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    Künstler zur Ehre Gottes

    Der Prior eines Klosters in der Toskana wurde wegen der Schönheit und Feinfühligkeit seiner Gemälde und der Tugendhaftigkeit seines Charakters unter dem Namen Fra Angelico („der engelsgleiche Bruder“) bekannt. Papst Johannes Paul II. hat den Malermönch, der an der Nahtstelle zwischen Mittelalter und Frührenaissance lebte, am 3. Oktober 1982 zur Ehre der Altäre erhoben und ihn 1984 zum Schutzpatron aller Künstler, insbesondere der Maler, ernannt.

    Fra Angelico, dargestellt von Raffael auf „Disputa del Sacramento“ im Vatikan. Foto: IN

    Der Prior eines Klosters in der Toskana wurde wegen der Schönheit und Feinfühligkeit seiner Gemälde und der Tugendhaftigkeit seines Charakters unter dem Namen Fra Angelico („der engelsgleiche Bruder“) bekannt. Papst Johannes Paul II. hat den Malermönch, der an der Nahtstelle zwischen Mittelalter und Frührenaissance lebte, am 3. Oktober 1982 zur Ehre der Altäre erhoben und ihn 1984 zum Schutzpatron aller Künstler, insbesondere der Maler, ernannt.

    Sein Geburtsjahr ist unbekannt, sicher ist nur, dass er vor 1 400 als Guido di Pietro di Mugello bei Vicchio in der Toskana geboren wurde. 1417 wurde er nach seiner Ausbildung zum Kunstmaler bei den Dominikanern in Fiesole bei Florenz aufgenommen, wo er den Ordensnamen Giovanni annahm. Dort schuf er, der als Buchmaler seine künstlerische Laufbahn begann, seine ersten Bilder, mit denen er weit über sein Kloster hinaus bekannt wurde. Als die Mönche 1437 in das San Marco-Kloster nach Florenz umzogen, bemalte Fra Angelico, der 1427 zum Priester geweiht worden war, die Wände der Mönchszellen, die Flure und den Kapitelsaal mit Fresken, womit er zehn Jahre lang beschäftigt war. Die von ihm geschaffenen Bilder, wie die zahlreichen Verkündigungsszenen oder seine Szenen zum „Jüngsten Gericht“, veranlassen den Betrachter, sich in einer verinnerlichten Sicht auf das Wesentliche des christlichen Glaubens zu konzentrieren: Wie das Leiden Christi, die Anbetung Gottes und die Liebe zum Nächsten. Fra Angelico gehörte zu den ersten, die die um 1410 von Brunelleschi entdeckte perspektivische Darstellung anwandte.

    Von Giorgio Vasari, dem „Vater der Kunstgeschichte“, der 1550 eine Biographie des Seligen verfasste, wissen wir, dass Fra Angelico nie einen Pinsel in die Hand nahm, bevor er nicht zuvor ein Gebet gesprochen hatte: seine Kunst war für ihn, der ausschließlich religiöse Arbeiten schuf, ein Werk zur Verehrung Gottes. Seine Persönlichkeit veranlasste den Kunstkritiker John Ruskin denn auch zu der Bemerkung, bei Fra Angelico handele es sich um einen „inspirierten Heiligen“.

    Als Papst Eugen IV. San Marco besuchte, war er so angetan von dem künstlerischen Schaffen des Dominikaners, dass er diesen 1445 nach Rom berief, wo er im päpstlichen Auftrag drei Kapellen im Vatikan schmückte. Zutiefst beeindruckt von der Frömmigkeit Fra Angelicos wollte der Papst ihn zum Erzbischof auf den vakanten Bischofsstuhl in Florenz berufen, doch der demütige Mönch fühlte sich unwürdig und unfähig für diese Aufgabe, lehnte ab und empfahl einen anderen Kandidaten. Von 1450 bis 1452 ging er in sein Kloster San Domenico in Fiesole zurück, wurde danach erneut nach Rom gerufen, wo er am 18. Februar 1455 starb. Bestattet wurde er in der Kirche Santa Maria sopra Minerva in Rom. Anlässlich seiner Seligsprechung äußerte sich der Heilige Vater voll Bewunderung über den frommen Malermönch: „Sein ganzes Leben war ein Gesang zur Ehre Gottes, den er wie einen Schatz im Innersten seines Herzens trug und in seinen Kunstwerken zum Ausdruck brachte. (…) Der Zauber, der von der Malerei Fra Angelicos ausgeht, lässt uns verzückt innehalten vor dem Genius, der das geschaffen hat, und mit dem Psalmisten ausrufen: ,Lauter Güte ist Gott für die Gerechten, für alle Menschen mit reinem Herzen!‘ (Ps 73, 1)“