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    Junge Federn: Wild, jung, katholisch

    Es braucht Katholiken, in deren Herzen Christus wohnt, die aber auch mutig sind, neue, innovative Wege zu beschreiten. Von Emanuela Sutter

    Emanuela Sutter, freie Autorin 'Junge Federn'

    „Wild“ und „jung“, sind nicht unbedingt Begriffe, die man mit Katholisch-Sein in Verbindung bringt. Auf die Herbsttage der Loretto Gemeinschaft, die jüngst in Wien stattfanden, trifft beides zu. Ob Drittes zutrifft, wird in diversen Kommentaren zu Social Media Posts und Artikeln über das Event angezweifelt. Was genau sind denn die Elemente, denen manche die Katholizität absprechen?

    Beginnen wir von vorne: Es ist ein ganz normaler Freitagabend in der Innenstadt. Was dem gewohnten Wiener Auge allerdings auffällt: Die schweren Tore des altehrwürdigen Stephansdoms sind weit geöffnet. Im Inneren angekommen, trifft man auf von bunten Lichtern umspielte Gotik. Sanfte Musik und Gesang hallen durch das Gemäuer. Am Beginn des Mittelgangs wird man von einem Welcome-Team begrüßt. Wenn man möchte, kann man eine Kerze mitnehmen. Je weiter man sich den Weg zum Geschehen bahnt, desto mehr stehenden, auf dem Boden knieenden oder sitzenden Menschen begegnet man, die den Blick nach vorne gerichtet haben. Vorne – das ist die Hälfte des Weges, da, wo ein Zwei-Meter-Kruzifix von der Decke hängt. Unter besagtem Kruzifix ist eine kleine Bühne mit Sängern und Musikteam. Der Mittelpunkt des Geschehens bildet jedoch ein von Weihrauch umhülltes, goldenes, rundes Etwas mit einem Stück Brot darin. Es ist Jesus, anwesend in der so winzigen Hostie. Die Atmosphäre ist enorm dicht. Links und rechts haben sich Menschenschlangen gebildet, dort sitzen Priester, um Beichten abzunehmen. Kerzen werden vor der Monstranz angezündet und es gibt Körbe für auf Kärtchen geschriebene Gebetsanliegen.

    Szenenwechsel. Nach ungefähr einer Stunde ist die ruhige Anbetung vorbei und eine christliche Band aus England von der internationalen „24-7 Prayer“ Bewegung, mit denen Loretto die Herbsttage gemeinsam veranstaltet, betritt die Bühne. Die Musik wird lauter und schneller, die zuvor knieenden Jugendlichen erheben sich. Zu dem Song „I am alive on God's great dancefloor“ verwandelt sich der Dom in ein Freudenfest. Wir feiern unseren Gott, der es wert ist, gefeiert zu werden. Es ist ein unbeschwertes Singen und Tanzen. Eine heilige Freiheit, eine heilige Freude.

    Ich träume von mehr solcher Orte. Wie schön wäre es, wenn unsere europäischen Kathedralen, die zu Touristenattraktionen verkommen, wieder zu Räumen der Anbetung und des Lobpreises würden? Mit Toren, die weit geöffnet sind für alles Leid dieser Welt? Dazu braucht es Katholiken, in deren Herzen Christus wohnt, die aber auch mutig sind, neue, innovative Wege zu beschreiten. Die Kirche verträgt eine Prise mehr katholischer Wildheit und Jugend!

    Die Autorin, 28, studiert katholische Theologie und Germanistik

    Von Emanuela Sutter

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