• aktualisiert:

    Leuchttürme im Weinberg der Herrn

    So wie der Herr die neunundneunzig guten Schafe lässt, um dem einen, verlorenen Schaf nachzugehen, so haben auch die modernen Medien ihren Berichterstatter-Blick eindeutig auf Priester und Bischöfe mit Fehlern und Versagen ausgerichtet – allerdings nicht, um diesen im Sinne Jesu barmherzig die Hand zur Umkehr zu reichen, sondern lediglich, um sie öffentlich zu demontieren und vorzuführen. Seht her, was für Schufte und Verbrecher die Kirche leiten!

    Medien begnügen sich oft damit, Priester als gesichtslose Gruppe zu präsentieren. Geglückte Biografien sind für eine rea... Foto: Symboldpa

    So wie der Herr die neunundneunzig guten Schafe lässt, um dem einen, verlorenen Schaf nachzugehen, so haben auch die modernen Medien ihren Berichterstatter-Blick eindeutig auf Priester und Bischöfe mit Fehlern und Versagen ausgerichtet – allerdings nicht, um diesen im Sinne Jesu barmherzig die Hand zur Umkehr zu reichen, sondern lediglich, um sie öffentlich zu demontieren und vorzuführen. Seht her, was für Schufte und Verbrecher die Kirche leiten!

    Eine fatale, irreführende Entwicklung, durch welche bei vielen Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche zwangsläufig der verzerrte Eindruck entstehen muss, dass es nur noch Geistliche gibt, die treulos, wenn nicht geradezu kriminell ihren Dienst tun. Dass die überwiegende Mehrheit dagegen mit Frömmigkeit, Disziplin und spiritueller Verantwortung im Einsatz für die Kirche, Gott und das Evangelium sind, fällt dabei leider unter den breiten Tisch der öffentlichen Aufmerksamkeit.

    Umso mehr Dank verdienen deshalb die Herausgeber, Klaus-Peter Vosen und Markus Hofmann, sowie die Autoren des im fe-Medienverlag erschienenen Buches „…und es gibt sie doch!“, in welchem an das mittlerweile vergessene und verborgene gute Wirken von 25 Priestern des Erzbistums Köln erinnert wird. Eine „Sammlung priesterlicher Charakterbilder“, bei welcher einige „Facetten der geistlichen Physiognomie“ herausgearbeitet werden, ohne Grenzen und Schwächen zu verschweigen – ebenso wenig aber auch „die Kraft der Gnade Gottes, die sich im Leben dieser Priester als mächtig erwiesen hat“, wie die Herausgeber im Vorwort des 172 Seiten umfassenden, mit Porträtbildern ausgestatteten Buches betonen.

    So lässt sich das Buch als Beitrag zur objektiven Gerechtigkeit verstehen, ein Angebot zur Inspiration, den Weg des Priesters auch heutzutage nicht auszuschlagen, sondern zu wählen, trotz all der aktuellen Angriffe. Was dadurch gefördert wird, dass zu den porträtierten Geistlichen nicht nur prominente Personen wie die ehemaligen Erzbischöfe von Köln, Kardinal Frings und Kardinal Höffner, die früheren Kölner Weihbischöfe Josef Plöger und Josef Stoffels sowie der ehemalige Generalvikar Joseph Teusch zählen, sondern auch weniger bekannte, aber eben durchaus erinnerungswürdige Priester wie beispielsweise der 1993 im Alter von nur 30 Jahren verstorbene Kaplan Christoph Denneborg oder der langjährige Pfarrer in Köln-Longerich Johannes Sporer.

    Wobei Denneborg im Buch „…und es gibt sie doch!“ als Beweis wirken darf, dass man auch mit einer modernen theologischen Ausbildung zum tauglichen und frühvollendeten Geistlichen heranreifen kann. Obwohl, wie das Buch vielleicht ungewollt dokumentiert, die richtige Dosis eines vorkonziliaren Schliffs auch nicht ganz zu verachten ist. Denn Halt und Stärke fanden die im Buch aufgeführten Geistlichen mehrheitlich offensichtlich nicht in den heutzutage so oft beschworenen Tugenden Dialogbereitschaft, Toleranz und demokratisches Mitspracherecht, sondern in einer soliden Mischung aus traditioneller religiöser Bildung mit rheinländischer Volksfrömmigkeit.

    Den echten Tugenden des kirchlichen Lebens also, die sich leicht mit Heldenmut, Bekennerdrang und Tapferkeit verbinden können, wie besonders das Beispiel des 1942 im KZ Dachau gestorbenen Kaplans Johannes Flintrop zeigt. „Was war geschehen? Bei einem Krankenbesuch hatte der Kaplan von St. Lambertus in Mettmann“, wie Thomas Iking schreibt, „gegenüber einer Frau geäußert, dass ,wir gewiss ebenso wie die Russen – Gräueltaten verübten‘. Diese Aussage zum Krieg mit Russland hatte ihn, wie schon im Jahr zuvor ein ebenfalls auf den Russlandkrieg bezogenes Wort (,Den Krieg gegen Russland haben wir noch nicht gewonnen‘), zum zweiten Mal in Untersuchungshaft nach Düsseldorf gebracht. Davon, dass er nur noch wenige Monate leben wird, ahnt Flintrop zu diesem Zeitpunkt noch nichts.“

    Der Dienst an der Wahrheit kann schwierig und gefährlich sein, gerade für einen Priester. Eine Einsicht, die damals wie heute gilt. Umso nachvollziehbarer ist es deshalb, das dieses Buch dem Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, gewidmet ist, dem es kurz vor seinem 80. Geburtstag von den Herausgebern und Autoren, darunter auch der emeritierte Kölner Weihbischof Klaus Dick, feierlich übergeben wurde. Zur Freude des Kardinals, der bei der Übergabe denn auch – ganz auf Linie des Buches – betonte: „Es gibt mehr gute als weniger gute Priester.“ Und: „Schlechte gibt es gar nicht.“ So darf man dem Kardinal, der das Bild und den Inhalt des authentischen Katholizismus in den vergangenen Jahrzehnten wie vielleicht kein anderer Hirte in Deutschland aufrechtgehalten und vermittelt hat, eine angenehme Lektüre wünschen. Neben all den neuen Aufgaben und Aktivitäten, die auf ihn im pensionierten Unruhestand noch warten mögen.

    Hätten die Herausgeber – Klaus-Peter Vosen ist Tagespost-Lesern seit langem als kompetenter Autor vertraut und seine Pfarrei St. Maria in der Kupfergasse genießt nicht nur in Köln Kult-Status – auch lebende Bischöfe und Priester in ihr Buch aufgenommen, Kardinal Meisner sowie der ein oder andere Autor wären sicher ebenfalls ein Porträt wert gewesen. Vielleicht eine Idee für ein denkbares Fortsetzungswerk: …und es gibt sie doch!“ 25 Priester der Gegenwart.

    Klaus-Peter Vosen und Markus Hofmann (Hgg.): … und es gibt sie doch! 25 Priester in guter Erinnerung. fe-Medienverlag, 2013, 172 Seiten, ISBN: 978-3-86357-069-9, EUR 9,80,–