werden sollen. Er lehnte aber ab und blieb der bescheidene Missionar. Verbraucht von den Anstrengungen starb er 60jährig das Kreuz in den Händen haltend in der Nacht des 16. Januar 1711 in Kandy. Seine letzten Worte zu den Patres waren: „Bedenkt, dass man im Augenblick des Todes nicht leicht das tun kann, was man während des ganzen Lebens vernachlässigt hat zu tun.“ Mit einer Kerze in der Hand und den Namen Jesus auf den Lippen beendete er seine irdische Pilgerschaft. Sein Leichnam wurde drei Tage lang aufgebahrt, so groß war die Zahl der Gläubigen, die sich von ihrem geistlichen Vater verabschieden wollten. Sie nannten ihn „Sammanasu Swam“ – engelsgleicher Priester. Der König selbst veranlasste die Begräbnisfeierlichkeiten. Pater Vaz wurde in der von ihm errichteten Kirche bestattet.

    Bei seinem Tod zählte die Kirche auf Sri Lanka 70 000 gebetstreue Katholiken, für die der seeleneifrige Priester in den beiden Landessprachen Singalesisch und Tamil einen Katechismus und ein Gebetbuch verfasst hatte. Während seiner Missionstätigkeit waren vier bedeutende, große Kirchen in den Großstädten gebaut worden und in jedem Dorf gab es eine Kapelle – insgesamt über zweihundert. Zehn Priester führten sein Werk fort. 1995 wurde Joseph Vaz von Papst Johannes Paul II. auf Sri Lanka selig gesprochen. In seiner Predigt bezeichnete der Papst ihn als „den größten christlichen Missionar, den Asien je hervorgebracht hat“.

    Für seinen Gedenktag am 16. Januar hat die Apostolische Pönitentiarie allen Gläubigen, die an diesem Tag in Goa, in den Kongregationen des Oratoriums oder an jedem anderen Ort, an dem der Selige an diesem Tag öffentlich verehrt wird, beten, einen vollkommenen Ablass unter den gewöhnlichen Bedingungen gewährt.