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    Kommunizieren ist Konflikte wert

    Köln (DT) Eine konzentrierte Einführung in die Geistlichen Übungen (Exerzitien) des heiligen Ignatius von Loyola (1491–1556) hat der Jesuitenpater Andreas Schönfeld während des Eucharistischen Kongresses in Köln gegeben. Dabei ging der Schriftleiter der Jesuitenzeitschrift für christliche Spiritualität „Geist und Leben“ von der Frage aus, wie bei den heute oftmals hohen Anforderungen an den Gemeindepriester eine beschauliche Haltung, eine Kunst des Zelebrierens durchgehalten werden kann.

    Der Gründer der Jesuiten, Ignatius von Loyola, dargestellt an der Nordfassade des Kölner Doms. Foto: KNA

    Köln (DT) Eine konzentrierte Einführung in die Geistlichen Übungen (Exerzitien) des heiligen Ignatius von Loyola (1491–1556) hat der Jesuitenpater Andreas Schönfeld während des Eucharistischen Kongresses in Köln gegeben. Dabei ging der Schriftleiter der Jesuitenzeitschrift für christliche Spiritualität „Geist und Leben“ von der Frage aus, wie bei den heute oftmals hohen Anforderungen an den Gemeindepriester eine beschauliche Haltung, eine Kunst des Zelebrierens durchgehalten werden kann.

    Eine Hilfe bietet dem Priester, aber auch jedem Gläubigen für seinen individuellen Lebensweg der spirituelle Pfad, wie er von Ignatius von Loyola in seinem 1541 voll-endeten Exerzitienbuch vorgezeichnet wurde. Die darin enthaltenen Übungen bauen auf den Evangelien auf und führen im Laufe von vierwöchigen Exerzitien – die abgekürzt auch in einer achttägigen Form angeboten werden – mit Hilfe von Betrachtungen aus dem Leben Jesu zu einer Entscheidung, den Willen Gottes zu tun. Denn darum geht es letztendlich: den Willen Gottes für das eigene Leben herauszufinden und die individuelle Lebensform zu ermitteln, wie man als Christ selbst beschaulich leben kann. Das spirituelle Ziel ist also die Kontemplation. Die Tragweite eines solchen Strebens stellte etwa Papst Johannes Paul II. in seinen Enzykliken heraus: „Wenn der Missionar nicht kontemplativ ist, kann er Christus nicht glaubwürdig verkünden.“ (Redemptoris Missio, 1990)

    Dieser Gedanke ist bereits bei Augustinus und seinem Stufenmodell der geistlichen Lebensalter vorhanden: Um den Glauben selbst verkünden zu können, bedarf es eines spirituellen Reifungsprozesses, der uns Gott für sein Wirken öffnet. Oder anders ausgedrückt: Nur der bleibt in seinem Glauben wahr, der sich im Geistlichen auch weiterentwickelt.

    Exerzitien sind ein Instrument, um den Willen Gottes herauszufinden. Auf den Prüfstand gestellt wird dabei die eigene Lebensgeschichte und die grundsätzlichen Entscheidungen. Für Ignatius von Loyola ist dabei die Unterscheidung der Geister von zentraler Bedeutung. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob die Seele bei der jeweiligen Entscheidung eine geistliche Tröstung empfindet. Wenn ja, so führt dies zur richtigen Entscheidung: Der Trost ist das, was die Zunahme an Hoffnung, Glaube und Liebe fördert. „Untrost“, Trostlosigkeit hingegen zu verspüren bedeutet eine Dunkelheit der Seele, was wiederum eine falsche Entscheidung zur Folge hätte.

    Die Eucharistie hatte für den heiligen Ignatius eine besondere Bedeutung. Die zu seinen Lebzeiten gängige Praxis sah vor, den Leib des Herrn wohl aus einer großen Ehrfurcht heraus sehr selten zu empfangen – ein- oder zweimal jährlich. Ignatius brach mit diesem Brauch und begann, einmal wöchentlich zu kommunizieren, was ihn sogar in Konflikt mit der Inquisition brachte. Der Heilige konnte sich bei seinem Tun jedoch auf den Mystiker Thomas von Kempen (um 1380–1471) berufen, dessen viertes Buch der „Nachfolge Christi“ – der als Weg zur Selbstvervollkommnung entstandene Leitfaden der „Devotio moderna“ – ausdrücklich auf den Nutzen des häufigen Kommunionempfanges verweist. Ignatius verbindet nun die Eucharistie mit einer kontemplativen Haltung, indem er von ihm persönlich bereits vernunftgemäß getroffene „Wahlentscheidungen“ Gott in der heiligen Messe auf dem Altar noch einmal zur Entscheidung vorlegt. Zentral ist auch hier wieder die Erfahrung von Trost oder Trostlosigkeit, die er wahlweise nach dem Empfang der heiligen Kommunion empfindet und somit herausfindet, welche Entscheidung diejenige ist, die dem Willen Gottes entspricht. Wichtig ist dabei, Wahlentscheidungen zu treffen, gegenüber denen man selbst – bevor man sie Gott vorlegt – eine Haltung der Indifferenz, der Unparteilichkeit, einnimmt. Diese Art, Lebens- oder sonstige Einzelentscheidungen zu treffen, können, so der Referent, eine Möglichkeit sein, wie auch der Christ mit Hilfe der ignatianischen Spiritualität heute die Eucharistie mit einer kontemplativen Lebensweise verbinden können.

    Die Frucht dieser geistlichen Übungen lässt sich, so Pater Schönfeld in seinem Vortrag, in einem Ausspruch von Jerónimo Nadal (1507–1580), einem engen Vertrauten des heiligen Ignatius, zusammenfassen:

    „So reift eine ,vita activa superior‘ heran, in der Tat (actio) und der Beschauung (contemplatio) eins geworden sind, die die Kraft hat, beide überall auszuwirken, wie es dem größeren Dienst unseres Herrn entspricht. Mit einem Wort: Das Wirken der Liebe, die ganz eins ist mit Gott: das ist vollendetes Tun.“