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    Konsistorium mit Überraschungsgast

    Rom (DT) Februar 2016: Ungefähr in zwei Jahren, so ist zumindest zu hoffen, dürfte ein postsynodales Schreiben erscheinen oder kurz vor dem Erscheinen stehen, das die Ergebnisse der von Papst Franziskus gewünschten ordentlichen Bischofssynode von Oktober 2015 über Ehe und Familie zusammenfasst. Vorausgesetzt, dass sich die Erde immer noch dreht und es in Rom immer noch Päpste gibt. Und vorausgegangen wäre im Oktober 2014 die außerordentliche Bischofssynode, die sich wiederum auf Wunsch von Franziskus ebenfalls mit der Ehe- und Familienpastoral im Licht der Evangelisierung befassen wird. Zwei lange Jahre, in denen Kardinäle Interviews geben werden – und deren Kollegium ist gerade um sechs redefreudige Lateinamerikaner erweitert worden –, in denen deutsche Theologen, assistiert von dem einen oder anderen Bischof, die Forderung erheben werden, dass sich die kirchliche Sexualmoral endlich der gängigen und auch unter gläubigen Kirchgängern gepflegten Lebenspraxis anzupassen habe, in denen diverse Unterorganisationen der Vereinten Nationen die Kirche auffordern, ihre ethischen Auffassungen den international anerkannten Standards zu Homosexualität, Abtreibung und Gender Mainstreaming anzupassen, in denen – mit einem Wort – ein unglaublicher Erwartungsdruck auf der römischen Kirchenführung lasten wird. Ein Stichwort wird das der Barmherzigkeit sein. Und was kann es Barmherzigeres geben, als auch die wiederverheirateten Geschiedenen endlich zur Kommunion zuzulassen, meinen nicht nur der Kirche Fernstehende.

    Historische Begegnung vor den Augen der Welt: Papst Franziskus begrüßt seinen emeritierten Vorgänger. Erstmals seit sein... Foto: dpa

    Rom (DT) Februar 2016: Ungefähr in zwei Jahren, so ist zumindest zu hoffen, dürfte ein postsynodales Schreiben erscheinen oder kurz vor dem Erscheinen stehen, das die Ergebnisse der von Papst Franziskus gewünschten ordentlichen Bischofssynode von Oktober 2015 über Ehe und Familie zusammenfasst. Vorausgesetzt, dass sich die Erde immer noch dreht und es in Rom immer noch Päpste gibt. Und vorausgegangen wäre im Oktober 2014 die außerordentliche Bischofssynode, die sich wiederum auf Wunsch von Franziskus ebenfalls mit der Ehe- und Familienpastoral im Licht der Evangelisierung befassen wird. Zwei lange Jahre, in denen Kardinäle Interviews geben werden – und deren Kollegium ist gerade um sechs redefreudige Lateinamerikaner erweitert worden –, in denen deutsche Theologen, assistiert von dem einen oder anderen Bischof, die Forderung erheben werden, dass sich die kirchliche Sexualmoral endlich der gängigen und auch unter gläubigen Kirchgängern gepflegten Lebenspraxis anzupassen habe, in denen diverse Unterorganisationen der Vereinten Nationen die Kirche auffordern, ihre ethischen Auffassungen den international anerkannten Standards zu Homosexualität, Abtreibung und Gender Mainstreaming anzupassen, in denen – mit einem Wort – ein unglaublicher Erwartungsdruck auf der römischen Kirchenführung lasten wird. Ein Stichwort wird das der Barmherzigkeit sein. Und was kann es Barmherzigeres geben, als auch die wiederverheirateten Geschiedenen endlich zur Kommunion zuzulassen, meinen nicht nur der Kirche Fernstehende.

    Die beiden ersten Tage des inzwischen zu Ende gegangenen Konsistoriums in Rom waren sozusagen die Einführung in die zwei kommenden Jahre. Am Donnerstag und Freitag haben die Kardinäle der katholischen Kirche in der Synodenaula des Vatikans das vor ihnen, dem Weltepiskopat und dem Papst liegende Doppeljahr auf den Weg gebracht. Ein Palaver – wie das immer so ist, wenn Kirchenobere aus aller Welt, mehr oder weniger gut vorbereitet, aus den unterschiedlichsten Weltgegenden in Rom zu synodalen Beratungen zusammenkommen. Franziskus, so hat Vatikansprecher Federico Lombardi den Journalisten anvertraut, hatte sich seine einleitenden Worte am Donnerstagmorgen lange Zeit, reiflich und gut überlegt. Und mit der kurzen Ansprache machte der Heilige Vater deutlich, dass Ehe und Familie ein umfassendes Thema ist, das nicht auf pastorale Einzelfragen beschränkt werden kann. „In diesen Tagen“, so hatte der Papst gesagt, „werden wir vor allem über die Familie, die Grundzelle der menschlichen Gesellschaft, nachdenken. Von Anfang an hat der Schöpfer seinen Segen auf Mann und Frau gelegt, damit sie fruchtbar sind und sich auf der Erde vermehren; so stellt sich die Familie in der Welt wie der Spiegel des dreieinen Gottes dar.“ Das ist das, was dem Papst am Herzen liegt: Die auf der Ehe von Mann und Frau gründende Familie im Licht der göttlichen Schöpfungsordnung zu sehen und wert zu schätzen. „Unsere Überlegungen“, so Franziskus weiter, „werden immer die Schönheit der Familie und der Ehe vor Augen haben, die Größe dieser so einfachen und zugleich so reichen menschlichen Wirklichkeit, die wie das ganze Leben aus Freude und Hoffnung, aus Mühen und Leid besteht.“

    Diese Wirklichkeit soll nach dem Wunsch von Franziskus die Theologie und die Pastoral in den kommenden beiden Jahren besonders beschäftigen: „Wir werden die Theologie der Familie zu vertiefen suchen und die Seelsorge, die wir in der gegenwärtigen Lage zum Einsatz bringen müssen. Tun wir es mit Tiefe und ohne in eine ,Kasuistik‘ zu fallen, denn dies ließe unausweichlich das Niveau unserer Arbeit sinken. Die Familie wird heute gering geschätzt, schlecht behandelt. Es ist an der Zeit zu erkennen, wie schön, wahr und gut es ist, eine Familie zu bilden, heute eine Familie zu sein; wie unentbehrlich es für das Leben der Welt, für die Zukunft der Menschheit ist. Es wird von uns verlangt, den leuchtenden Plan Gottes über die Familie hervorzuheben und den Eheleuten zu helfen, ihn mit Freude in ihrem Leben umzusetzen, indem wir sie in vielen Schwierigkeiten begleiten.“ Selbstbewusst, so kann man die programmatischen Worte des Papstes lesen, soll die Kirche vor der Welt für ihr Ideal von Ehe und Familie einstehen – sozusagen als Kontrastprogramm zu den Patchwork-Familien und sonstigen Lebensgemeinschaften, die in der westlichen Welt die klassische Familie immer mehr abzulösen drohen.

    Doch es geht nicht nur um die westliche Welt, der Westen kann auch von den südlichen und östlichen Weltregionen lernen. Am Freitag gab Vatikansprecher Lombardi bekannt, dass der Papst ein bunt gewürfeltes Präsidium für die kommende außerordentliche Bischofssynode zur Familienpastoral bestimmt habe. Es handele sich um die Kardinäle André Vingt-Trois, den Erzbischof von Paris, Luis Antonio Tagle, den Erzbischof von Manila, und Damasceno Assis, den Erzbischof von Aparecida. Mit dieser Wahl, so Lombardi, seien drei unterschiedliche Kontinente im Präsidium der Synode vertreten. Zum Generalrelator der Bischofssynode hatte Franziskus bereits früher den Erzbischof von Esztergom-Budapest, Kardinal Peter Erdö, ernannt, zum Sondersekretär den italienischen Erzbischof von Chieti-Vasto, Bruno Forte.

    Die Beratungen des Konsistoriums, die auf den einleitenden Vortrag von Kardinal Walter Kasper folgten, waren vertraulich. Allerdings machte der Generalsekretär der Bischofssynode, der dann am Samstag zum Kardinal erhobene Kurienbischof Lorenzo Baldisseri, im „Osservatore Romano“ öffentlich, dass etwa achtzig Prozent aller nationalen Bischofskonferenzen in der Welt den Fragebogen des Synodensekretariats zu Familie und Sexualmoral an den Vatikan zurückgeschickt hätten. Anhand der bisher ausgewerteten Antworten werde deutlich, so Baldisseri gegenüber der Papst-Zeitung, dass sich viele Menschen, deren Lebensentwürfe von der katholischen Lehre abwichen, von der Kirche ausgeschlossen oder allein gelassen fühlten. Die Berichte lieferten einen weltweiten Überblick. Sie würden zeigen, dass Kultur und Traditionen der jeweiligen Gesellschaften teilweise der katholischen Lehre zuwiderliefen, meinte Baldisseri. Die Antworten der Bischofskonferenzen gingen nun in die Erarbeitung des „Instrumentum laboris“, des Arbeitspapiers der Synode, ein.

    Nach der Pflicht dann die Kür. Am Samstag fand der öffentliche Teil des Konsistorium statt; Papst Franziskus nahm in einer feierlichen Zeremonie die neunzehn neuen Kardinäle in seinen Senat auf – nicht persönlich anwesend war allerdings der 98 Jahre alte Italiener Loris Capovilla, der frühere Sekretär von Johannes XXIII. Die Petrus-Statue im Petersdom trug die goldene Tiara und ein reich verziertes Brokatgewand. Und zur großen Überraschung aller nahm ein weiterer Papst an der Kardinalserhebung teil: der emeritierte Vorgänger von Franziskus, im schlichten weißen Mantel. Es war die Nachricht des Tages, zumindest in den Medien, dass Benedikt XVI. von seinem Kloster im Vatikan den Weg in den Petersdom gefunden hatte. Herzlich begrüßte Franziskus beim Einzug den zurückgetretenen Papst. Die italienischen Fernsehsender, die zur gleichen Zeit auf vielen Kanälen die Vereidigung des Kabinetts von Matteo Renzi live übertrugen, ließen es sich nicht nehmen, immer wieder einmal in den Petersdom umzuschalten. Bescheiden nahm Benedikt XVI. sein weißes Scheitelkäppchen ab, als ihn Franziskus zu Beginn der liturgischen Feier und dann wieder beim Auszug in die Arme nahm.

    Am späteren Nachmittag dann großer Auftrieb im Vatikan, Tausende von Gästen machten den neuen Purpurträgern ihre Aufwartung, der deutsche Jung-Kardinal Gerhard Ludwig Müller empfing in der „Sala Ducale“ des Apostolischen Palasts. Da gab es dann wieder Umarmungen, viele Fotos und nochmals den ein oder anderen Überraschungsgast: bei Kardinal Müller etwa den Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst.