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    Mein junger Glaube im Alltag: Raus aus der Enge ins Weite - Träume sind wichtig - Wallfahrt der besonderen Art

    „Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

    „Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

    Manche Sätze aus der Bibel können wirklich einschlagen. Nicht, weil sie sehr schön wären, weil der Klang der Worte besonders wäre oder weil sie oft zitiert würden. Vermutlich gehen sie uns so nahe, weil sie in unsere konkrete Lebenssituation hineintreffen, eine Antwort auf all das Durcheinander geben, das unser Leben immer wieder beherrscht. Für mich war es in der vergangenen Zeit mit einem Psalmwort so: „Du führst mich hinaus in die Weite.“

    Gott ist es, der aus der Enge und Ängstlichkeit unseres Lebens hinausführt in Freude und Weite. Gott ist es, der von uns keine Engstirnigkeit, sondern vielmehr Weitblick erwartet, eine Offenheit, die nicht einmal davor zurückschreckt, seine Feinde zu lieben.

    Gott ist es, der Orientierungsstab sein kann, um nicht zu ertrinken im Meer des Lebens, sondern sicher das Ufer zu erreichen, auch wenn es noch so ferne zu sein scheint.

    Und doch stellt sich ganz zwangsläufig die Frage, wie Gott das schafft, wie wir uns auf diese Weite einlassen können. Wir alle kennen sie doch, diese Situation, in der wir denken, alles sei zu festgefahren, zu eng, zu aussichtslos, um das Ziel des Lebens zu erreichen. Diese Augenblicke, in denen die Welt schwarz erscheint und düster, nicht farbenfroh und fröhlich.

    Diese Momente, in denen so viele Menschen auch an Gott zweifeln und nicht selten verzweifeln, an diesem stummen Gott. Und doch – es gibt Gott und Gott schafft es, uns in die Weite zu führen.

    Eben weil er kein absolut transzendenter Gott ist, zu dem wir keine Beziehung haben könnten und der nicht hineinreichen würde in unser Leben. Durch Jesus Christus wird Gott doch in kaum zu überbietender Art und Weise zum Ansprechpartner des Menschen. Wir können Dialogpartner Gottes sein, können uns im Gespräch an ihn wenden. In einem Gespräch, dass wir wie mit einem Freund führen, in dem neben allem Dank, neben dem Glück und der Freude eben auch das Leid und die Anklage Raum finden können.

    Das ist doch das besondere an Gott, dass alle Fehler, aller Streit, alle Ignoranz nicht dazu führen können, dass die Beziehung mit ihm bricht oder endet.

    Und: Gott sendet uns Menschen, immer wieder aufs Neue. Menschen, deren Worte uns aus der Enge eingefahrener Sichtweisen befreien, die dort Perspektive sehen, wo wir blind für sie waren.

    In den Augenblicken, in denen Menschen so handeln, wird das Reich Gottes spürbar: Dort, wo man am Kummer des anderen mitleidet, dort wo man einfach nur zuhört und dort, wo man den Blick weitet. Was würden wir tun, wenn es diese Menschen nicht gäbe?

    Wenn wir all das bedenken, dann können wir uns wirklich von Gott an die Hand genommen fühlen und getrost in die Zukunft schauen.

    Das Reich Gottes ist immer größer als unser so oft scheiterndes Leben auf der Erde, die Gerechtigkeit Gottes ist größer als das Unrecht der Welt, die Liebe Gottes ist größer als der Hass der Menschen.

    Der Autor, 18, studiert Katholische Theologie in Regensburg


     

    Jeder Mensch hat Träume. Dabei kann vieles gemeint sein, eigene Erfolge, umgesetzte Pläne, Anstrengungen die sich lohnen. Was für Ziele hinter diesen Träumen auch immer stehen mögen. Ein jeder hat sie. Was hat mich in der Vergangenheit einmal angetrieben und bewegt, oder tut es bis heute?

    In den letzten Tagen bin ich auch auf etwas gestoßen, was mich vor einigen Jahren sehr erfüllt hat. Irgendwann habe ich einmal angefangen, an einem Roman zu schreiben. Ich habe mir Figuren erdacht und sie mit Leben gefüllt, dazu eine Welt mit ihren eigenen Städten, Ländern und geographischen Eigenheiten. Und dann natürlich die Handlung. Insgesamt waren es um die 600 Seiten, die ich in vielen Stunden erarbeitet habe.

    Letztendlich wurde die Geschichte groß und der Weg war ein weiter, den die Protagonisten und ich selbst schon gegangen waren. Da ich aber nicht genau wusste, wie ich die Geschichte enden lassen wollte, hat sich das Projekt vorerst (und voraussichtlich endgültig) beendet.

    Ich denke schon, dass ich damals sehr begeistert von dem Gedanken gewesen bin, ein eigenes Buch zu schreiben. Etwas selbst zu schaffen und Anderen daran Anteil zu schenken, was aus meiner Fantasie geboren war. Ein Traum, an den ich gerne denke und auch daran glaube, dass er gewiss nicht umsonst war.

    Wichtig sind Träume allemal. Dabei meine ich nicht nur die Träume die sich ausschließlich um uns selbst und unseren Erfolg drehen, sondern auch jene, die mehr im Blick haben. Auch Firmenimperien haben oft damit begonnen, weil einer über sich hinausgewachsen ist, weil einer gewagt hat, Neuland zu betreten und Risiken auf sich zu nehmen. Später profitierten davon vielleicht viele Millionen Menschen. Es muss das Ziel eines jeden Menschen sein, sich über sein gewohntes Terrain zu erheben. Der Mensch ist von Gott, seinem Schöpfer, gesegnet, nicht zu funktionieren wie eine stumpfe Maschine. In jedem Menschen ist zumindest ein kleiner Funken des göttlichen Schöpfungsgeistes, ein Funke der ausreicht, um Großartiges bewirken zu können, man denke zum Beispiel an Werke großer Komponisten, an Freiheitskämpfer, an Pioniere, an Idealisten aller Epochen. Wir kennen sie noch heute, weil sie die Welt verändert haben. Nun kann nicht jeder die ganze Welt verändern, aber doch den eigenen „kleinen“ Kosmos.

    Auch das Volk Israel hatte einen großen Traum, nämlich den vom verheißenen Land. Darum sind sie aufgebrochen, auch wenn es ein Weg voller Rückschläge war; im Vertrauen auf Gott haben sie das Land doch erreicht.

    Für uns, die wir im christlichen Glauben verbunden sind, dauert im letzten doch der ein und selbe Traum fortwährend an. Unser Traum vom verheißenen Land ist ein Traum, der nicht von dieser Welt ist. Es ist der Traum vom Himmelreich, das alles und jeden in sich hineinnimmt. Unweigerlich gehen wir in unserem Leben darauf zu, hin zu der Wohnung, die für uns bereitet ist. Christus hat dies für uns wahr gemacht. Daran, was Gott durch seinen Sohn verwirklicht hat, können wir zum Glück nicht mehr scheitern. Durch Gott gelingt somit unser größter Traum, in ihm finden wir unsere Erfüllung, unser Streben danach wird in eine nicht enden wollende Gemeinschaft mit Gott erlöst. „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat;“ (PS 103, 2).

    Der Autor, 23, studiert Katholische Theologie in Regensburg

     

    Meine Mutter rief mich an und fragte, ob es möglich sei, dass ich ihr helfe, eine Wallfahrt zu organisieren. Sie und ihre philippinischen Freundinnen wollten nach langer Zeit mal wieder gemeinsam motorisiert durch das Frankenland pilgern. Ich sagte zu und dachte, dass es sich vielleicht nicht mehr als um eine Handvoll Personen handeln werde. Die Wallfahrt sprach sich allerdings bei den Freundinnen so weit herum, dass am Ende so viele mitwollten, dass man einen großen Reisebus mit über 50 Sitzplätzen benötigte. Man hätte sozusagen eine Warteliste für die Warteliste erstellen können, falls jemand erkrankt oder kurzfristig absagt. Der Bus war am Tag der Wallfahrt international besetzt. Die Pilger aus den Philippinen, Deutschland und Kenia packten gleich nach der Abfahrt ihre Gitarren aus und sangen Lobpreislieder in verschiedenen Sprachen. Das erste Ziel war die Gebetsstätte Heroldsbach, wo die Filipinas einige Lieder in der Hl. Messe sangen. Sie waren vor Jahren als Kirchenchor „Ave Maris Stella“ unterwegs gewesen und trafen sich immer dort, wo die Wandermuttergottes für zwei bis drei Wochen zu Besuch war. Man betete den Rosenkranz, sang Lieder und plauderte anschließend beim Essen. Aber zurück zu den Wallfahrern. Der zweite Stopp führte uns nach Vierzehnheiligen. Die grüne Landschaft mit der Basilika lud vor allem die Asiaten unter den Wallfahrern ein, Vorurteile zu bestätigen und sie schossen ein Foto nach dem anderen.

    Der letzte Halt auf der Etappe war die Abtei Maria Frieden bei Bamberg, wo wir gleich bei der Ankunft von der Äbtissin der dortigen deutschen, philippinischen und japanischen Benediktinerinnen ganz herzlich begrüßt wurden. Nach Kaffee und Kuchen konnten wir einen Blick in das Klosterleben werfen, wie die Schwestern „Ora et labora“ (beten und arbeiten) in ihren Alltag umsetzen. Von liebevoll verzierten Kerzen über Karten, die in japanischer Reißtechnik angefertigt werden, bis hin zu Nahrungsmitteln, die die Klosterschwestern weiterverarbeiten, staunten die Pilger über die Produkte und sahen, wie jede Schwester mir ihrem Talent etwas zur Klosterkasse beiträgt. Danach konnten wir noch an der Vesper teilnehmen, bevor es wieder zurückging. Viele waren so sehr begeistert, dass sie wiederkommen möchten, um einige Tage im Kloster zu verbringen oder an den nächsten Exerzitien teilzunehmen. Auf der Rückfahrt erzählte mir der Busfahrer, dass er erst einen Schock bekommen hat, als er mich gesehen hat. „So ein junger Reiseleiter – das kann ja was werden“, ging es ihm durch den Kopf. Als er dann die Gruppe gesehen hat, die hauptsächlich aus Frauen bestand, hat er einen noch viel größeren Schock bekommen. Er hat mir aber auch voller Freude gesagt, dass es die schönste Busfahrt war, die er je erlebt hat. Er hat noch nie so viel gelacht wie an diesem Tag und wäre bei der nächsten Pilgerfahrt sehr gerne wieder der Fahrer. Auch schwärmte er noch von dem Kuchen bei den Benediktinerinnen, bei denen er erfuhr, dass eine Oblatin nichts mit dem Essen zu tun hat.

    Der Autor, 21, studiert Theologie an der Hochschule Heiligenkreuz

    Von Benedikt Bögle