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    Lebensopfer für andere

    Ein außerordentliches Bekenntnis für die Liebe zu Christus legten elf Schwestern der Gemeinschaft der Heiligen Familie von Nazareth in den düstersten Kapiteln des vergangenen Jahrhunderts ab. In einem Wäldchen in Nowogródek im heutigen westlichen Weißrussland gaben sie, die selige Maria Stella Mardosewicz und ihre zehn Gefährtinnen, am 1. August 1943 ihr Leben für das eines Priesters hin: „Für die Welt ist ein Priester wichtiger als wir. Wir beten darum, dass Gott uns an seiner Stelle annimmt – wenn das Opfer unseres Lebens denn erforderlich sein sollte“, sagten sie.

    Ein außerordentliches Bekenntnis für die Liebe zu Christus legten elf Schwestern der Gemeinschaft der Heiligen Familie von Nazareth in den düstersten Kapiteln des vergangenen Jahrhunderts ab. In einem Wäldchen in Nowogródek im heutigen westlichen Weißrussland gaben sie, die selige Maria Stella Mardosewicz und ihre zehn Gefährtinnen, am 1. August 1943 ihr Leben für das eines Priesters hin: „Für die Welt ist ein Priester wichtiger als wir. Wir beten darum, dass Gott uns an seiner Stelle annimmt – wenn das Opfer unseres Lebens denn erforderlich sein sollte“, sagten sie.

    Die Nazarethschwestern trafen im Laufe des Jahres 1929 in Nowogródek ein, wo ihr Orden auf Anfrage des Ortsbischofs Zygmunt Lozinski eine neue Niederlassung gegründet hatte. Sie erteilten Kindern Katechismusunterricht und eröffneten ein Internat.

    Ihre spätere Superiorin, Maria Stella vom heiligen Sakrament, war am 14. Dezember 1888 im weißrussischen Ciasnówka als Adelheid zur Welt gekommen. Nach ihrem Eintritt in die Kongregation der Heiligen Familie von Nazareth 1910 verbrachte sie ihr Noviziat in Albano in Italien. 1936 kam sie nach Nowogródek, das damals noch zu Polen gehörte. Schwester Maria war als Schulleiterin tätig, im Herbst 1939 schlossen die sowjetischen Besatzer das Internat. 1940 wurde Maria Stella zur Oberin des Konvents gewählt. Bereits im Sommer 1941 kam es bei der Besetzung durch deutsche Truppen vor allem zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung der Stadt. Bei einer letzten Welle gewalttätiger Übergriffe im Juli 1943, bei denen 120 Einwohner, unter denen sich auch Familien befanden, in Vernichtungslager deportiert werden sollten, boten sich die Nonnen im Austausch für sie an.

    „Diese

    Schwestern

    waren

    unschuldig“

    Man ließ sie tatsächlich frei oder brachte sie als Zwangsarbeiter nach Deutschland. Als wenig später der Priester Aleksander Zienkiewicz ebenfalls von Verschleppung bedroht wurde, erneuerten die glaubensstarken Ordensfrauen ihr Angebot – diesmal wurde das Opfer angenommen.

    Und so wurden am 31. Juli 1943 elf Schwestern zur Polizeiwache bestellt. Sie wurden auf einen Lastwagen verladen und aus der Stadt geschafft, wo die Gestapo sie im Morgengrauen des 1. August in einer Waldung niederschoss und in einem Massengrab verscharrte. Die jüngste von ihnen war 27 Jahre, die älteste 54 Jahre alt. Ein deutscher Soldat gestand bald darauf unter Tränen: „Diese Schwestern waren unschuldig.“

    Am 5. März 2000 sprach Papst Johannes Paul II. die Märtyrerinnen von Nowogródek selig. Die Reliquien der Seligen ruhen in der Kirche „Zur Verklärung Christi“ in Nowogródek. Maria Malgorzata Banas, die Einzige, die dem grausamen Attentat entging, konnte das Grab ihrer Mitschwestern ausfindig machen und pflegte es bis zu ihrem eigenen Tod im Jahr 1966.