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    „Missbrauch der Sakramente“

    Menzingen (DT/KNA) Trotz der jüngsten Erklärung aus dem Vatikan hält die traditionalistische Pius-Bruderschaft an den von ihr geplanten Priesterweihen fest. Dies bestätigte ein Sprecher des Generalhauses der Gemeinschaft im schweizerischen Menzingen am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auf die Frage, ob die in den Vereinigten Staaten, der Schweiz und Deutschland vorgesehenen Weihen wie angekündigt durchgeführt würden, antwortete er „selbstverständlich“ und verwies auf entsprechende Stellungnahmen der Piusbrüder aus den vergangenen Wochen.

    Menzingen (DT/KNA) Trotz der jüngsten Erklärung aus dem Vatikan hält die traditionalistische Pius-Bruderschaft an den von ihr geplanten Priesterweihen fest. Dies bestätigte ein Sprecher des Generalhauses der Gemeinschaft im schweizerischen Menzingen am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auf die Frage, ob die in den Vereinigten Staaten, der Schweiz und Deutschland vorgesehenen Weihen wie angekündigt durchgeführt würden, antwortete er „selbstverständlich“ und verwies auf entsprechende Stellungnahmen der Piusbrüder aus den vergangenen Wochen.

    Darin betont die Bruderschaft mehrfach, sie sehe in den Weihen keinen Affront gegen die Einheit der Kirche. Am Mittwoch hatte der Vatikan in einer Stellungnahme die geplanten Weihen für unerlaubt erklärt. Solange die Bruderschaft keinen ordentlichen Status in der katholischen Kirche besäße, seien ihre Mitglieder nicht berechtigt, irgendeinen Dienst in der Kirche auszuüben. „Die Weihen sind daher nach wie vor als illegitim anzusehen“, erläuterte das vatikanische Presseamt.

    Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, in dessen Bistum am 27. Juni unerlaubte Weihen im Zaitzkofener Seminar gespendet werden sollen, nannte den Entschluss der Piusbrüder gegenüber dieser Zeitung als ein „Zeichen, dass die Bruderschaft nicht an der Einheit der katholischen Kirche interessiert ist und die ausgestreckte Hand des Heiligen Vaters zurückweist“. Äußerungen der Piusbrüder, sie strebten eine Einheit mit dem Nachfolger Petri und dem Ortsbischof an, seien reine „Lippenbekenntnisse“, so Müller, dem weder Anfragen der Weihekandidaten noch Schreiben von deren Heimatbischöfen vorliegen. Aus Sicht des Regensburger Oberhirten, der noch am Donnerstag eindringlich an die Bruderschaft appelliert hatte, die unerlaubten Weihen zu unterlassen, gehen die Pius-Brüder „einen schlimmen Weg“. Keine verantwortliche Stelle im Vatikan habe den Piusbrüdern in irgendeiner Weise ein Placet zu ihren Weihen signalisiert.

    Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur stellte der Bischof, der in den vergangenen Tagen zu Gesprächen in Rom war, fest: „Die Stimmen, auf die sie sich berufen, gibt es entweder nicht oder sie sind nicht zuständig.“ Es gebe kein Schlupfloch, um die Weihen zu rechtfertigen. Den Verweis der Piusbrüder auf einen provisorischen kirchenrechtlichen Status nannte Müller „fadenscheinig“. Mit ausdrücklicher Billigung von Papst Benedikt XVI. habe die für die Traditionalisten künftig zuständige Glaubenskongregation, der Müller angehört, bereits vor zwei Monaten Richtlinien festgelegt. Demnach sind die geplanten Weihen der Piusbrüder unerlaubt. Sowohl die Kandidaten wie die weihenden Bischöfe bräuchten dafür eine eigene Erlaubnis des Ortsbischofs. Auch die Reklamierung eines Notstands wies der Bischof zurück. „Ein solcher ist in keiner Weise objektiv greifbar“, sagte Müller. Es gebe keine äußere Bedrückung der Kirche wie etwa in der Tschechoslowakei zu Zeiten des Eisernen Vorhangs. Außerdem stehe es den Piusbrüdern nicht zu, einen solchen Notstand festzustellen.

    Das Festhalten an den Weihen sei ein „Akt der Widerspenstigkeit“ und ein „Missbrauch der Sakramente“. Mit der theologischen Unterscheidung „unerlaubt, aber gültig“ sollten die Piusbrüder nicht weiter ein „böses Spiel treiben“. Der Bischof widersprach auch der Meinung, das Gespräch über bestehende theologische Differenzen könnten Jahre dauern. „Das sollte in kürzester Zeit erledigt werden.“ Schließlich handele es sich in diesem Fall nicht wie im ökumenischen Dialog um hochkomplexe unterschiedliche theologische Konzeptionen. „Die Piusbrüder haben sich in die Kirche einzureihen, nicht umgekehrt.“ Müller räumte ein, dass es psychologisch schwierig sei, einzugestehen, „dass man die letzten 30 Jahre in eine falsche Richtung gegangen ist“. Hauptproblem der Traditionalisten sei ein falsches Verständnis von Tradition. Die Überlieferung könne nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt eingefroren werden.