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    Marx eröffnet Seligsprechungsverfahren

    Fritz Gerlich und Romano Guardini sollen bis 2024 zur Ehre der Altäre erhoben werden. Von Stefan Matthaei

    München (DT) Am Samstag hat Kardinal Marx zum Vorabend des Gaudete-Sonntags im Münchner Liebfrauendom das Seligsprechungsverfahren für den Publizisten Fritz Gerlich und den Religionsphilosophen Romano Guardini eröffnet. Nachdem im Februar beziehungsweise März diesen Jahres die beiden „Nihil obstat“, die vatikanischen Unbedenklichkeitserklärungen, eingeholt worden waren, nahm Kardinal Marx das Gesuch um Eröffnung des Prozesses von Postulator Johannes Modesto an. Im Seligsprechungsprozess soll bei Gerlich überprüft werden, ob er als Märtyrer wegen seiner religiösen Überzeugung getötet wurde. Bei Guardini soll der „heroische Tugendgrad“ - das vorbildliche Leben nach den göttlichen und den Kardinaltugenden – festgestellt werden. Für eine Seligsprechung wäre bei Guardini im Gegensatz zu Gerlich noch ein anerkanntes Wunder nötig. Modesto rechnet mit einer Bearbeitungszeit bis 2021 für Gerlich und 2024 für Guardini.

    In der Predigt spannte Kardinal Marx unter dem Titel „Zeugen gesucht“ den Bogen vom Johannes dem Täufer aus dem Tagesevangelium zu den beiden „Dienern Gottes“ Gerlich und Guardini. Johannes sei kein unbeteiligter Zeuge gewesen, sondern ein Märtyrer, ein Zeuge der selbst betroffen gewesen sei und aus tiefster Überzeugung gehandelt habe. Wie Johannes wollten die Heiligen als Vorläufer auf den hinweisen, auf den es ankommt: Christus. In diesem Sinne seien sowohl Gerlich als auch Guardini Wegbegleiter und adventliche „Johannesgestalten“.

    Gerlich sei ein Mann auf der Suche gewesen, der aber nicht aufgehört habe, zu suchen. Unter Einsatz seines Lebens habe er sich auf die Seite des Lichts gestellt und sein Leben für die Wahrheit riskiert. Auch Guardini könne, so Kardinal Marx, als ein Wahrheitssuchender gelten. Ob Philosophie, Kunst oder Literatur, er habe ohne Engführung die Wahrheit Gottes in allen Bereichen erkennen wollen. So habe er den Prozess für Gerlich und Guardini mit großer Freude eröffnet.

    Gerlich, geboren 1883 in Stettin, ist vor allem durch sein publizistisches Wirken wider Adolf Hitler und den Nationalsozialismus bekannt. Mit 20 Jahren kam er zum Studium nach München und arbeitete zunächst als Archivar, später unter anderem als Chefredakteur für die „Münchner Neuste Nachrichten“. Im März 1933 wurde er in der Redaktion seiner Zeitschrift „Der gerade Weg“ verhaftet und am 1. Juli 1934 in Dachau erschossen. Knapp drei Jahre vor seinem Tod konvertierte Gerlich – als Calvinist erzogen – zum katholischen Glauben. Eine wichtige Rolle bei der Konversion spielte Therese Neumann („Resl von Konnersreuth“). Zunächst hatte er deren Stigmata als Schwindel aufdecken wollen, wurde dabei aber einer ihrer entschiedenster Verteidiger. Selbstkritisch und seinen baldigen Tod erahnend schrieb Gerlich 1931 über sich: „Mein Lebensweg … ist durch viele, viele Irrtümer hindurchgegangen. … Aber unser Herr und Heiland Jesus Christus wird dem Manne, der wegen der offnen Aussprache seiner Überzeugung mit dem Strick um den Hals eines Tages zum letzten Urteil vor ihn hintritt, sicher vieles verzeihen.“

    Während Gerlich die meiste Zeit seines Lebens in München verbrachte, wirkte der gebürtige Italiener Romano Guardini (1885–1968) erst nach dem Zweiten Weltkrieg in der bayerischen Landeshauptstadt. Mit der Familie siedelte er 1886 von Verona nach Mainz über, wo er 1910 die Priesterweihe empfing. Anschließend schlug er die Universitätslaufbahn ein und dozierte in den 30er Jahren in Berlin Religionsphilosophie. Nach Entzug der Lehrerlaubnis durch die Nationalsozialisten, kehrte er 1945 an die Universität zurück, zunächst in Tübingen, 1948 nach München. Guardini wirkte in der katholischen Jugendarbeit und veröffentliche zahlreiche Schriften über Philosophie, Theologie und Literatur. Mit KNA

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