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    Justiz stellt Ermittlungen im Fall Orlandi ein

    Rom (DT/KNA) Mehr als dreißig Jahre nach dem bis heute ungeklärten Verschwinden der vatikanischen Staatsbürgerin Emanuela Orlandi hat die römische Justiz ihre Ermittlungen eingestellt. Es gebe keine Grundlagen für weitere Untersuchungen, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Begründung eines Untersuchungsrichters. Er lehnte damit eine Berufung der Familie Orlandis gegen die Einstellung der Ermittlungen ab.

    Rom (DT/KNA) Mehr als dreißig Jahre nach dem bis heute ungeklärten Verschwinden der vatikanischen Staatsbürgerin Emanuela Orlandi hat die römische Justiz ihre Ermittlungen eingestellt. Es gebe keine Grundlagen für weitere Untersuchungen, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Begründung eines Untersuchungsrichters. Er lehnte damit eine Berufung der Familie Orlandis gegen die Einstellung der Ermittlungen ab.

    Der Fall Orlandi gehört zu den spektakulärsten italienischen Kriminalfällen. Unmittelbar nach dem mysteriösen Verschwinden der Tochter eines Angestellten im Vatikan am 22. Juni 1983 meldeten sich angebliche Entführer, die ihre Freilassung im Austausch gegen den türkischen Papst-Attentäter Ali Agca forderten. Alle damals eingeleiteten Nachforschungen blieben ohne Ergebnis. Später hieß es, das Mädchen sei von der sogenannten Magliana-Bande im Auftrag entführt und kurze Zeit später getötet worden. Papst Johannes Paul II. (1978–2005) appellierte persönlich an die mutmaßlichen Entführer Orlandis. Vor allem der Bruder des Entführungsopfers, Pietro Orlandi, hatte die Nachforschungen und Ermittlungen der vatikanischen und italienischen Behörden als ungenügend bezeichnet. So sei der Vatikan unmittelbar nach der Entführung nicht allen Hinweisen nachgegangen.

    Im Mai 2012 nahm die Justiz die Ermittlungen erneut auf, nachdem sie in der Grabstätte des Anführers der Magliana-Bande, Enrico De Pedis, zunächst nicht zuzuordnende Knochen sichergestellt. Deren Untersuchung ergab jedoch keine Hinweise auf den Verbleib Orlandis. Eine frühere Geliebte von De Pedis hatte 2005 behauptet, dieser habe Orlandi entführt, für einige Zeit gefangen gehalten und schließlich getötet und in einer Neubausiedlung im Südosten Roms einbetoniert. Im Frühjahr 2006 hatte sich in einer italienischen TV-Sendung für ungeklärte Kriminalfälle zudem ein Anrufer gemeldet und behauptet, in der Krypta von Sant'Apollinare, wo De Pedis begraben liegt, fänden sich Hinweise auf Orlandi.

    kna