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    Klosterschändung im Heiligen Land

    Jerusalem/Latrun (DT) Mit deutlichen Worten hat die katholische Kirche des Heiligen Landes die Übergriffe von Unbekannten auf das Trappistenkloster Latrun bei Jerusalem verurteilt. In einem am Dienstag veröffentlichten Kommunique der katholischen Ordinarienkonferenz, das unter anderem vom Lateinischen Patriarchen Fouad Twal, dem Kustos des Heiligen Landes Pierbattista Pizzaballa und dem interimistisch für Israel zuständigen Apostolischen Nuntius von Jordanien Giorgio Lingua unterzeichnet war, drückten die Oberhirten ihre Empörung über das Geschehene aus und forderten die Bestrafung der Täter. Die Bischöfe fragen, was in Israel vor sich gehe, dass Christen Opfer solcher Übergriffe würden. „Welche Art von Erziehung zur Verachtung im Hinblick auf die Christen lehrt man in den Schulen?“

    Ein Franziskaner aus Jaffa besucht am Dienstag das Trappistenkloster Latroun. Im Hintergrund die beschmierte Kirchenfass... Foto: dpa

    Jerusalem/Latrun (DT) Mit deutlichen Worten hat die katholische Kirche des Heiligen Landes die Übergriffe von Unbekannten auf das Trappistenkloster Latrun bei Jerusalem verurteilt. In einem am Dienstag veröffentlichten Kommunique der katholischen Ordinarienkonferenz, das unter anderem vom Lateinischen Patriarchen Fouad Twal, dem Kustos des Heiligen Landes Pierbattista Pizzaballa und dem interimistisch für Israel zuständigen Apostolischen Nuntius von Jordanien Giorgio Lingua unterzeichnet war, drückten die Oberhirten ihre Empörung über das Geschehene aus und forderten die Bestrafung der Täter. Die Bischöfe fragen, was in Israel vor sich gehe, dass Christen Opfer solcher Übergriffe würden. „Welche Art von Erziehung zur Verachtung im Hinblick auf die Christen lehrt man in den Schulen?“

    Der Vikar des Lateinischen Patriarchen für Jerusalem und Palästina, Weihbischof William Shomali, sagte dieser Zeitung am Mittwoch, dass sich die Kirche zwei Dinge vom Staat Israel erwarte. Zum einen müssten die Verantwortlichen gefasst werden. Man müsse herausfinden, warum sie dies getan hätten und wer hinter ihnen stehe. Zum anderen müsse die Regierung ihrer Verantwortung gerecht werden und Schulbücher kontrollieren, in denen christenfeindliche Inhalte vermittelt würden. Man nehme aber zur Kenntnis, dass Premierminister Netanjahu die Übergriffe verurteilt und zur Ergreifung der Täter aufgerufen habe. Auf die Frage, ob er die Übergriffe für die Tat einer kleinen marginalen Gruppe halte oder aber als repräsentativ für die israelische Bevölkerung ansehe, sagte der Weihbischof, dass er sich sicher sei, dass die Akte von einer radikalen Gruppe ausgeführt worden seien. Ob sie allerdings klein und marginal sei, wisse man nicht. Gehörten die Täter etwa der rechtsextremen Kahane-Bewegung an, handele es sich um eine kleine Gruppe. Das sei aber nicht mehr der Fall, wenn sie die Siedler repräsentierten. Diese umfassten mittlerweile etwa 500 000 Personen. „Sie sind religiös fanatisch. Die große Mehrheit der Israelis hingegen ist säkular, aber nicht anti-christlich. Sie ignorieren uns Christen eher als dass sie uns ablehnen“, so Shomali. Trotz der Übergriffe sieht der Bischof nicht den Punkt erreicht, dass Christen und ihre Institutionen in Israel unsicher seien.

    In der Nacht zum Dienstag hatten Unbekannte das fünfzehn Kilometer westlich von Jerusalem gelegene Kloster Unserer Lieben Frau von den sieben Schmerzen in Latrun mit anti-christlichen Slogans geschändet. Außerdem wurde eine Tür in Brand gesteckt. Dieser konnte von den Mönchen allerdings gelöscht werden. Die israelische Polizei, die eine achtköpfige Sonderkommission eingerichtet hat, geht davon aus, dass die Täter aus Kreisen extremistischer Siedler stammen. Als Hinweis gilt, dass neben blasphemischen Sprüchen wie „Jesus ist ein Affe“ der Name des Ortes Migron an die Klostermauern gesprüht wurde. Dabei handelt es sich um eine illegale Siedlung im Westjordanland, die am Sonntag geräumt worden war. Der israelische Oberste Gerichtshof hatte die Evakuierung nach einem mehrjährigen Rechtsstreit angeordnet, weil die Siedlung auf palästinensischem Privatgrund errichtet worden war.

    Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat den Angriff auf das Kloster am Dienstag derweil scharf verurteilt. „Das ist ein krimineller Akt und die Verantwortlichen müssen hart bestraft werden“, sagte der Regierungschef. Religions- und Kultusfreiheit seien zwei der grundlegendsten Institutionen in Israel. Sein Verteidigungsminister Ehud Barak forderte den Einsatz des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet gegen den „jüdischen Terrorismus“. Wörtlich sagte Barak am Dienstag: „Das muss mit eiserner Faust bekämpft werden, und wir müssen diesen schwerwiegenden Phänomenen ein Ende machen, die den Namen des Staates Israel beflecken. Wir sind verpflichtet, dieses Phänomen an der Wurzel auszureißen.“ Die Vorsitzende der Arbeiter-Partei, Shelly Yachimovich, bezeichnete die Angriffe als „Vandalismus und Rassismus“. Solche Akte schadeten dem Image Israels. Wörtlich sagte sie: „Dieser Akt des Vandalismus wurde von einer extremen Minderheit ausgeführt, die weder die israelische Gesellschaft noch alle Siedler repräsentiert.“

    Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat machte der palästinensischen Nachrichtenagentur PNN zufolge indes die israelische Regierung für die Übergriffe verantwortlich. Am Dienstag sagte er: „Wenn Mitglieder der Knesset zur Zerstörung der heiligen Al-Aqsa-Moschee aufrufen oder öffentlich eine Bibel zerreißen, ohne Konsequenzen zu gewärtigen, dann ist das Aufhetzung zu Terrorangriffen gegen die Heiligen Stätten von Moslems und Christen.“

    Bei dem Übergriff handelt es sich um den jüngsten einer ganzen Reihe antichristlicher Vorfälle in Israel im Jahr 2012. So war Anfang Februar das in Jerusalem nahe der Knesset gelegene griechisch-orthodoxe Kreuzkloster mit Sprüchen wie „Tod den Christen“ entweiht worden. Kurz darauf beschmierten Unbekannte eine Einrichtung der baptistischen Gemeinde in Jerusalem mit ähnlichen Sprüchen. Für allgemeine Empörung sorgte im Juli, als der Abgeordnete Michael Ben Ari von der Partei „National Union“ aus einer ihm von einer missionarischen Bibelgesellschaft unverlangt zugesandten Bibel das Neue Testament herausriss und in den Papierkorb warf. Daneben gab es auch zahlreiche Übergriffe auf palästinensische und islamische Einrichtungen wie etwa Olivenbaumpflanzungen oder Moscheen. Die Täter hinterlassen häufig den Begriff „Preisschild“ an ihren Tatorten. Damit wollen sie zum Ausdruck bringen, dass jede Aktion der israelischen Regierung gegen die jüdischen Siedler im Westjordanland einen Preis habe. Das soll die Regierung vor Maßnahmen etwa gegen nach israelischem Recht illegal errichtete Siedlungen abhalten. Eine jüngst veröffentlichte Studie des UNESCO-Lehrstuhls für Menschenrechte und Demokratie an der An-Najah-Universität in Nablus zählt seit 2008 mindestens 62 sogenannte „Preisschild“-Übergriffe.