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    Kärntner Fragezeichen

    Das Visitationsteam um Erzbischof Lackner hat seine Arbeit abgeschlossen – Jetzt liegt es an Rom, Konsequenzen zu ziehen. Von Stephan Baier

    Salzburger Erzbischof Franz Lackner und Vorarlbergs Bischof Benno Elbs
    Am Freitag gab der Salzburger Erzbischof Franz Lackner das Ende der Apostolischen Visitation bekannt, die er in der Kärn... Foto: Kathpress/Klingen

    Die Apostolische Visitation der geografisch mit Kärnten deckungsgleichen Diözese Gurk-Klagenfurt ist abgeschlossen. Am Montag ging der 50 Seiten starke Bericht des Visitators, des Salzburger Erzbischofs Franz Lackner, an die Nuntiatur nach Wien, und von dort weiter an die vatikanische Bischofskongregation in Rom.

    Zwei Monate lang hatten sich Lackner und sein buntes Expertenteam akribisch mit Stimmen und Stimmungen in Kärnten befasst, hatten mehr als 200 Gespräche geführt und 15 Aktenordner an Material gesammelt. Nun liegt es an der Bischofskongregation und letztlich am Papst, daraus Konsequenzen zu ziehen.

    Gegenüber den Medien gab sich der Visitator diplomatisch. Bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz, die – anders als zu Beginn der Visitation – nicht in Klagenfurt, sondern im Salzburger Erzbischöflichen Palais stattfand, waren keine konkreten Ergebnisse zu erfahren. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es zu keinen personellen Konsequenzen kommen wird“, sagte Lackner etwa.

    Meinte er damit, dass der nach 17 Kärntner Bischofsjahren im Sommer 2018 nach Sankt Pölten transferierte Bischof Alois Schwarz zurückzutreten habe? Oder dass der größte Schwarz-Kritiker, der Kärntner Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger, durch einen Apostolischen Administrator zu ersetzen sei? Oder ganz banal, dass mit der baldigen Ernennung eines neuen Bischofs für Kärnten gerechnet werden darf? Darauf werden wohl erst Weisungen und Handlungen Roms eine Antwort geben.

    Was das Vertrauen betrifft im Ausnahmezustand

    Erzbischof Lackner wusste von zerrüttetem Vertrauen und Ängsten bei Gläubigen und kirchlichen Mitarbeitern zu berichten. Die Diözese Gurk-Klagenfurt befinde sich „was das Vertrauen betrifft, in einem Ausnahmezustand“. Das betrifft nicht vorrangig, aber doch auch das Vertrauen, das das Kärntner Domkapitel dem Visitationsteam entgegenbrachte.

    Oder vielmehr nicht: Seine Antrittspressekonferenz Mitte Januar hielt das Visitationsteam in Abwesenheit heimischer Kleriker in einem Klagenfurter Hotel ab. Und als der Visitator zu Beginn der Fastenzeit zum Bußgottesdienst nach Villach einlud, erklärte der Diözesanadministrator, das sei im Zusammenhang mit der Visitation „das falsche Signal zum falschen Zeitpunkt“ und kein Beitrag zur Objektivierung von Fakten, sondern zu deren Spiritualisierung.

    Entsprechend disharmonisch endete die Visitation nun auch: Die Einladung Lackners, am Donnerstag der Vorwoche in Salzburg Einsicht in den Visitationsbericht zu nehmen, lehnte das Domkapitel geschlossen ab. Begründung: „Am Beginn der Apostolischen Visitation wurde vom Visitationsteam zugesagt, dass das Gurker Domkapitel nach Fertigstellung des Visitationsberichts entsprechend den Standards eines Rechnungshofberichtes, die eine mindestens mehrtägige Begutachtungsphase vorsehen, die Möglichkeit zur Stellungnahme erhält.“ Demgegenüber habe der Visitator zunächst zweieinhalb Stunden für Einsichtnahme und Stellungnahme gewährt. Dass Lackner diese Frist dann ausdehnte, stimmte das Domkapitel nicht mehr um.

    Sauer aufgestoßen ist dem Domkapitel von Gurk-Klagenfurt auch, „dass Bischof Alois Schwarz in dieser Visitation nur als Zeuge geführt wird“. Das lasse vermuten, dass hauptsächlich die Zeit der Sedisvakanz geprüft wurde. Daraus entstand beim Kärntner Domkapitel der „Eindruck, dass die Visitation den Kriterien der Transparenz und Fairness überwiegend nicht gerecht wird und daher auch die Objektivität nicht bestätigt werden kann“.

    Demgegenüber versicherte Erzbischof Lackner als Visitator mehrfach, der untersuchte Zeitraum erstrecke sich auf die Jahre 2008 bis 2018, und man habe sich „ausgerichtet am Kriterium der Objektivität“. Alle weiteren Entscheidungen und Konsequenzen lägen nun in Rom.

    Lösungen für Probleme des Mensalguts

    Der steirische Caritas-Direktor Herbert Beiglböck, der als früherer Finanzdirektor der Nachbardiözese Graz innerhalb des Visitationsteams für die wirtschaftliche Untersuchung zuständig war, zeichnete ein differenziertes Bild: Es gebe keine missbräuchliche Verwendung von Kirchensteuergeldern, auch keine wirtschaftliche Gefährdung des „Bistums“ (womit, anders als in Deutschland, das bischöfliche Mensalgut gemeint ist), aber doch „ein hohes Verbesserungspotenzial für die wirtschaftliche Führung des Bistums“. Dass Beiglböck „Maßnahmen für die gesamte Kirche in Österreich“ anriet, um „einen transparenten, zeitgemäßen und verantwortungsvollen Umgang mit Vermögen zu sichern“, wird auch in anderen Ordinariaten aufhorchen lassen. Über ein bischöfliches Mensalgut, in dem der jeweilige Diözesanbischof relativ frei schalten und walten kann, verfügen nicht nur die Kärntner Erben der Heiligen Hemma.

    Auch der Münchner Kirchenrechtler Helmuth Pree analysierte kanonistische Lücken hinsichtlich der Handhabung des bischöflichen Mensalgutes. Die im Visitationsbericht versteckten Schlussfolgerungen deutete er nur an: „Wir haben uns dieser Frage gestellt, und ich wage zu behaupten, dass die Lösungen, die wir in dieser wichtigen Frage für die Diözese gefunden haben, Bedeutung weit über Kärnten hinaus haben werden.“

    Ob man andernorts, etwa in Wien, darüber glücklich ist? Unglücklich dürfte man jedenfalls in Klagenfurt sein. Nämlich damit, dass das 17-jährige Kärntner Wirken von Bischof Schwarz, sein persönliches Umfeld und seine Amtsführung offenbar keinen maßgeblichen Teil des Visitationsberichtes bilden. Der gliedert sich in vier Bereiche: in einen pastoralen, einen kirchenrechtlichen und einen wirtschaftlichen Teil sowie einen Überblick über die mediale Berichterstattung. In Letzterem spielen der Leitungs- und Führungsstil, die Lebens- und Amtsführung des heutigen Bischofs von Sankt Pölten natürlich eine Rolle.

    Inwieweit auch die erstgenannten drei Bereiche auf diese heißen Fragen eingehen, zu Schlüssen gelangen und dem Vatikan vielleicht gar Handlungsempfehlungen geben, das ist bisher nur wenigen bekannt.

    Noch ein weiter Weg zu Versöhnung und Heilung

    Auch hinsichtlich der wirtschaftlichen Fakten vertraut das Gurker Domkapitel dem Visitationsteam offenbar nicht vollumfänglich. Vorsorglich stellte es schon einmal klar, dass aus seiner Sicht der Abschlussbericht seiner Arbeitsgruppe vom 11. Dezember und das eigene Pressestatement von 18. Dezember 2018 „uneingeschränkt Richtigkeit und Gültigkeit“ habe. Darin war ganz ungeschminkt von einem „System Bischof Schwarz“ die Rede, von einer „Beziehung des Bischofs“, der „durch dieses Abhängigkeitsverhältnis vom Gutdünken und von den Launen dieser seiner Vertrauten geleitet und bestimmt gewesen“ sei.

    „Diese Situation ist für viele Menschen im Lande Anlass für Sorge, Unsicherheit, Irritation, Ratlosigkeit, Wut, Empörung und Sprachlosigkeit“, heißt es in der vor gut drei Monaten veröffentlichten Stellungnahme des Domkapitels.

    Von Emotionen wusste in der Vorwoche in Salzburg auch der Vorarlberger Bischof Benno Elbs zu berichten. Als Mitglied des Visitationsteams sei er in Kärnten Menschen begegnet, die „gekränkt“ waren, weil sie seitens kirchlicher Verantwortungsträger „Abwertungen“ erlebt hätten. Elbs, der ausgebildeter Psychotherapeut ist, sprach von Verletzungen und Kränkungen, die es in der Vergangenheit gegeben habe und auch heute gebe. Täter oder Verantwortliche dafür benannte Bischof Elbs nicht. Er meinte nur, dass der Weg zu Versöhnung und Heilung noch weit sei.

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