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    Kroatiens Kirche wird schwer beschädigt

    Krk (DT) Drei Monate nach dem von Begeisterung und Euphorie getragenen Besuch Papst Benedikts XVI. in Kroatien sorgt der Streit um Grundstücke und Immobilien in Istrien für eine veritable Kirchenkrise. Im Kern geht es um einige hundert Hektar Land in bester Küstenlage im Nordwesten der Halbinsel Istrien, doch sind in den Konflikt zwischen der kroatischen Diözese Porec-Pula und der italienischen Benediktinerabtei Praglia längst der Heilige Stuhl, die kroatische Bischofskonferenz, der Präsident und die Ministerpräsidentin Kroatiens involviert. Die kroatischen Medien räumen dem Streit seit Wochen polemische Schlagzeilen ein. Der Ruf der Kirche ist im volkskirchlich geprägten Kroatien mittlerweile schwer beschädigt.

    Bischof Ivan Milovan von Porec-Pula. Foto: INT

    Krk (DT) Drei Monate nach dem von Begeisterung und Euphorie getragenen Besuch Papst Benedikts XVI. in Kroatien sorgt der Streit um Grundstücke und Immobilien in Istrien für eine veritable Kirchenkrise. Im Kern geht es um einige hundert Hektar Land in bester Küstenlage im Nordwesten der Halbinsel Istrien, doch sind in den Konflikt zwischen der kroatischen Diözese Porec-Pula und der italienischen Benediktinerabtei Praglia längst der Heilige Stuhl, die kroatische Bischofskonferenz, der Präsident und die Ministerpräsidentin Kroatiens involviert. Die kroatischen Medien räumen dem Streit seit Wochen polemische Schlagzeilen ein. Der Ruf der Kirche ist im volkskirchlich geprägten Kroatien mittlerweile schwer beschädigt.

    1835 hatte der Graf Francesco Grisoni einen Großteil seiner istrischen Besitzungen, darunter das nördlich von Novigrad gelegene Schloss Dajla und mehrere Gebäude sowie knapp 600 Hektar mit Oliven- und Weingärten, den Benediktinern geschenkt, die zur Abtei Praglia bei Padua gehörten. Sie schufen in dieser Idylle eine Schule für die Kinder armer Leute. Mit der Machtübernahme der Kommunisten wurden die Benediktiner nach dem Zweiten Weltkrieg in Schauprozessen verurteilt, enteignet und vertrieben. 1975 schlossen Jugoslawien und Italien den Vertrag von Osimo, um den bilateralen Streit um Grenzen und Enteignungen zu beenden: Die Benediktiner von Praglia erhielten eine Entschädigung von 1, 7 Millionen Lire. Mit der Unabhängigkeit und Befreiung Kroatiens wurde kirchliches Eigentum jedoch umfangreich restituiert. So auch in diesem Fall: Die Grundstücke und Immobilien wurden der Diözese Porec-Pula beziehungsweise der Pfarrei Dajla gegeben. Nun aber machten die italienischen Benediktiner ihre Eigentumsansprüche geltend und forderten auch Entschädigungen.

    Wie der Fall zum Spaltpilz wurde

    Vor den kroatischen Gerichten scheiterten sie mehrfach, denn einerseits berief sich der kroatische Staat auf den Vertrag von Osimo und die darin enthaltene Entschädigung der vertriebenen Italiener, andererseits hatte der Staat der Kirche das kirchliche Eigentum bereits restituiert. Damit wurde der Fall zum innerkirchlichen Streit: zwischen der Benediktinerabtei Praglia bei Padua und der Diözese Porec-Pula. Doch er wurde nicht bilateral ausgetragen, denn der Heilige Stuhl setzte 2008 eine aus drei Kardinälen bestehende Schiedskommission ein, der auch der Zagreber Erzbischof Josip Bozanic angehörte. Und damit wurde der Fall schließlich auch zu einem Spaltpilz innerhalb der kroatischen Kirche und ihrer Bischofskonferenz. Die Kardinalkommission kam zu einem Kompromiss, den der Papst Ende 2010 billigte: Die istrische Diözese habe die Immobilie der „Abbazia GmbH“, welche im Eigentum der Abtei Praglia ist, zu übertragen. Für die zwischenzeitlich veräußerten Grundstücke solle die Diözese den Benediktinern eine pauschale Entschädigung – kroatische Medien sprechen von sechs bis 25 Millionen Euro – bezahlen.

    Der Bischof von Porec-Pula, Ivan Milovan, hatte diesem Kompromiss zunächst zugestimmt, ihn dann aber vehement und mit maximaler Öffentlichkeitswirkung abgelehnt: Er erklärte, seine Diözese würde in Bankrott gehen oder die aus dem sechsten Jahrhundert stammende Euphrasius-Basilika in Porec verkaufen müssen, um die Benediktiner zu bezahlen. Milovan, unterstützt von Dutzenden istrischen Priestern, appellierte auch an den kroatischen Staat, das umstrittene Eigentum wieder an sich zu ziehen. Daraufhin enthob der Papst am 6. Juli den rebellischen Bischof für einen einzigen Fall und eine einzige Unterschrift seines Amtes, damit an seiner Stelle der spanische Kurienerzbischof Santos Abril y Castello die Einigung unterzeichnen konnte.

    Neuerliche gerichtliche Auseinandersetzung?

    Die kroatischen Medien überschlugen sich nun mit Kritik und Verdächtigungen: Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone habe diese pro-italienische Lobbyarbeit betrieben, hieß es da. Dem Zagreber Kardinal werden römische Karriereabsichten unterstellt. Die Causa sei nur ein Präzedenzfall, dem weitere Enteignungen folgen würden, ist zu hören. Doch auch die andere Seite wird mit Gerüchten und Verdächtigungen bombardiert: Die Umgebung des Bischofs von Porec-Pula habe sich mit dem Verkauf von Grundstücken, auf denen nun Hotels und ein Golfplatz errichtet werden sollen, bereichert, wird in klerikalen Kreisen Kroatiens getuschelt. Die auflagenstarke Boulevardzeitung „Vecernji list“ (Abendzeitung) nährte Anfang dieser Woche Spekulationen um eine Amtsenthebung von Bischof Milovan.

    Die Atmosphäre ist vergiftet. Über die Meinungen und Mehrheitsverhältnisse innerhalb der kroatischen Bischofskonferenz gehen die Spekulationen weit auseinander. Der Immobilienstreit ist zu einer Kirchenkrise, aber auch zu einer Vertrauenskrise unter den Gläubigen geworden. Mitte August fand die kroatische Bischofskonferenz nach tagelangen Medienspekulationen und beträchtlichen innerkirchlichen Zerwürfnissen endlich zu einer Erklärung, die aber die zentralen Fragen nicht beantwortete: Darin wird, neben Bekenntnissen zu Wahrheit und Gerechtigkeit sowie zur Einheit mit dem Papst, vor allem betont, dass es sich um keine staatliche oder zwischen-staatliche, sondern um eine rein innerkirchliche Angelegenheit handle. Doch das ist längst nicht mehr der Fall: Das kroatische Justizministerium ist dem Drängen des Bischofs von Porec-Pula entgegengekommen und beansprucht die Grundstücke nun wieder für den Staat. Nun droht neuerlich eine gerichtliche Auseinandersetzung, diesmal nicht nur zwischen der Abtei Praglia und dem kroatischen Staat. Wie immer der Immobilienstreit endet, ein Verlierer steht bereits fest: das Prestige der Kirche hat in Kroatien schweren Schaden genommen.