• aktualisiert:

    Kommentar: Die Jugend liebt die alte Messe

    Wer in Mitteleuropa einen durchschnittlichen katholischen Sonntagsgottesdienst besucht, wird wenig junge Leute vorfinden; oft fehlen sie ganz. Unter den Besuchern überwiegen die über 60-Jährigen. Eine triste und scheinbar unumkehrbare Entwicklung, aber sie kennt Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist auf den ersten Blick erstaunlich. Es handelt sich um die Messen im alten, dem außerordentlichen römischen Ritus. Sie versammeln gerade die Altersgruppen, die man in der Kirche oft nicht mehr zu Gesicht bekommt. Benedikt XVI. macht auf diese jugendlichen Besucher der alten Messe in seinem Begleitbrief zum Motu proprio Summorum pontificum von 2007 aufmerksam: „Hatte man unmittelbar nach dem Ende des II. Vaticanums annehmen können, das Verlangen nach dem Usus von 1962 beschränke sich auf die ältere Generation, die damit aufgewachsen war, so hat sich inzwischen gezeigt, dass junge Menschen diese liturgische Form entdecken, sich von ihr angezogen fühlen und hier eine ihnen besonders gemäße Form der Begegnung mit dem Mysterium der heiligen Eucharistie finden.“ Daraus aber sei die Notwendigkeit entstanden, die rechtliche Situation des alten Ritus verbindlich zu regeln. Nicht zuletzt auf die jugendlichen Besucher der tridentinischen Messe also geht ihre allgemeine Freigabe von 2007 zurück.

    Wer in Mitteleuropa einen durchschnittlichen katholischen Sonntagsgottesdienst besucht, wird wenig junge Leute vorfinden; oft fehlen sie ganz. Unter den Besuchern überwiegen die über 60-Jährigen. Eine triste und scheinbar unumkehrbare Entwicklung, aber sie kennt Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist auf den ersten Blick erstaunlich. Es handelt sich um die Messen im alten, dem außerordentlichen römischen Ritus. Sie versammeln gerade die Altersgruppen, die man in der Kirche oft nicht mehr zu Gesicht bekommt. Benedikt XVI. macht auf diese jugendlichen Besucher der alten Messe in seinem Begleitbrief zum Motu proprio Summorum pontificum von 2007 aufmerksam: „Hatte man unmittelbar nach dem Ende des II. Vaticanums annehmen können, das Verlangen nach dem Usus von 1962 beschränke sich auf die ältere Generation, die damit aufgewachsen war, so hat sich inzwischen gezeigt, dass junge Menschen diese liturgische Form entdecken, sich von ihr angezogen fühlen und hier eine ihnen besonders gemäße Form der Begegnung mit dem Mysterium der heiligen Eucharistie finden.“ Daraus aber sei die Notwendigkeit entstanden, die rechtliche Situation des alten Ritus verbindlich zu regeln. Nicht zuletzt auf die jugendlichen Besucher der tridentinischen Messe also geht ihre allgemeine Freigabe von 2007 zurück.

    Und ihre Zahl nimmt zu: In einem Interview mit Francesco Mastromatteo erklärte vor kurzem der dem Papst nahestehende Liturgiker Nicola Bux: „Auf der ganzen Welt verbreitet sich der Alte Ritus gerade unter den ganz Jungen. Meiner Meinung nach hängt es damit zusammen, dass die Jungen sich dem Glauben nähern, indem sie den Sinn des Mysteriums suchen.“ Mastromatteo hatte zuvor gefragt, ob das nicht eine paradoxe Entwicklung sei? – So mag sie vielen erscheinen, aber sie ist im höchsten Maße real. Wer sie zu ignorieren, zu leugnen oder zu behindern versucht, der versündigt sich an der Zukunft der Kirche.

    Was suchen Jugendliche in der alten Messe? In den Äußerungen Benedikts XVI. und Nicola Bux‘ findet sich je ein identischer Begriff: das Mysterium. Man kann ihn als Schlüsselbegriff ansehen, zumal eine Vielzahl von Einzelzeugnissen Jugendlicher, die sich im Internet zuhauf finden, in dieselbe Richtung weisen. Die alte lateinische Messe bringt das Mysterium der Eucharistie besser zum Ausdruck als die Neue Messe, die mehr auf die sozialen Aspekte setzt (selbst dort, wo sie auf Latein und versus orientem zelebriert wird). Die lateinische Kultsprache, die für den alten Ritus charakteristischen Phasen der Stille, die Vielzahl und Präzision seiner liturgischen Gesten, dies alles zieht die Jugend magisch an. Sie sucht im Gottesdienst den Geist der Anbetung und Theozentrik, der schon in den Texten der neuen Liturgie entschieden abgeschwächt ist, und umso mehr in ihrer Praxis. Sie findet ihn in der alten Messe. Was das Durchschnittsalter der Besucher angeht, ist die „alte Messe“ im allgemeinen wesentlich jugendlicher als die „neue“.

    Aber wie drückt sich dieses Phänomen in absoluten Zahlen aus? Auf dem Weltjugendtag 2011 stellte die dem alten Ritus verbundene Organisation „Iuventutem“ vergleichsweise wenige Pilger. Doch dabei ist zu bedenken, dass die alte Messe noch nicht lange auf Weltjugendtagen präsent ist.

    Die Jugend und die alte Messe: Vielleicht kein Massenphänomen – aber das wird das Christentum in unseren Breiten ohnehin auf absehbare Zeit nicht mehr sein. Sicher ist: In einer schrumpfenden Kirche wächst ihre Zahl beständig. In der „kreativen Minderheit“ der „Generation Benedikt“, die sich anschickt, den Glauben in eine neue Zeit zu tragen, stellen die Liebhaber des alten Ritus jedenfalls nicht die kleinste Fraktion.