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    Kommentar: Eine Frage des Lebensgefühls

    Weihnachten bietet in diesem Jahr einen Stolperstein für betont rationale Katholiken. Seit der Einführung der Vorabendmesse paaren sich in vielen Pfarreien liturgische Pflichterfüllung und gottesdienstfreier Sonntag in seltsamer, aber formal korrekter Alltagspraxis. Zielgruppe der Vorabendmesse waren zwar ursprünglich nicht Langschläfer und Sportfreaks, sondern alle, denen der Besuch der Sonntagsmesse aufgrund ihrer Verpflichtungen unmöglich war. Inzwischen haben sich die Gewichte verschoben. Wer heute eine Vorabendmesse besucht, begegnet nicht nur Pflegepersonal im Schichtdienst, Lokführern und gehbehinderten Senioren ohne Führerschein, sondern erlebt nicht selten die typische Denke der Freizeitgesellschaft. „Erledigt“ könnte eine Maxime lauten, die – der Vorabendmesse sei Dank – einen gottesdienstfreien Sonntag erst zum Inbegriff moderner Freizeitkultur macht.

    Weihnachten bietet in diesem Jahr einen Stolperstein für betont rationale Katholiken. Seit der Einführung der Vorabendmesse paaren sich in vielen Pfarreien liturgische Pflichterfüllung und gottesdienstfreier Sonntag in seltsamer, aber formal korrekter Alltagspraxis. Zielgruppe der Vorabendmesse waren zwar ursprünglich nicht Langschläfer und Sportfreaks, sondern alle, denen der Besuch der Sonntagsmesse aufgrund ihrer Verpflichtungen unmöglich war. Inzwischen haben sich die Gewichte verschoben. Wer heute eine Vorabendmesse besucht, begegnet nicht nur Pflegepersonal im Schichtdienst, Lokführern und gehbehinderten Senioren ohne Führerschein, sondern erlebt nicht selten die typische Denke der Freizeitgesellschaft. „Erledigt“ könnte eine Maxime lauten, die – der Vorabendmesse sei Dank – einen gottesdienstfreien Sonntag erst zum Inbegriff moderner Freizeitkultur macht.

    Wenn Heiligabend und der vierte Advent wie in diesem Jahr auf einen Sonntag fallen, wird es für Minimalisten geradezu verführerisch: Wieviel Messbesuch muss eigentlich sein? Samstagabend sowie Montagmorgen sind eine von vier akzeptablen Lösungen, die die Bischofskonferenz von England und Wales den Gläubigen vorschlägt, um der Pflicht an Weihnachten Genüge zu tun. Zweifellos ein passender Hinweis für die überschaubare Gruppe der Katholiken, die es gewohnt ist, in kirchenrechtlichen Kategorien zu denken, sowie für Priester, die drei Sonntagsmessen für eine Zumutung halten, Doch an Weihnachten darf die Freude am Herrn auch mehr sein als bloße Pflichterfüllung. Zudem stehen an diesem Sonntag die Chancen überdurchschnittlich gut, auch Zeitgenossen in der Messe anzutreffen, die nur einmal im Jahr ihren Fuß in die Kirche setzen. Fast erscheint es als ein Gebot neuevangelisierungswillige Nächstenliebe, die Sonntagspflicht wörtlich zu nehmen und am Tag des Herrn Gesicht in der Kirche zu zeigen. Denn gerade an Weihnachten ist katholisches Lebensgefühl angesagt – über alle Strukturzwänge und Pastoralpläne hinweg. Die einfachste Weg ist, sonntags in die Kirche zu gehen.

    Von regina Einig

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