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    Katholische Unklarheit in Sachen Frauenweihe

    Rom (DT) In dem jüngst bei Herder erschienenen Interview-Buch „Jerusalemer Nachtgespräche – Über das Risiko des Glaubens“ erinnert sich der ehemalige Erzbischof von Mailand und jetzt in Jerusalem lebende Kardinal Carlo Maria Martini auch an die Zeit, als die Frauenordination schon einmal die Gemüter in der anglikanischen Gemeinschaft erregte. Damals, Anfang der neunziger Jahre, ging es um die Weihe von Priesterinnen. Seinem Gegenüber, dem österreichischen Jesuiten und Sozialseelsorger Georg Sporschill, verrät Kardinal Martini: „In den neunziger Jahren besuchte ich in Canterbury Erzbischof George Leonard Carey, den damaligen Primas der Kirche von England. Seine Kirche litt unter den Spannungen wegen der Frauenordination. Ich versuchte, ihm Mut zu diesem Wagnis zu machen, das könnte auch uns helfen, den Frauen gerechter zu werden und zu verstehen, wie es weitergehen kann. Wir brauchen darüber nicht unglücklich zu sein, dass die evangelischen und anglikanischen Kirchen Frauen weihen und im Konzert der großen Ökumene damit etwas Wesentliches einbringen. Das ist allerdings auch kein Grund, die verschiedensten Traditionen zu vereinheitlichen“ (Seite 125). Ende des Zitats.

    Rom (DT) In dem jüngst bei Herder erschienenen Interview-Buch „Jerusalemer Nachtgespräche – Über das Risiko des Glaubens“ erinnert sich der ehemalige Erzbischof von Mailand und jetzt in Jerusalem lebende Kardinal Carlo Maria Martini auch an die Zeit, als die Frauenordination schon einmal die Gemüter in der anglikanischen Gemeinschaft erregte. Damals, Anfang der neunziger Jahre, ging es um die Weihe von Priesterinnen. Seinem Gegenüber, dem österreichischen Jesuiten und Sozialseelsorger Georg Sporschill, verrät Kardinal Martini: „In den neunziger Jahren besuchte ich in Canterbury Erzbischof George Leonard Carey, den damaligen Primas der Kirche von England. Seine Kirche litt unter den Spannungen wegen der Frauenordination. Ich versuchte, ihm Mut zu diesem Wagnis zu machen, das könnte auch uns helfen, den Frauen gerechter zu werden und zu verstehen, wie es weitergehen kann. Wir brauchen darüber nicht unglücklich zu sein, dass die evangelischen und anglikanischen Kirchen Frauen weihen und im Konzert der großen Ökumene damit etwas Wesentliches einbringen. Das ist allerdings auch kein Grund, die verschiedensten Traditionen zu vereinheitlichen“ (Seite 125). Ende des Zitats.

    Inzwischen ist die Frauenordination – zusammen mit der Weihe bekennender Homosexueller zu Bischöfen – zur Zerreißprobe innerhalb der anglikanischen Gemeinschaft geworden. Zurzeit tagt im englischen Canterbury die sogenannte Lambeth-Konferenz mit 650 anglikanischen Oberhirten aus aller Welt – und die Wellen schlagen hoch. Wem immer auch in der katholischen Kirche – den Ansichten Kardinal Martinis folgend – die Frauenweihe bei den Anglikanern geholfen haben soll, in der Kirche von England und ihren Denominationen rund um den Globus hat sie eher schwächend gewirkt.

    Dabei ist es für die katholische Kirche zweitrangig, ob die Anglikaner jetzt auch noch Bischöfinnen weihen. Das hat Monsignor Antonio Miralles, spanischer Sakramententheologe und Berater der Kongregation für den Klerus und der Glaubenskongregation jetzt erklärt. In einem Interview mit der katholischen italienischen Tageszeitung „Avvenire“ erklärte er jetzt auf die Frage, ob die Entscheidung der Synode der anglikanischen Kirche von England, Frauen auch zur Bischofsweihe zuzulassen, den Abstand zur katholischen Kirche vergrößern werde: „Nur relativ. Der dramatische Bruch kam mit der Entscheidung der Anglikaner, Frauen zu Priestern zu weihen. Die jüngste, sie auch zu Bischöfen zu weihen, ist nur eine zweitrangige Konsequenz aus der ersten. Sie kann einer Beziehung nicht weiter schaden, die schon schlecht genug ist.“

    Zwar verfolgen viele Katholiken gemeinsam mit dem Papst mit Wohlwollen die Beratungen der anglikanischen Weltgemeinschaft. Das geht auch aus einer Botschaft von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone hervor, die am Sonntag bei einer ökumenischen Begegnung am Rande der Lambeth-Konferenz in Canterbury verlesen wurde. Die Diskussion in der anglikanischen Kirche um Homosexuelle und Frauen im Bischofsamt ist Bertone zufolge jedoch ein weiteres Hindernis für eine Einheit mit Rom.

    Besonders die Bischofsweihe für Frauen in der Kirche von England behindere die Beziehungen zur katholischen Kirche, zitierten Medien das Grußwort aus dem Vatikan. Sollte der von Kardinal Martini dem derzeitigen Erzbischof von Canterbury erteilte Rat die Entwicklung in Richtung Frauenweihe bei den Anglikanern wirklich befördert haben, hätte der damalige Erzbischof von Mailand der auf Kircheneinheit zielenden Ökumene keinen Dienst erwiesen.

    Von Guido Horst