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    Junge Federn

    „Daher, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien“ (Apokalypse 3, 16). Die auf den ersten Blick anscheinend harten und gewaltigen Worte aus der Heiligen Schrift sind mir zur Erinnerung gekommen, als ich dem 18. Kongress „Freude am Glauben“ Ende Juli in Fulda beigewohnt habe.

    Orlane Rouanet, Junge Federn Autorin
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    „Daher, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien“ (Apokalypse 3, 16). Die auf den ersten Blick anscheinend harten und gewaltigen Worte aus der Heiligen Schrift sind mir zur Erinnerung gekommen, als ich dem 18. Kongress „Freude am Glauben“ Ende Juli in Fulda beigewohnt habe.

    Tatsächlich habe ich vor Ort Trostlosigkeit verspürt, da der Vortragsraum geradezu ausschließlich von grauhaarigen Köpfen besetzt war. Wo stecken denn die jüngeren Katholiken? Denn das Forum leistet eine hervorragende Arbeit, die Lehre der katholischen Kirche zu verkünden. Gerade diese Botschaft muss unbedingt die nächste Generation von Gläubigen erreichen, wenn die katholische Kirche in der postmodernen Welt überhaupt überleben will.

    Mir fällt die Erkenntnis immer öfter ins Auge, dass die größte Bedrohung für die katholische Kirche und daher für alle Gläubigen, die ihren Glauben ernst nehmen und ihr Leben gemäß der kirchlichen Moral gestalten und führen wollen, weniger von außerhalb, sondern womöglich vielmehr von innerhalb der Kirche kommt. Diese Beobachtung lässt sich gegenwärtig in Deutschland durch den Kommunionstreit erkennen, welcher eine verborgene Realität zum Vorschein bringt: Die steigende Anzahl der liberalen Gläubigen, die keinen Einwand dagegen haben, die heilige Messe mitzufeiern, obwohl sie sich nicht im Stande der Gnade befinden, oder die die Theologie des Leibes nicht berücksichtigen, sondern den unkeuschen Begierden nachgeben. Der Neigung, die grundlegenden Anforderungen der Kirche zu verharmlosen und mit Rechtfertigung zu beseitigen, muss sich mit hartnäckigem Widerstand von den übrigen treuen Katholiken widersetzt werden.

    Ein überwiegender Teil der Schuld ist zweifellos der sexuellen Revolution der 60er Jahre und dem postmodernen Umfeld zuzuweisen. Allerdings trägt die Kirche ihren Teil der Verantwortung, indem sie die Sexualmoral kaum bis gar nicht mehr übermittelt, weil es einfach kein „beliebtes Thema“ ist. Und wenn die Kirche selber darauf verzichtet, die Wahrheit weiterzugeben, ist das überhaupt erstaunlich, dass so viele Katholiken mit der Sexuallehre der Kirche kaum etwas anfangen können? Soll man sich dann wundern, dass 50 Jahre später Forderungen wie „kein Sex vor der Ehe“ oder die Ablehnung jeglicher künstlicher Verhütungsmittel alles andere als selbstverständlich sind?

    Somit stellt sich die Frage, wie die Kirche dem Sturm standhalten kann, wenn ihre Mitglieder den Glauben nicht mehr auf dem Fels aufbauen, sondern ohne Fundament auf der Erde? Der Verlust des Anspruches auf eine objektive Wahrheit hatte zur Folge, dass zwei Generationen von Katholiken stets neue Kompromisse eingegangen sind, um den Zeitgeist mit ihrem Glauben zu vereinen. Die Zeit der Kompromisse muss dringlich ein Ende finden. Man kann sich heute als Katholik keinen lauwarmen Glauben mehr leisten, sondern man muss sich fest an seine Überzeugungen halten und seiner Weltanschauung treu bleiben.

    In diesem Sinne erweist sich das Forum Deutscher Katholiken als äußerst notwendig, das sich zur Aufgabe macht, die katholische Lehre in purer Form weiterzugeben, und das sich nicht davor scheut, die vielleicht weniger beliebten Gebote der katholischen Kirche unverändert in den Vordergrund zu stellen. Als Katholikin kann ich meine Brüder und Schwestern in Christus nur dazu anregen, dieses Vorbild zu befolgen und sich für die Wahrheit einzusetzen, auch wenn es manchen verärgert und in der Gesellschaft schlecht anzukommen scheint. So der Herr weiter, „dass Eure Rede sei ja, ja; nein, nein. Was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen“ (Matthäus 5, 37). Man entscheidet sich entweder für Christus, oder für die Welt; eine dritte Seite im Kampf besteht ja nicht.

    Als Teeliebhaberin genieße ich im Winter – vielleicht sogar übermäßig – einen schönen warmen Indian Masala Chai; im Sommer gönne ich mir dann eher einen erfrischenden Eistee, ohne Zuckerzusatz. Aber für lauwarmen Tee gibt es ja keine Saison. Das geht einfach nicht!

    Die Autorin, 23, studiert Übersetzungswissenschaft in Heidelberg

    Von Orlane Rouanet

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