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    Märtyrerin des Kreuzes

    Mit der Weigerung, während des Nationalsozialismus Kreuze in einem Krankenhaus abzuhängen, begann der Leidensweg der seligen Maria Restituta Kafka, der auf dem Schafott endete.

    Mit der Weigerung, während des Nationalsozialismus Kreuze in einem Krankenhaus abzuhängen, begann der Leidensweg der seligen Maria Restituta Kafka, der auf dem Schafott endete.

    Helene Kafka wurde am 1. Mai 1894 im mährischen Hussowitz bei Brünn als sechstes von sieben Kindern eines Schuhmachers geboren. 1896 zog die Familie nach Wien. Als junges Mädchen war Helene zunächst als Dienstmädchen in mehreren Haushalten tätig, entdeckte dann aber immer mehr ihre eigentliche Berufung. Noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges fühlte sie sich zum Dienst an kranken Menschen hingezogen und so wurde sie Hilfskrankenpflegerin im Städtischen Krankenhaus Wien-Lainz. Dort traf sie auf die Franziskanerinnen von der christlichen Liebe, deren Gemeinschaft sie 1915 gegen den Willen ihrer Eltern beitrat.

    Bei den „Hartmannschwestern“ – so genannt nach dem Sitz des Krankenpflegeordens in der Wiener Hartmanngasse – nahm sie den Namen Maria Restituta an – in Gedenken an die heilige Jungfrau Restituta von Sora, die unter Kaiser Aurelianus im Jahr 270 wegen ihres Glaubens den Martertod durch Enthauptung erleiden musste.

    Restituta Kafka wirkte seit 1919 im Krankenhaus Mödling bei Wien, wo sie die Stelle der leitenden Operations- und Anästhesieschwester innehatte, eine Tätigkeit, die sie über 20 Jahre ausüben sollte. Wegen ihrer Willensstärke nannte man sie schon bald Schwester „Resoluta“. Der Chirurg, für den sie arbeitete, war ein strammer Nationalsozialist. Als sie 1940 anfing, in der neuen chirurgischen Station in allen Räumen Kruzifixe aufzuhängen, sich dann auch noch weigerte, diese wieder zu entfernen, und im Juni 1941 einigen Mitschwestern ein Spottgedicht über Hitler vorlas und ein Flugblatt der „Weißen Rose“ abtippen ließ, wandte er sich an die Gestapo.

    Am 18. Februar 1942, dem Aschermittwoch jenes Jahres, wurde Schwester Restituta aus dem Operationssaal heraus verhaftet. Mehr als ein Jahr verbrachte sie in Haft. Am 29. Oktober 1942 wurde sie wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt. Gnadengesuche wurden abgelehnt. Zur „Abschreckung“ bestand der Leiter der Parteikanzlei der NSDAP, Martin Bormann, auf einer Vollstreckung des Urteils. Wie ihre frühchristliche Namenspatronin wurde auch Schwester Restituta Kafka durch das Fallbeil hingerichtet. Die Exekution fand am 30. März 1943 im Wiener Landgericht statt. Kurz zuvor bat sie, die als Märtyrerin des Kreuzes bezeichnet werden kann, den Gefängnispfarrer noch um ein „Kreuzerl auf die Stirn“. Ihr Leichnam wurde in einem Massengrab verscharrt. Johannes Paul II. sprach sie am 21. Juni 1998 in Wien anlässlich seines Besuches in Österreich zusammen mit Jakob Kern und Anton Maria Schwartz selig.