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    „Menschlich, persönlich und christlich sehr beeindruckt“

    Wien (DT) Es ist eine der kleinsten Pfarrgemeinden der Erzdiözese Wien, die derzeit den meisten Staub aufwirbelt: Stützenhofen bei Drasenhofen, im Bezirk Mistelbach, hoch droben im nördlichen Niederösterreich. Seit am 18. März ein 26-Jähriger, der in offizieller eingetragener Partnerschaft mit einem anderen Mann lebt, in den Pfarrgemeinderat gewählt wurde, reißt die Debatte darüber nicht mehr ab. Die rund 30 000 übrigen Frauen und Männer in den Pfarrgemeinderäten der 3 000 Pfarreien des Landes finden zusammen weniger mediale Beachtung als Florian Stangl aus Stützenhofen im Weinviertel.

    Wien (DT) Es ist eine der kleinsten Pfarrgemeinden der Erzdiözese Wien, die derzeit den meisten Staub aufwirbelt: Stützenhofen bei Drasenhofen, im Bezirk Mistelbach, hoch droben im nördlichen Niederösterreich. Seit am 18. März ein 26-Jähriger, der in offizieller eingetragener Partnerschaft mit einem anderen Mann lebt, in den Pfarrgemeinderat gewählt wurde, reißt die Debatte darüber nicht mehr ab. Die rund 30 000 übrigen Frauen und Männer in den Pfarrgemeinderäten der 3 000 Pfarreien des Landes finden zusammen weniger mediale Beachtung als Florian Stangl aus Stützenhofen im Weinviertel.

    „Derzeit prüft die Erzdiözese Wien den Wahlvorgang in Stützenhofen und versucht, auch im persönlichen Kontakt mit den Beteiligten eine Antwort zu finden, die sowohl der Integrität des Betroffenen wie auch den Regeln der Kirche gerecht wird“, hieß es in einer ersten Stellungnahme der Erzdiözese Wien am 21. März, während man am Stephansplatz noch hoffte, der Gewählte könne zum freiwilligen Rückzug überredet werden. Das erste Statement der Erzdiözese klang gar nicht danach, als wollte man sich mit einem bekennenden Schwulen als Pfarrgemeinderatsmitglied abfinden: Man könne sich „nicht darüber hinwegsetzen, dass die aus dem Evangelium abgeleiteten Lebensregeln der Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht gutheißen und sich das Lehramt der Kirche eindeutig auch gegen eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften ausgesprochen hat“, hieß es da. Das Amt des Pfarrgemeinderats sei „ein spezifischer kirchlicher Dienst“, und für einen solchen würden nun einmal „spezifische Voraussetzungen“ gelten: „Dazu zählt auch das Einverständnis mit der Glaubenslehre und der Ordnung der Kirche.“

    Von der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Kärnten nach Wien zurückgekehrt, klang der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, schon weniger entschlossen: Er wolle sich die Wahl ansehen und mit dem Betroffenen sprechen. Am 30. März schließlich entschied der Bischofsrat der Erzdiözese Wien, dem neben dem Erzbischof die Weihbischöfe, die Bischofsvikare, der Generalvikar, der Ordinariatskanzler und die Pastoralamtsleiterin angehören, das Wahlergebnis nicht zu beeinspruchen. Kardinal Schönborn erklärte, dass in Stützenhofen „Formfehler“ aufgetreten seien, die aber das Wahlergebnis an sich nicht in Frage stellen würden. Und weiter: „Bei dem persönlichen Gespräch, das ich mit Herrn Stangl führen konnte, war ich von seiner gläubigen Haltung, seiner Bescheidenheit und seiner gelebten Dienstbereitschaft sehr beeindruckt.“ Die Diözesanleitung erhebe „keinen Einspruch gegen die Wahl und ihr Ergebnis“, doch sollten „in der Pfarrgemeinderatsordnung die Voraussetzungen für eine Kandidatur“ nun präziser gefasst werden.

    Am Palmsonntag meinte der Wiener Kardinal in der ORF-Sendung „Pressestunde“ über sein Mittagessen mit dem Betroffenen und dessen Lebenspartner: „Ich war von Florian Stangl menschlich, persönlich und auch christlich sehr beeindruckt. Er ist ein gläubiger, engagierter, bescheidener und wirklich liebenswürdiger Mann.“ Man müsse „in allen Moralfragen zunächst auf den Menschen schauen“. Er glaube, „dieser junge Mann ist da am richtigen Platz, und deshalb habe ich das auf meine Kappe genommen“. Das sei eine „persönliche Entscheidung“. Die Kirche halte „am Menschen, aber auch an der Regel fest“.

    Ausgerechnet zu Ostern folgte dann die nächste Stufe der Eskalation: Der zuständige Pfarrer Gerhard Swierzek kündigte an, auf die Pfarrei Stützenhofen verzichten zu wollen und beklagte sich gleichzeitig gegenüber Medien, Kardinal Schönborn habe zwar den homosexuellen Pfarrgemeinderat persönlich empfangen, nicht jedoch ihn als Pfarrer. Schönborns Sprecher Michael Prüller will das im Gespräch mit der „Tagespost“ so nicht stehen lassen: Mit dem Pfarrer habe es ständig Kontakt gegeben, auch habe am 29. März ein Treffen zwischen Swierzek und Generalvikar Nikolaus Krasa stattgefunden. Für den Pressesprecher der Erzdiözese Wien begann das Problem mit der fehlerhaften, viel zu spät angesetzten „Urwahl“ sieben Tage vor der Pfarrgemeinderatswahl: Damals seien in dem kleinen Dorf 43 Kandidaten benannt worden, von denen aber nur sechs zur Kandidatur tatsächlich bereit waren – exakt so viele, wie als Pfarrgemeinderäte vorgesehen sind. Als sich der Pfarrer vier Tage vor der Wahl an die Erzdiözese wandte, sei es für Korrekturen bereits zu spät gewesen.

    Dass Kardinal Schönborn, der zunächst auf den Rückzug des homosexuellen Pfarrgemeinderatsmitglieds drängte, in dieser Frage umgedacht hat, ist offensichtlich. Prüller sieht diese Entscheidung Schönborns auf dem Hintergrund „der Tatsache, dass in vielen Pfarrgemeinderäten Menschen dienen, deren Lebensverhältnisse nicht der Ordnung der Kirche entsprechen, wie etwa wiederverheiratete Geschiedene oder Paare ohne Trauschein“.

    Das Problem sei aber, dass weder das Kirchenrecht noch die diözesane Wahlordnung präzise Vorgaben machen, meint Prüller gegenüber dieser Zeitung. In manchen österreichischen Diözesen, etwa in Linz, gebe es neben der Taufe nur eine Altersgrenze, aber keinerlei andere Beschränkung.

    An Florian Stangl sollte also „kein Exempel statuiert“ werden, doch würden nun die Wahlvoraussetzungen präzisiert. Dass die aktuelle „Einzelfallentscheidung“ bei vielen Pfarrern zur Verunsicherung führt, bestreitet Prüller nicht. Es sei aber bisher noch viel zu wenig geklärt, wie die von der Lehre gewünschte Beteiligung am Leben der Kirche und damit auch an der Arbeit der Pfarreien bei jenen Gläubigen aussehen kann, die in einer irregulären Situation leben. Dass Pfarrer Swierzek, der noch zwei weitere Pfarreien betreut, auf Stützenhofen verzichten will, hat man in Wien auch nur aus den Medien erfahren. Schriftlich sei ein solcher Verzicht bisher nicht eingereicht worden. Und entschieden wird in der Osterwoche keinesfalls darüber, da sich Kardinal Schönborn derzeit im Heiligen Land aufhält. Zu einem Treffen zwischen Kardinal und Pfarrer wird es erst nach der Osteroktav kommen.