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    Melodische Pilgerschaft für den Frieden

    Die christliche Musik ist in ihren Ursprüngen aufs engste mit der jüdischen Synagogalmusik verknüpft. Die Kantillation der Psalmen und die gesungenen Formen der Lesungen verdanken sich ebenso dem Gottesdienst der jüdischen Gemeinden vor Ort wie der weitgehende Verzicht auf Instrumente. Sowohl Juden als auch Christen integrierten später auch instrumentale Klänge in die Liturgie, wobei die jüdischen Gemeinden auf die festive Praxis des Tempelgottesdienstes in Jerusalem zurückgreifen konnten. Im Laufe der Musikgeschichte gab es immer wieder Komponisten, die, wie beispielsweise Felix Mendelssohn-Bartholdy, klingendes Gotteslob für beide Glaubensgemeinschaften schufen.

    Die christliche Musik ist in ihren Ursprüngen aufs engste mit der jüdischen Synagogalmusik verknüpft. Die Kantillation der Psalmen und die gesungenen Formen der Lesungen verdanken sich ebenso dem Gottesdienst der jüdischen Gemeinden vor Ort wie der weitgehende Verzicht auf Instrumente. Sowohl Juden als auch Christen integrierten später auch instrumentale Klänge in die Liturgie, wobei die jüdischen Gemeinden auf die festive Praxis des Tempelgottesdienstes in Jerusalem zurückgreifen konnten. Im Laufe der Musikgeschichte gab es immer wieder Komponisten, die, wie beispielsweise Felix Mendelssohn-Bartholdy, klingendes Gotteslob für beide Glaubensgemeinschaften schufen.

    An diese Gemeinsamkeiten knüpft auch die vorliegende CD-Produktion an, die auf uraltes musikalisches Kulturgut von Juden und Christen zurückgreift und dieses auf eine innovative Weise miteinander verbindet. Chant for peace, eine musikalische Pilgerschaft für den Frieden, nennen die Mönche von Heiligenkreuz und Timna Bauer, die gemeinsam mit dem Elias Meir-Ensemble hier musizieren, ihr gemeinsames Projekt. „Jeder Mensch trägt im Innersten seines Herzens die Sehnsucht nach der letzten Erfüllung, dem höchsten Glück, also letztlich nach Gott, sei es bewusst oder unbewusst. Ein Kloster, in dem sich die Gemeinschaft täglich mehrmals zum Gotteslob versammelt, bezeugt, dass diese urmenschliche Sehnsucht nicht ins Leere geht.“

    Diese Worte, die Benedikt XVI. am 9. September 2007 in Stift Heiligenkreuz sprach, haben die Mönche der CD als Motto beigegeben. Die Sehnsucht nach Gott öffnet den Menschen für ihn und schließt sein Herz zugleich für den Mitmenschen auf – auch und gerade für diejenigen, die anders glauben als er selbst. Christen und Juden singen auf dieser CD nicht nur für den Frieden, sie demonstrieren eindrucksvoll, dass Versöhnung möglich ist. Dies wird besonders an der berührenden Familiengeschichte von Timna Bauer deutlich. Als sie am 9. November, einem Datum, das jedem Juden und jeder Jüdin unauslöschlich ins Herz gebrannt ist, vor dem Beginn des Konzertes mit den Mönchen in der Sakristei von Heiligenkreuz steht, muss sie an ihren Großvater Simon Segal denken, der, aus einer litauischen Kantorenfamilie stammend, 1905 vor dem russisch-japanischen Krieg nach Österreich floh, dort heiratete und so fest an die Werte der europäischen Aufklärung glaubte, dass er, weil er die Gefahren des Nationalsozialismus nicht erkannt hatte, deportiert und ermordet wurde. Sie wird für ihn singen, ebenso wie für ihren anderen Großvater, den jemenitischen Juden Yechiel Dahabani, der niemals eine Kirche betreten hätte, weil er überzeugt war, dass sein Glaube ihm dies nicht erlaube. Timnas Mutter aber war an jenem Tag in Heiligenkreuz, um ihre Tochter im Wechsel und gemeinsam mit den Mönchen singen zu hören – jüdische Gesänge ebenso wie Psalmen und Messgesänge.

    Auf Chant for peace wird hörbar, wie eng jüdischer und christlicher Gottesdienst bei aller grundsätzlich theologischen Verschiedenheit in ihrem Wurzelgrund verbunden sind. Dies liegt nicht allein an den Melodien etwa der jemenitischen Juden, die als die ältesten Diasporagemeinden gelten und in deren Abgeschiedenheit Melodien tradiert werden, die noch auf den Tempelgottesdienst zurückgehen und zugleich das tonale Material für die Gesänge des Gregorianischen Chorals gebildet haben, wie der französisch-israelische Musikethnologe Simha Arom nachgewiesen har. Es wird auch deshalb erlebbar, weil sich die Stimme von Timna Bauer mit denen der Mönche so perfekt mischt und sie im gemeinsamem Singen etwa des gregorianischen Kyrie verschiedene Interpretationen wagen, in denen jeder das musikalische Heimatland des jeweils anderen betritt und von dort wunderbare Früchte mit nach Hause bringt. Gregorianische Interpretationen verweben sich mit jüdischer Kantillation und mittelalterlichen Quintorgana und schaffen so eine Welt, in der beide Seiten spirituell Wurzeln schlagen können.

    Das Elias Meiri-Ensemble bringt neben feingesponnenen, meditativen Melodiebögen ein tänzerisches, verspieltes Element in die zum Frieden zwischen den Religionen anstiftende Klangwelt der CD. Die Mönche verstehen ihr Engagement, wie Abt Dr. Maximilian Heim OCist in seinem Geleitwort im Booklet betont, als Teil ihres Lebensprogrammes, leben sie doch nach dem Willen des heiligen Benedikt in einer Schule der Liebe, in der ihre Einheit im gemeinschaftlichen Gebet hörbar wird und sich, wie Heim schreibt, konkret in der harmonischen Einstimmigkeit des gregorianischen Chorals realisiert. Zugleich öffnen die Mönche sich jedes Mal, wenn sie sich in der Kirche versammeln, dem Gesang der Engel, in den sie einstimmen. Das sorgsam erstellte, mit einprägsamen Bildern versehene Booklet enthält die Texte aller Gesänge in der jeweiligen Originalsprache, in Deutsch und Englisch. Die CD ist allen Menschen gewidmet, die Gott suchen. Möge sie viele Hörer finden.

    Chant for peace. Die Zisterziensermönche von Stift Heiligenkreuz, Timna Brauer & Elias Meiri Ensemble, Deutsche Grammophon 2015, EUR 7,97