• aktualisiert:

    Lebendigen Steinen begegnen

    Bir Zeit/Jifna (DT) „Sajidna, Sajidna“, Herr Bischof, Herr Bischof: Es ist ein herzlicher Empfang, den die Schüler der katholischen Schule Bir Zeit im Westjordanland Kardinal Marx vergangenen Mittwoch bereiten. Dutzende von Kindern und Jugendlichen umringen ihn, als er dem Bus entsteigt. Der Münchener Erzbischof ist mit einer bayerischen Gruppe des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem gekommen. Etwa sechzig Prozent der 2 500 Einwohner der Stadt Bir Zeit nördlich von Ramallah sind Christen. „Wir wollen nicht nur den Steinen der Heiligen Stätten begegnen, sondern den lebendigen Steinen der Kirche im Heiligen Land“, wird der Kardinal bei seiner Predigt in der dortigen Pfarrkirche anschließend sagen. Als Großprior der deutschen Statthalterei ist Marx oberster geistlicher Würdenträger des Grabesritterordens, dessen besonderes Charisma die Solidarität mit den Katholiken im Heiligen Land ist.

    Kardinal Marx predigt vor Schülern der katholischen Schule in Bir Zeit. Foto: Maksan

    Bir Zeit/Jifna (DT) „Sajidna, Sajidna“, Herr Bischof, Herr Bischof: Es ist ein herzlicher Empfang, den die Schüler der katholischen Schule Bir Zeit im Westjordanland Kardinal Marx vergangenen Mittwoch bereiten. Dutzende von Kindern und Jugendlichen umringen ihn, als er dem Bus entsteigt. Der Münchener Erzbischof ist mit einer bayerischen Gruppe des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem gekommen. Etwa sechzig Prozent der 2 500 Einwohner der Stadt Bir Zeit nördlich von Ramallah sind Christen. „Wir wollen nicht nur den Steinen der Heiligen Stätten begegnen, sondern den lebendigen Steinen der Kirche im Heiligen Land“, wird der Kardinal bei seiner Predigt in der dortigen Pfarrkirche anschließend sagen. Als Großprior der deutschen Statthalterei ist Marx oberster geistlicher Würdenträger des Grabesritterordens, dessen besonderes Charisma die Solidarität mit den Katholiken im Heiligen Land ist.

    Mit dem Kardinal ist auch der Münchener Ritter Folker Müller gekommen. Er koordiniert die Projekte der Bayerischen Provinz im Heiligen Land. „Jede der sechs Ordensprovinzen in der deutschen Statthalterei hat jeweils eine Pfarrgemeinde im Westjordanland und in Jordanien als Partnergemeinde. Im Fall der Ordensprovinz Bayern ist das Bir Zeit in der Westbank und Ader in Jordanien. Die direkte Zusammenarbeit besteht seit sechs Jahren“, so Müller. In der Regel aber unterstützt der Ritterorden Projekte, die vom Lateinischen Patriarchat in Jerusalem vorgeschlagen werden. Das reicht von Kindergärten und Schulen über Wohnbauten bis hin zu Altersheimen. Aber auch Kirchenneubauten wie in der jordanischen Küstenstadt Aqaba oder Sommerlager in den Pfarreien werden bezuschusst. „Die Projekte werden alle vom Lateinischen Patriarchat vorgeschlagen und durch unser Großmeisteramt in Rom koordiniert. Darüber hinaus gibt es eben die direkte Unterstützung der Gemeinden durch die Ordensprovinzen“, sagt Müller der „Tagespost“.

    Und die Gemeinden sind dankbar dafür. Pfarrer Louis Hazboun fährt zu Ehren der Gäste alles auf, was seine Pfarrei zu bieten hat: traditionellen Volkstanz, eine Einlage der neu gegründeten Karategruppe, Gesang und ein kleines Violinkonzert. Es sind christliche wie muslimische Schüler, die auftreten. „Wo kommen die jungen Christen und Muslime Palästinas sonst zusammen wenn nicht in unseren Schulen?“, fragt Abuna Hazboun bei seiner Ansprache. Der Priester, der erst seit August in der Pfarrei „Unbefleckte Empfängnis“ wirkt, hat viel vor in dem beschaulichen Ort. Kardinal Marx konnte bei seinem Besuch das kleine archäologische Museum eröffnen, das regionale Artefakte seit der Steinzeit zusammenträgt. Aber auch im Bereich Schülernachhilfe will Abuna Louis die Dinge vorantreiben.

    Ähnlich umtriebig ist auch Pfarrer Firas Aridah in der Nachbarpfarrei „Sankt Joseph“ in Jifna, wo die bayerische Gruppe anschließend Halt macht, um vom Orden unterstützte Projekte wie die Schule oder den Kindergarten zu besichtigen. Der Ort hat seit dem sechsten Jahrhundert seinen christlichen Charakter bewahrt. Abuna Firas vor den Grabesrittern: „Wenn wir nichts tun, die christliche Präsenz zu sichern, gibt es in zwanzig Jahren keine Christen mehr in Palästina.“ Viele gingen, so der Pfarrer, aber nicht wegen der Muslime, sondern wegen der israelischen Besatzung. Tatenlos will der Pfarrer dem aber nicht zusehen. „Wir wollen die Jugend wieder an die Kirche binden. Dazu haben wir etwa einen Billardraum im Pfarrzentrum eingerichtet und veranstalten jährlich Sommerlager. Dabei kommt der Spaß nicht zu kurz. Aber eine Stunde Katechese täglich gehört auch dazu.“

    Kardinal Marx teilt die Befürchtung, dass die christliche Präsenz im Heiligen Land immer schwächer wird. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte er: „Die Abwanderung der arabischen Christen hält an, weil viele von ihnen hier keine Zukunft für sich und ihre Familien sehen. Diese Abwanderung wird nicht aufhören, ehe nicht ein echter, das heißt gerechter Friede im Heiligen Land herrscht, der die Rechte beider Völker, der Palästinenser wie der Israelis, berücksichtigt. Die Vorstellung wäre mir persönlich schrecklich, dass in ein paar Jahrzehnten nur noch die Franziskaner hier sind, um die Heiligen Stätten zu hüten, es aber kein echtes, gewachsenes christliches Leben mehr am Ursprung des Christentums gibt.“ Die Solidarität mit dem Heiligen Land und den Christen dort sei in Deutschland organisatorisch sehr gut ausgeprägt. „Sie könnte aber in den Gemeinden sicher noch vertieft werden, vor allem geistlich“, so Marx. „Ich freue mich aber, dass die Zahl der Pilgerfahrten wieder zugenommen hat. Ich möchte alle Katholiken bei Reisen ins Heilige Land ausdrücklich ermutigen, nicht nur die Heiligen Stätten aufzusuchen, sondern vor allem auch den Christen hier zu begegnen.“