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    Würzburg

    Junge Federn: Geistliche Kunst schaffen

    Der heilige Ordensvater Benedikt von Nursia gibt der Kirche in seiner Regel hilfreiche Werkzeuge an die Hand. Gerade mit Blick auf die Zukunft sollten diese mehr genutzt werden.

    Benedikt von Nursia, Vater des abendländischen Mönchtums und Patron Europas, lebte in einer Zeit massiver gesellschaftlicher und kultureller Veränderungen. Als junger Student fragte er sich, so würde er es vielleicht heute sagen, nach dem Sinn des Lebens. Um eine Antwort zu finden schlägt er einen radikalen Weg ein, den Weg der Gottsuche. In der von Papst Gregor dem Großen verfassten Lebensbeschreibung heißt es: Gott allein wollte er gefallen. Am Ende seiner Ordensregel schreibt Benedikt selbst: Ut in omnibus glorificetur Deus – Damit in allem Gott verherrlicht werde. Dieser Wahlspruch hängt, schön kalligraphiert, über meinem Schreibtisch und erinnert mich daran, dass auch ich in meinem Leben Gott suche, ihm allein gefallen möchte, weil auch ich mich nach dem Sinn des Lebens frage.

    Für diesen geistlichen Lebensweg der Gottsuche hält der heilige Benedikt einen Werkzeugkoffer der geistlichen Kunst bereit (Regula Benedicti 4). Übrigens orientiert er sich dabei an urchristlicher Tradition, an der Unterweisung Neugetaufter. Es geht also nicht um exklusive Werkzeuge für Mönche, sondern für jeden Christen.

    An diesen Werkzeugkoffer Benedikts hat mich der Spruch über meinem Schreibtisch erinnert, als ich darüber nachdachte, was ich von der Projektion 2060, die von der DBK in Auftrag gegeben und jüngst vorgestellt wurde, halten soll. Natürlich ist es wichtig, dass das Haus Gottes, die Kirche, klug verwaltet wird und gut gerüstet in die Zukunft gehen kann, aber schon der Heilige Benedikt mahnt, dass wirtschaftliche Sorgen immer sekundärer Natur sind. Zuallererst geht es um Fragen des geistlichen Lebens und gerade das gilt ganz sicher nicht nur für ein Kloster.

    Die richtigen Werkzeuge für die Kirche

    Saeculi actibus se facere alienum – Sich weltlichen Aktivitäten fremd machen. So lautet eines der Werkzeuge aus Benedikts Werkzeugkoffer des geistlichen Lebens. Und unmittelbar danach: Nihil amori Christi praeponere – Der leidenschaftlichen Liebe Christi zu uns und unserer leidenschaftlichen Liebe zu Christus nichts vorziehen. Jetzt frage ich mich, wie das zu der passiven Projektionsfrage passt, was wir in Zukunft zu erwarten haben, wenn alles so bleibt, wie es ist. Das Lineal, mit dem schon seit Jahren Negativprognosen erstellt werden, gehört nicht in den Werkzeugkoffer der Kirche.

    Vor ein paar Jahren gab es große Aufregung um moderne Bauernregeln, die vom Bundesumweltministerium erstellt worden waren. Mein Favorit: „Wenn alles bleibt, so wie es ist, kräht bald kein Hahn mehr auf dem Mist.“ Deswegen sollte das Lineal, selbst wenn es ein Lineal 2.0 sein sollte wieder in die Schublade wandern. Die Kirche hat nur eine Zukunft, wenn es lebendigen Glauben gibt. Dieser entsteht und wächst aber durch den Einsatz geistlicher Werkzeuge. Mein persönliches Lieblings-, weil herausforderndstes Werkzeug lautet übrigens: „Und an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln.“

    Von Paul Faulhaber

    Der Autor studiert katholische Fachtheologie in Salzburg

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