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    Lernen und Glauben mit den Armen Schulschwestern

    Im Angerviertel, mitten in der Münchener Altstadt, liegt der St. Jakobsplatz. Hier begegnen sich der Apostel Jakobus der Ältere und der Patriarch Jakob: Es stehen sich dort nämlich die Kirche St. Jakob am Anger mit dem Kloster der Armen Schulschwestern und die neue Synagoge mit dem jüdischen Kulturzentrum gegenüber. Hier war Münchens älteste Klosterniederlassung, das 1221 gegründete Franziskanerkloster. Noch im 13. Jahrhundert wurde es von den Klarissinnen übernommen, die auch die Schultradition im Angerviertel begründet haben.

    Im Angerviertel, mitten in der Münchener Altstadt, liegt der St. Jakobsplatz. Hier begegnen sich der Apostel Jakobus der Ältere und der Patriarch Jakob: Es stehen sich dort nämlich die Kirche St. Jakob am Anger mit dem Kloster der Armen Schulschwestern und die neue Synagoge mit dem jüdischen Kulturzentrum gegenüber. Hier war Münchens älteste Klosterniederlassung, das 1221 gegründete Franziskanerkloster. Noch im 13. Jahrhundert wurde es von den Klarissinnen übernommen, die auch die Schultradition im Angerviertel begründet haben.

    Nach der Enteignung und Auflösung des Klosters durch den bayerischen Staat 1803 und seiner Nutzung als „Armenbeschäfti- gungsanstalt“ im Geiste der rationalistischen Aufklärung, war es König Ludwig I., der die Wiederzulassung klösterlichen Lebens am Anger ermöglicht hat. Der König übergab 1843 das Angerkloster an Maria Theresia Gerhardinger und die von ihr gegründete Kongregation der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau. Seit dieser Zeit ist das Angerkloster nicht nur Mutterhaus der weltweit tätigen Schwesterngemeinschaft und Zentrum der bayerischen Provinz, sondern auch Bildungsstätte für die Jugend.

    Zur Mutterhausgemeinschaft gehören heute um die sechzig Schwestern, hier sind das Noviziat, die Kandidatur und die Postulatur. Weltweit gibt es um die viertausend Schulschwestern, die in etwa dreißig Ländern tätig sind. Die zentrale Ordensleitung hat ihren Sitz in Rom. Neben einem Kindergarten und einer zweizügigen Grundschule mit zweihundert Schülerinnen wird von den Schwestern das Theresia- Gerhardinger- Gymnasium geführt. Dieses sprachliche, sozial-/wirtschaftswissenschaftliche und musische Gymnasium besuchen um die eintausend Schülerinnen. Außerdem steht unter der Obhut der Schulschwestern am Anger auch noch ein Studentinnenwohnheim mit siebzig Plätzen. Das Einzugsgebiet des Mädchengymnasiums ist groß, um die neunzig Prozent der Schülerinnen sind Fahrschüler und kommen aus dem Umland Münchens. Als offene Ganztagsschule bietet das Theresia-Gerhardinger- Gymnasium für die Jahrgangsstufen sieben bis neun eine Nachmittagsbetreuung durch pädagogische Fachkräfte an.

    Verantwortung für die Schöpfung übernehmen

    Schulleiterin ist Schwester Monika Schmidt, die selbst Schülerin am Anger gewesen ist und vor ihrem Ordenseintritt bereits als Deutsch- und Lateinlehrerin am Gymnasium unterrichtet hat. Auch heute noch gibt die Direktorin neben ihren Verwaltungsaufgaben Lateinunterricht. In den Leitsätzen des Gymnasiums wird die christliche Ausrichtung des Bildungsauftrages dieser konfessionellen Schule betont: „In unserer pluralistischen Gesellschaft ist unsere Wertevermittlung ausgerichtet am christlichen Welt- und Menschenbild. Wir achten die Würde des Einzelnen, begleiten den Prozess der personalen Entfaltung, legen Wert auf ein gutes Miteinander, suchen die bewusste Auseinandersetzung mit dem Glauben und schärfen den Blick für die Herausforderungen der Zeit.“

    Vier Schwerpunkte sind es, die in Fortführung des Auftrags der Ordensgründerin, nach Aussage von Schwester Monika Schmidt, das besondere Profil des Theresia- Gerhardinger-Gymnasiums gegenüber anderen Schulen in kirchlicher Trägerschaft ausmachen: 1. Verantwortlicher Umgang mit der Schöpfung, 2. geschlechtergerechte Erziehung, 3. Dialog der Religionen und Kulturen, 4. Sorge um Benachteiligte. Mit einer „Umweltwoche“ im Salesianerkloster in Benediktbeuern wird zum Beispiel die Verantwortung für die Schöpfung erfahrbar gemacht. Der Stärkung des Selbstwertgefühls der Mädchen und jungen Frauen dient etwa im Biologieunterricht die Förderung einer positiven Einstellung zur Reifung des weiblichen Körpers. Auf einen mädchenspezifischen Zugang zu den Naturwissenschaften und zur Technik wird großer Wert gelegt. Musik, Theater und Chorgesang sowie ein anspruchsvoller Kunstunterricht ermöglichen den Schülerinnen eine umfassende Entfaltung und Entwicklung musischer Fähigkeiten.

    Für die Schulleiterin Schwester Monika Schmidt ist die positive Einstellung des Elternhauses zu Glaube und Kirche und die religiöse Glaubenspraxis eine wichtige Vorraussetzung für eine offene und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der konfessionellen Schule und den Eltern. Überwiegend sind die Schülerinnen katholisch, aber es werden auch evangelische Mädchen aufgenommen, vereinzelt gibt es auch muslimische Schülerinnen. Seit dem Neubau der Synagoge und des Kulturzentrums auf dem St. Jakobsplatz durch die israelitische Kultusgemeinde erhielt der Dialog mit dem Judentum für die Schulschwestern, das Kollegium und die Schülerinnen eine neue Intensität. Vielfältige nachbarschaftliche Kontakte und Einladungen haben das gegenseitige Kennenlernen und die Achtung vor der Überzeugung des anderen gefördert. Eine Sensibilisierung der Schülerinnen für die Benachteiligten in unserer Gesellschaft geschieht zum Beispiel durch ein verpflichtendes Sozialpraktikum in der zehnten Jahrgangsstufe. Intensive Kontakte zur Partnerschule in Ghana geben den Schülerinnen Einblicke in die Lebensverhältnisse von Mädchen, die um ihre Menschenrechte noch zu kämpfen haben. Dem Kollegium des Gymnasiums gehören zurzeit fünf Schulschwestern an.

    Bildung für Mädchen auch aus den ärmeren Schichten der Bevölkerung, das gehörte zum Gründungsimpuls der Kongregation der Armen Schulschwestern. In den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs wurden 1944 Klosterkirche und Konventbau zerstört. In einer kleinen Kapelle des 1956 geweihten nüchternen Neubaus der St. Jakobskirche liegt das Grab der 1985 von Johannes Paul II. selig gesprochenen 1879 verstorbenen Ordensgründerin Maria Theresia Gerhardinger. Geboren 1797 in Stadtamhof bei Regensburg, bewegte sie der damalige Dompfarrer und spätere Weihbischof in Regensburg Georg Michael Wittmann dazu, Lehrerin zu werden. In Neunburg vorm Wald hatte die neu gegründete Gemeinschaft 1833 der Armen Schulschwestern ihr erstes Haus.

    Mit der Verlegung des Mutterhauses 1843 in das frühere Klarissenkloster am Anger in München begann Mutter Gerhardinger, in ihren Erziehungs- und Bildungsauftrag für Mädchen zu verwirklichen. Seit dem tun die Armen Schulschwestern in der bayerischen Landeshauptstadt ihren Dienst im Erziehungs- und Bildungsbereich. Sie vereinen dabei eine kontemplative marianische Grundhaltung mit dem Leben in der Gemeinschaft die getragen ist vom Gebet und einer bewussten Armutshaltung mit der Offenheit für die Nöte unserer Zeit. In einer sehr ansprechend gestalteten Dauerausstellung können Interessierte im Kloster am Anger Geschichte, Charisma und Auftrag der Armen Schulschwestern näher kennenlernen.

    Von Michael Karger