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    Kommentar: Preisverleihung mit Fragezeichen

    Eine Preisverleihung mit Bedeutung: Am 10. November hat der emeritierte Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah, aus der Hand des palästinensischen Ministerpräsidenten Rami Hamdallah den „Jassir-Arafat-Preis“ erhalten. Wie ist diese Würdigung des Patriarchen durch einen Preis zu bewerten, der nach dem vor 13 Jahren verstorbenen ersten Präsidenten der palästinensischen Autonomiegebiete benannt ist?

    Eine Preisverleihung mit Bedeutung: Am 10. November hat der emeritierte Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah, aus der Hand des palästinensischen Ministerpräsidenten Rami Hamdallah den „Jassir-Arafat-Preis“ erhalten. Wie ist diese Würdigung des Patriarchen durch einen Preis zu bewerten, der nach dem vor 13 Jahren verstorbenen ersten Präsidenten der palästinensischen Autonomiegebiete benannt ist?

    Der in Nazareth geborene und aufgewachsene Michel Sabbah war der erste palästinensische Vertreter auf dem lateinischen Patriarchenstuhl, alle seine Vorgänger seit der Wiederherstellung des Patriarchats im Jahr 1847 waren Italiener. Sabbah war in seiner Zeit als Patriarch – und auch danach – nicht nur der geistliche Führer der zum ganz überwiegenden Teil arabischen Christen im Heiligen Land. Er ist auch ein politischer Mensch, der Partei für die Verbesserung der Situation des palästinensischen Volkes und für ein friedliches Zusammenleben zwischen Palästinensern und Israelis ergriffen und sich für eine Zwei-Staaten-Lösung stark macht hat. An den Traum der Palästinenser von einem eigenen Staat erinnerte der neue Preisträger auch in seiner Dankesrede, auch wenn dieser Traum gegenwärtig noch weit entfernt ist.

    Michel Sabbah ist kein einfacher Kirchenmann und eckte oft an. Er hat auch den Konflikt nicht gescheut, war nicht immer diplomatisch, sondern fand oft deutliche Worte. Er hat nicht davor zurückgeschreckt, sich mit der israelischen Regierung anzulegen, wenn es darum ging, die Belange der Palästinenser, speziell der arabischen Christen zu vertreten. Die kleine christliche Minderheit gehört in besonderer Weise zu den Leidtragenden des Dauerkonflikts zwischen Israelis und Palästinensern. Sie sitzt oft zwischen den Stühlen: Auf der einen Seite werden sie von den Israelis mit Misstrauen gesehen, da sie Palästinenser sind; zum anderen leben sie als Christen in einer mehrheitlich muslimischen Umwelt. Die Beschwernisse im alltäglichen Leben, die ständigen Kontrollen, die bürokratischen Hürden und vor allem die fehlenden Zukunftsperspektiven gerade für die jungen Menschen lassen die Hoffnungslosigkeit zunehmen und befördern den Exodus der Christen aus der Heimat Jesu und dem Ursprungsland unseres Glaubens. Dem wollte der Palästinenser auf dem Patriarchenstuhl entgegenwirken. Insofern ist Michel Sabbah ein verdienter Träger des ihm verliehenen Preises.

    Allerdings bleibt ein Fragezeichen: Denn gleichzeitig mit Sabbah wurde der Großmufti von Jerusalem, Muhammad Ahmad Hussein, ausgezeichnet. Ein Mann, dessen judenfeindliche Äußerungen nicht geduldet werden können und der sogar leugnet, dass auf dem Jerusalemer Tempelberg je ein jüdischer Tempel gestanden hat. Hier hätte Michel Sabbah durch den Verzicht auf den Preis die Gelegenheit gehabt aufzuzeigen, wo die „Rote Linie“ ist.

    Der Verfasser ist Vizepräsident des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande

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