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    Kommentar: Das Missale wird zur Machtprobe

    Das Familienpapier der EKD zeigt pars pro toto, wie sich die ökumenische Bewegung durch falsche Rücksicht um ihre Früchte bringt. Schwieg man stets höflich, wenn wieder einmal eine Landeskirche grünes Licht für Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare gab, bricht nun ein weiterer Graben zwischen den Konfessionen auf. Die Konsequenzen für Mischehen lassen sich nicht schönreden: Wenn der Glaube an das biblische Menschenbild keine gemeinsame Grundlage zwischen katholischen und evangelischen Christen ist, wird die Formulierung von der „konfessionsverbindenden Ehe“ zur leeren Floskel.

    Das Familienpapier der EKD zeigt pars pro toto, wie sich die ökumenische Bewegung durch falsche Rücksicht um ihre Früchte bringt. Schwieg man stets höflich, wenn wieder einmal eine Landeskirche grünes Licht für Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare gab, bricht nun ein weiterer Graben zwischen den Konfessionen auf. Die Konsequenzen für Mischehen lassen sich nicht schönreden: Wenn der Glaube an das biblische Menschenbild keine gemeinsame Grundlage zwischen katholischen und evangelischen Christen ist, wird die Formulierung von der „konfessionsverbindenden Ehe“ zur leeren Floskel.

    Schrifttreue als Reformprinzip wäre ein erster Ansatz zur Scheidung der ökumenischen Geister. Wache Protestanten beobachten auch, wie es Katholiken mit dem Jesuswort „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein“ halten. Wer die jüngste Forderung der Priesterinitiative im Erzbistum Freiburg liest, Erzbischof Robert Zollitsch möge das neue Messbuch nicht in Kraft setzen, darf staunen. Der Text dokumentiert den offenen Bruch mit dem freiwillig gegebenen Weiheversprechen: „Wir können nur das glaubwürdig weitergeben, was wir selbst glauben.“ Entscheidend ist also nicht mehr, was die Kirche glaubt und wie sich dieser Glaube in der lex orandi des römischen Missale niederschlägt, auch nicht, dass der Gehorsam gegenüber dem Bischof konstitutiv für den priesterlichen Dienst ist. Ganz auf der Strecke bleiben in der Argumentation der Priester-Initiative die Rechte der katholischen Gläubigen: Beim Dienst am Wort, der sich auf Schrift und Überlieferung, auf Liturgie, Lehramt und Leben der Kirche zu stützen hat, soll ihnen das Geheimnis Christi vollständig und getreu vorgelegt werden.

    Im Erzbistum Freiburg führt man seit Jahren Dialoge mit eigenwilligen Priestern. Gerade um der Ökumene willen sollten innerkirchliche Dialoge einer selbstkritischen Evaluation unterzogen werden. Bibeltreue Protestanten legen Wert auf glaubwürdige Dialogpartner. Aus leidvoller Erfahrung mit den Schlingerkursen ihrer Landeskirchen erkennen sie repressive Toleranz hinter der Maske demonstrativer Gelassenheit.