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    Kein frauenpolitisches Highlight

    Wien/Salzburg (DT) Auch 35 Jahre nach Inkrafttreten der Fristenregelung in Österreich toben um das Thema Abtreibung heftige Auseinandersetzungen. Nicht nur Lebensschutzverbände, sondern sogar der prominenteste Abtreibungsarzt des Landes, Christian Fiala vom Abtreibungsambulatorium „Gynmed“, verweisen darauf, dass die Zahl der Abtreibungen verglichen mit der Zahl der Lebendgeburten in Österreich höher ist als in fast allen anderen Ländern Europas. Fiala geht von 30 000 bis 40 000 Abtreibungen – bei gut 70 000 Geburten – pro Jahr aus, Lebensschützer vermuten noch höhere Ziffern. Eine amtliche Statistik gibt es in Österreich ebenso wenig wie eine seriöse Motivforschung oder andere „flankierende Maßnahmen“, wie sie Bischöfe und katholische Verbände seit vielen Jahren fordern.

    Wien/Salzburg (DT) Auch 35 Jahre nach Inkrafttreten der Fristenregelung in Österreich toben um das Thema Abtreibung heftige Auseinandersetzungen. Nicht nur Lebensschutzverbände, sondern sogar der prominenteste Abtreibungsarzt des Landes, Christian Fiala vom Abtreibungsambulatorium „Gynmed“, verweisen darauf, dass die Zahl der Abtreibungen verglichen mit der Zahl der Lebendgeburten in Österreich höher ist als in fast allen anderen Ländern Europas. Fiala geht von 30 000 bis 40 000 Abtreibungen – bei gut 70 000 Geburten – pro Jahr aus, Lebensschützer vermuten noch höhere Ziffern. Eine amtliche Statistik gibt es in Österreich ebenso wenig wie eine seriöse Motivforschung oder andere „flankierende Maßnahmen“, wie sie Bischöfe und katholische Verbände seit vielen Jahren fordern.

    Der in der Bischofskonferenz für Fragen der Familie und der Bioethik zuständige Bischof Klaus Küng hat am Dienstag neuerlich die ablehnende Haltung der Kirche zur Fristenregelung bekräftigt: „Die Kirche wird nie aufhören, daran zu erinnern, dass ab dem Augenblick der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle davon auszugehen ist, dass das ein Mensch ist, der heranwächst, und dass das Gebot Gottes gilt: Du sollst nicht töten.“ Forderungen nach einer Streichung der Abtreibung aus dem Strafgesetz wies Bischof Küng ebenso zurück wie eine Bezahlung von Abtreibungen durch die Krankenkassen. Eine Streichung aus dem Strafgesetz würde nach seiner Ansicht Ärzte und Krankenpersonal sowie Apotheker unter schweren Druck setzen. Auch der Druck auf schwangere Frauen seitens des Partners oder anderer Angehöriger würde noch größer werden, so Küng gegenüber der Nachrichtenagentur „Kathpress“.

    Verstoß gegen das Naturrecht

    Eine Negativbilanz der vergangenen 35 Jahre ziehen auch die Lebensschutzverbände, etwa die „Jugend für das Leben“: „Dieser schwere Verstoß des Gesetzgebers gegen das Naturrecht und gegen die Vernunft hat dazu geführt, dass in den 35 Jahren seit 1975 hunderttausende Ungeborene getötet wurden, hunderttausende Frauen um ihr Recht auf Hilfe betrogen wurden und die Kassen von Abtreibern gut gefüllt wurden.“

    Die „Aktion Leben“ kritisiert, seit 1975 habe sich keine österreichische Regierung „ernsthaft bemüht, die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche zu senken oder zu erforschen, warum sich Frauen zu einem Abbruch entschließen“. Gegen Bestrebungen, Abtreibung aus dem Strafgesetz zu streichen, kündigte der Verband „vehementesten Widerstand“ an. Es sei „absolut untragbar“ und mit der Menschenwürde unvereinbar, Ungeborenen jeglichen Schutz zu entziehen.

    Die Lebensschutzbeauftragte der Erzdiözese Wien, die Rechtsanwältin Stephanie Merckens, wandte sich gegen Behauptungen, die Einführung der Fristenregelung habe die Rechte der Frauen gestärkt: „Was ist das für eine Selbstständigkeit, für die ich als Preis mein Kind opfern muss? Wo ist hier die frauenpolitische Errungenschaft?“

    In Salzburg, wo Landeshauptfrau (Ministerpräsidentin) Gaby Burgstaller (SPÖ) im Jahr 2005 per Weisung, gegen den Widerstand der ÖVP und des Salzburger Erzbischofs Alois Kothgasser, eine Abtreibungsambulanz am Landeskrankenhaus durchsetzte, tobt ein aktueller Abtreibungsstreit:

    Frauenpreis als Fehlgriff

    Die Frauenbeauftragten von Stadt und Land haben die Abtreibungsambulanz „Gynmed“ für einen mit 3 000 Euro dotierten Frauenpreis nominiert. Familien-Landesrätin Doraja Eberle (ÖVP) spricht von „Zynismus in Reinkultur“ und einem „völlig falschen Signal für moderne Frauenpolitik“. Die Sprecherin des Katholischen Familienverbandes, Marie-Luise Zuzan, spricht von einem „Fehlgriff“. Die Präsidentin der Katholischen Aktion in der Erzdiözese Salzburg, Doris Witzmann, sagte, die Abtreibungsambulanz des Landeskrankenhauses sei „kein frauenpolitisches Highlight, das es zu feiern und zu prämieren gilt“.

    Von Stephan Baier