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    Mein junger Glaube im Alltag: Der Papst rechnet mit euch: Glauben ist nicht leicht: Im Zentrum stand Christus

    „Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

    „Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

    Stell dir vor, es ist Weltjugendtag und niemand geht hin. 14 Messdiener und einige Jugendliche und Kinder hatten sich am Sonntag, 28. Juli, in der Basilika St. Paulin getroffen, um mit Weihbischof emeritus Alfred Kleinermeilert ein Pontifikalamt anlässlich des Weltjugendtages zu feiern. Ursprünglich war die Messe als Abschluss eines „Weltjugendtags für Daheimgebliebene“ gedacht. Mit einem brasilianischen Abend, einer Lichtfeier und der gemeinsamen Fernsehübertragung der Vigil und Abschlussmesse sollte ein Programm für diejenigen geboten werden, die sich eine teure Reise nach Südamerika nicht leisten konnten. Doch meldeten sich nicht genug Teilnehmer, um die Veranstaltung durchführen zu können. So musste für die ungefähr 15 Interessierten also ein „abgespecktes“ Programm stattfinden, was aus dem Pontifikalamt und der anschließenden Fernsehübertragung im Pfarrsaal bestand. Denn für alle bisherigen Teilnehmer war klar, dass das gemeinsame Erlebnis der Fernsehübertragung, um wenigstens ein bisschen „Rio-Atmosphäre“ aufsaugen zu können, nicht ausfallen sollte. In der Katechese des Pontifikalamts brachte Ortspfarrer Joachim Waldorf den Jugendlichen die Schriftstelle Mt 28, 16–20 näher, die das Motto beinhaltete, unter dem der diesjährige Weltjugendtag stattfand: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“ In einer Legende, nach der Engel im Himmel auf die Erde blickten und den Herrn angesichts der offensichtlichen Schwächen der Jünger auf Erden fragten, ob er denn keinen besseren Plan habe, um das Reich Gottes auf Erden zu verbreiten, antwortete dieser: „Nein, einen besseren Plan habe ich nicht.“ Die Sendung der Menschen durch Jesus sei der beste Plan. Waldorf hob die Verpflichtung der Jugendlichen zur Missionierung hervor: „Warum sollen denn die Jünger tatsächlich allen Menschen die frohe Botschaft bringen und zu Jüngern Jesu machen? Weil Jesus alleine alle Macht auf Himmel und auf der Erde gegeben ist.“ Daraus folge dann der Missionsbefehl: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“ Als zweites erklärte Waldorf den Jugendlichen das „Wie“ der Missionierung. „Wenn ihr auf das Logo des Weltjugendtags seht, erkennt ihr ein Herz, den Auferstandenen und ein Kreuz. So wie ihr das dort seht, so muss Jesus und das Kreuz in das Herz jedes Einzelnen von euch geschrieben stehen. Ihr müsst mit Herz missionieren, dann seid ihr auch erfolgreich.“ Dass die Zahl der Anwesenden nicht sehr groß war, tat der Atmosphäre aber keinen Abbruch. Die Jugendlichen, die sich zusammengefunden hatten, um den Abschluss des Weltjugendtages gemeinsam zu begehen und ein wenig in den Strom der pilgernden Jugendlichen in Brasilien einzutauchen, konnten an einem feierlichen Pontifikalamt teilnehmen und einem sichtlich mitreißenden Papst bei seiner Predigt während des Abschlussgottesdienstes zuhören. Auch wenn es wenige waren: Jesus war zugegen und da wehte der Heilige Geist. „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“, sagt Jesus (Mt 18, 20). Das war natürlich mit Sicherheit nicht so spektakulär wie an der Copacabana; aber wenn es gelungen ist, bei dieser Veranstaltung auch nur einen Jugendlichen für Jesus zu gewinnen, war sie unvergleichlich wertvoll. „Wisst ihr, welches das beste Mittel ist, um die Jugendlichen zu evangelisieren? Ein anderer Jugendlicher“, sagte Papst Franziskus in seiner Predigt im Abschlussgottesdienst. Und das dürfen wir in Deutschland auch als Zeichen der Demut verstehen. Missionierung geht von Mensch zu Mensch. Sie ist nicht mehr Stammesbekehrung, sondern Individualbekehrung. Das macht die Missionsarbeit natürlich ungemein anstrengender; aber es stellt die Durststrecke, die wir oft in Deutschland wahrnehmen wollen, in ein anderes Licht. Es kann auch eine Chance sein, eine kleine Gruppe – aber dafür von wahrhaft Überzeugten – zu sein. Sagt Jesus doch: „Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.“ (Lk 13, 20f) Denn so wird die Missionsarbeit in Europa in den nächsten Jahren wahrscheinlich geprägt sein. Von Mensch zu Mensch. Von Jugendlichem zu Jugendlichem. Mit Jesus im Herzen und dem Kreuz auf dem Rücken „ohne Furcht – um zu dienen. Jesus Christus rechnet mit euch! Die Kirche rechnet mit euch! Der Papst rechnet mit euch!“

    Der Autor, 21, studiert Katholische Theologie in Trier

    Glauben ist nicht leicht. So oft scheinen sich die großen Steine unseres Lebens auf den Weg zwischen Gott und den Menschen zu werfen: Die großen Fragen, die sich schon unzählige Menschen gestellt haben und an denen so viele zerbrochen sind. Wie kann Gott das Leid der Welt zulassen? Wie kann der liebende Gott die strauchelnden und fallenden Menschen ertragen, ohne ihnen aufzuhelfen aus dem Schmutz der Welt? Gerade in unserem Glauben an Gott dürfen und können wir das Leid nicht ausblenden. Wir müssen die Frage stellen: Weshalb, Herr, lässt Du uns scheitern? Und letztlich müssen wir auch erfahren, dass wir darauf keine letzte, gültige und eindeutige Antwort erwarten dürfen. So viele Theologen und Philosophen haben sich mit dieser Frage beschäftigt und konnten keine letzte und fraglose Antwort finden.

    Doch ich bin fest davon überzeugt, dass wir im Glauben so etwas wie eine Antwort finden können. Sicherlich, es ist keine philosophische, keine Antwort, die auch den Atheisten zu überzeugen vermag. Denn: Zu unserem Glauben gehört eben nicht nur das Anerkennen der Existenz des dreifaltigen Gottes, sondern eben auch das Hoffen und das Lieben. Hoffnung und Liebe – das sind vielleicht die neben dem Glauben größten Vollzüge, die den Menschen letztlich zum Menschen machen. Das Hoffen darauf, dass das Leid der Welt nicht das letzte Wort über uns und unser Leben sprechen kann, sondern dass das einst Gott selbst sein wird. Das Vertrauen darauf, dass Gott ein lebendiger Gott ist, auch und gerade in den Momenten, in denen Gott so fern, so unansprechbar und unfassbar unlebendig und schwach erscheint. Die Liebe als das vollkommene Übersteigen seiner selbst, als Schritt vom eigenen Ich zum Gegenüber, als Überwindung des Egoismus hin zur Achtung und Anerkennung des Nächsten. Paulus stellt die Bedeutung der Liebe in seinem Brief an die Korinther in aller Eindeutigkeit heraus: Selbst wenn der Mensch alle Glaubenskraft besitzt, so ist diese doch ohne die Liebe nichts. Ohne die Liebe ist die Welt nichts, sinnlos, wüst und leer. Dennoch fehlt es in der Welt so oft an Liebe und Respekt, an Achtung und Miteinander. Doch wir Christen können an den Moment glauben, in dem sich Glaube, Hoffnung und Liebe vereinen und miteinander wirken: Das Reich Gottes. Nicht als einen Ort, dessen Grenzen wir definieren können, nicht als Staatsgebilde neben anderen Staaten. Das Reich Gottes ist überall dort, wo wir in der Liebe und in der Hoffnung Gott bekennen und verkünden.

    Letztlich ist es doch das, worauf wir hoffen dürfen, trotz allen Leidens: Dass es dieses Reich wirklich gibt, dass wir an ihm mitwirken können und dass es einst von Gott vollendet werden wird. Wenn wir im Horizont dieses Reiches leben, dann können wir alles Leiden, alles Scheitern, alle geplatzten Träume und verfehlten Chancen mit hineintragen und erkennen: Gottes Liebe ist immer größer als unser Leid und wird am Ende das letzte Wort haben. Dann ist der Glaube vielleicht nicht leicht, aber macht uns leicht.

    Der Autor, 18, studiert Katholische Theologie in Regensburg

    Wer dieser Tage auf der Internetseite des „Spiegel“ die aktuellen Artikel zum Thema „Papst Franziskus“ sucht, wird zuerst auf gleich vier (!) Artikel über die „Papst-Worte über Homosexualität“ verwiesen. Die Quote der „Süddeutschen Zeitung“ bei der Suchabfrage „Kirche“ ist ähnlich: Fünf von sieben Beiträgen widmen sich den letztlich nur auf den Katechismus der Kirche verweisenden Aussagen des Heiligen Vaters. Bedenkt man die Vielzahl der von Franziskus auf seiner Reise gehaltenen Reden und das breite Spektrum der dabei angesprochenen Themenfelder, von der Aufforderung zur inneren Erneuerung der Kirche und zum Dialog mit der Welt von heute in der Begegnung mit dem Koordinierungskomitee des Rates der Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen bis hin zur Betonung des allgemeinen Verkündigungsauftrags der Christen in der Abschlussmesse, so ist diese mediale Fixierung auf eine einzelne Aussage schon recht auffällig.

    Diese selektive Wahrnehmung ist jedoch symptomatisch – nicht nur für die Schwerpunktsetzung des Mainstreams der deutschen Medienlandschaft, sondern, mehr noch, für die seit Jahrzehnten vorherrschende Denkweise und die dieser zugrunde liegende Weltsicht westlicher Gesellschaften: Die Reduzierung des Menschen auf das Sexuelle, welches, durch permanente Werbeberieselung rund um die Uhr, beinahe alle Lebensbereiche dominiert. Jede Form menschlichen Verhaltens wird auf sexuelle Bedürfnisse zurückgeführt, Lusterfüllung zum vorrangigen Daseinszweck und der Anspruch auf diese, zu jeder Zeit, an jedem Ort und gelöst von jedweder damit verbundenen moralischen Verantwortung, zu einem als selbstverständlich eingeforderten „Grundrecht“.

    Lucetta Scaraffia, Professorin für Zeitgenössische Geschichte an der Römischen Universität „La Sapienza“, hat unlängst in einem Artikel in der Zeitschrift „Vita e pensiero“ die Wurzeln dieser Grundhaltung aufgedeckt: An ihrem Anfang stehe die mit Freud beginnende Anmaßung der Psychoanalyse, jedes menschliche Verhalten erklären und, vor allen Dingen, auf eine sexuelle Ursache zurückführen zu können. Mit dem durch den österreichischen Kommunisten Wilhelm Reich geprägten Begriff der „sexuellen Revolution“ sei die Idee der entsprechenden, von allen sozialen Bindungen und Reglementierungen unabhängigen sexuellen Freiheit dann zu einer Utopie geworden. Die Realität sieht anders aus: Das Lustprinzip sei im Zuge dieser wahnhaften Fixierung auf die Sexualität zum alleinigen Auswahlkriterium menschlicher Entscheidungsfindung gemacht worden. Scaraffia beschreibt diesen sich vollziehenden Prozess sehr exakt, einschließlich der daraus resultierenden Abwertung der geschlechtlichen Beziehung zum reinen Konsumgut. Gewünscht werde „eine spielerische Sexualität ohne Risiken und Verantwortung“, da die Voraussetzung für die Realisierung der Utopie sexueller Freiheit die Spaltung der natürlichen Bindung zwischen Geschlechtsverkehr und Fortpflanzung sei: „Innerhalb dieser Neubewertung von Sex ohne Fortpflanzung sind die Akzeptanz homosexueller Geschlechtlichkeit und die Neigung von sich nicht als homosexuell definierenden Personen zur Promiskuität zu verorten. Wenn der Unterschied nicht mehr sichtbar ist, da beide Formen von Geschlechtlichkeit Vermehrung ausschließen, wird es leicht, sie auf gleiche Weise zu betrachten und zu praktizieren.“ Diese machtvolle ideologische Positionierung ist es letztlich, welche die Masse der medialen Berichterstattung über die Kirche, und somit auch über den Weltjugendtag, bestimmt. Berichtet wird von einem Standpunkt aus, der die soziale Funktion geschlechtlicher Bindungen nicht mehr kennt und das körperliche Vergnügen absolut setzt. Franziskus erinnerte in seinen Worten, so Lucetta Scaraffia, „dass das Christentum stets zwischen einer Verurteilung der Sünde und der Barmherzigkeit dem Sünder gegenüber unterschieden hat und dass es kein steifes, herzloses Puritanertum ist“. Ins Zentrum der Darstellung eines Großteils der westlichen Medienlandschaft rückten daraufhin Forderungen nach sexuellen „Freiheiten“. Im Zentrum der Aussagen des Papstes aber stand, wie bei jedem Weltjugendtag, Jesus Christus.

    Der Autor (33), ist Romanist

    und lebt in Köln

    Von Yannic Hassbach