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    Keine Gewalt im Namen Gottes

    Heiligenkreuz (DT) Vertreter verschiedener Religionen trafen sich am Freitag im niederösterreichischen Stift Heiligenkreuz, um das Phänomen der religiös motivierten Gewalt zu debattieren. So sprach der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Damian über die Verfolgung seiner Kirche in Ägypten, die zu einer Märtyrerkirche geworden ist und bisher zwei Millionen Opfer zählt. Viele Kopten sehen sich gezwungen, Ägypten zu verlassen und ins Exil zu gehen, da sie in ihrem Heimatland Bürger zweiter Klasse sind. Die wichtigsten Ämter in Politik, Medien, Bildung, Militär und Gesundheitswesen haben Muslime inne. Willkürliche Morde an christlichen Familienvätern, Ärzten und Priestern schüchtern die Kopten ein. Die Verbrechen, die radikale Muslime an ägyptischen Christen begehen, werden nicht bestraft. Bischof Damian erklärte, dass aufgrund der herrschenden Scharia kein Verbrechen bestraft wird, dem ein Christ zum Opfer gefallen ist, da die Scharia so etwas nicht vorsieht.

    Heiligenkreuz (DT) Vertreter verschiedener Religionen trafen sich am Freitag im niederösterreichischen Stift Heiligenkreuz, um das Phänomen der religiös motivierten Gewalt zu debattieren. So sprach der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Damian über die Verfolgung seiner Kirche in Ägypten, die zu einer Märtyrerkirche geworden ist und bisher zwei Millionen Opfer zählt. Viele Kopten sehen sich gezwungen, Ägypten zu verlassen und ins Exil zu gehen, da sie in ihrem Heimatland Bürger zweiter Klasse sind. Die wichtigsten Ämter in Politik, Medien, Bildung, Militär und Gesundheitswesen haben Muslime inne. Willkürliche Morde an christlichen Familienvätern, Ärzten und Priestern schüchtern die Kopten ein. Die Verbrechen, die radikale Muslime an ägyptischen Christen begehen, werden nicht bestraft. Bischof Damian erklärte, dass aufgrund der herrschenden Scharia kein Verbrechen bestraft wird, dem ein Christ zum Opfer gefallen ist, da die Scharia so etwas nicht vorsieht.

    Bischof Damian hofft, dass durch Soziale Netzwerke wie Facebook mehr Demokratie ins Land kommt und setzt seine ganze Hoffnung auf die ägyptische Jugend. Es stimmte ihn zuversichtlich, dass auch muslimische Jugendliche gemeinsam mit den Christen nach dem Anschlag in Alexandrien, in der Neujahrsnacht 2011, gegen religiöse Gewalt demonstrierten. Was dem Bischof Sorgen bereitet, sind die zunehmenden Entführungen von jungen Mädchen und Frauen, da niemand weiß, wohin sie verschleppt werden und was mit ihnen geschieht. Bischof Damians Hoffnung für die Zukunft ist ein friedliches und gerechtes Zusammenleben von Christen und Muslimen, die er als Brüder und Schwestern bezeichnet. Er beendete seinen Vortrag mit den Worten: „Liebe Muslime, wir haben nichts gegen euch, wir wollen mit euch zusammenleben können!“ Auf die Frage, wie man in Europa dem Islam begegnen solle, antwortete er, die Christen sollten standfest und klug sein. Sie sollten ihren Kindern den Glauben vermitteln und sich mit der Lehre des Islam vertraut machen.

    Obiora Ike, der Generalvikar des Bistums Enugu in Nigeria ist, berichtete von den Auswirkungen muslimischer Gewalt in seinem Heimatland. Aufgrund der Ausbeutung Afrikas in den vergangenen 300 Jahren sei der Kontinent abhängig von finanziellen Unterstützungen aus dem Ausland. Da die Kredite der Amerikaner viel zu hoch verzinst seien, beugten sich die Afrikaner lieber der Islamisierung, um zinsfreie Kredite von den Arabern zu erhalten. Die Verfassung Nigerias sieht zwar Religionsfreiheit vor, die jede Art der Diskriminierung aus religiösen Gründen ausschließen sollte, doch die Realität sehe anders aus. Nigeria werde vom Militär regiert, das in muslimischer Hand sei. Auch würden die Muslime in allen Bereichen des Lebens, etwa bei Stellenvergaben, den Christen und Juden vorgezogen.

    Ein großes Gefahrenpotenzial sieht Obiora Ike in dem Vorhaben, eine islamische Bank in Afrika zu gründen. In zwölf Bundesländern Nigerias gilt bereits die Scharia, die die landeseigene Verfassung ersetzt und beispielsweise den Bau von Kirchen verbietet. Allein in den vergangenen zwei Jahren seien 330 Kirchen in die Luft gesprengt worden.

    Trotz der vielen Probleme und des großen Leids in Afrika ist Ike der Meinung, dass Afrika sich nicht Europa zum Vorbild zu nehmen habe, wie oft gefordert werde. Denn Europa leide selbst an einer dreifachen Armut, nämlich an der Armut des Glaubens und der Moral sowie an einer Armut an Kindern, die in Europa oft durch Besitz und Hunde ersetzt würden. Auf die Frage, wie er sich erkläre, dass die Kirche Afrikas im Vergleich zu Europa so viele Berufungen zu verzeichnen hat, antwortete der nigerianische Theologe, dass nun einmal keine Hunde zu Priestern berufen werden. Ein Staat ohne Moral sei unfinanzierbar, warnt Ike. Aus diesem Grund sei der Zerfall Europas vorprogrammiert. Wenn auf jeden Drogensüchtigen ein Therapeut, auf jeden Verbrecher ein Polizist und auf jeden Kinderpornographen ein Detektiv komme, sei der Zusammenbruch einer solchen Gesellschaft schon allein aus finanziellen Gründen absehbar. Die afrikanischen Christen setzten ihr Vertrauen in Jesus Christus und seien überzeugt, in ihren eigenen Ländern Lösungen zu finden. Die Früchte dieses Vertrauens seien bereits sichtbar: Allein im Jahr 2012 wurden nach Ikes Angaben in Nigeria 700 Männer zu Priestern geweiht.

    Einen kritischen Blick auf die Heilige Schrift wagte Michael Ernst, der seit 1. Oktober 2012 Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz ist. Er widmete sich der Gewalt im Alten Testament und erinnerte daran, dass die Menschheitsgeschichte mit einem Brudermord begann. In dem Bericht von Kain und Abel werde aber nicht das vermeintlich grausame Handeln Gottes thematisiert, der das Opfer Kains nicht annahm. Die Unfähigkeit Kains, der aus bloßem Neid zum Mörder seines Bruders wird, mit seiner Niederlage umzugehen, sei das Thema dieser Erzählung. Die Folgen seiner Sünde sei keine Strafe Gottes, sondern logische Konsequenz seines Handelns. Gott gewähre Kain trotz seiner Tat Schutz vor allen, die ihm wegen des Mordes Böses wollen. Ernst meinte, dass sich die Leser dieser Geschichte mit Kain identifizieren sollen, um sich klar zu machen, dass jeder Mensch durch seine Freiheit das Potenzial in sich trägt, Sünder zu werden. Daher laute die Übersetzung des Gebotes der Nächstenliebe (Lev 19, 18) nach Martin Buber: „Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du.“

    Obwohl das Neue Testament Gewaltverzicht fordert und sogar zur Feindesliebe aufruft, kam es in der Geschichte des Christentums durch Missinterpretationen der Heiligen Schrift zu Kriegen, die im Namen de Christentums geführt wurden. Dennoch gab es immer kritische Stimmen, wie jene des Cyprian von Karthago: „Begeht der Einzelne einen Mord, so ist es ein Verbrechen; Tapferkeit aber nennt man es, wenn das Morden im Namen des Staates geschieht.“ Auch das Neue Testament kenne die Warnung vor der Perversion politischer Macht, die in der Offenbarung des Johannes (Kapitel 13) das teuflische Tier ist, das aus dem Meer kommt. Paulus fordere die alleinige Unterwerfung unter die Gewalt Gottes, die eine Liebe und Identifizierung mit dem profanen Staat ausschließt. Jesus selbst betone vor Pilatus, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist und lehnt die Verteidigung Petri mit dem Schwert eindeutig ab.