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    FRANZ-XAVER STUBENITZKY.

    „Jetzt erst wagen Einzelne, zu reden“

    Für Pfarrer Franz-Xaver Stubenitzky von St. Mauritus in Steinbach und den Filialkirchen St. Laurentius, St. Pankratius und St. Petrus in Ketten wurde am Freitag ein Traum war: Der Heilige Vater besuchte seine Pfarrei und feierte im Wallfahrtsort Etzelsbach die Vesper.

    Pfarrer Franz-Xaver Stubenitzky. Foto: Archiv

    Für Pfarrer Franz-Xaver Stubenitzky von St. Mauritus in Steinbach und den Filialkirchen St. Laurentius, St. Pankratius und St. Petrus in Ketten wurde am Freitag ein Traum war: Der Heilige Vater besuchte seine Pfarrei und feierte im Wallfahrtsort Etzelsbach die Vesper.

    Ein Pilger hat nachher gesagt, dieser Besuch des Heiligen Vaters in Etzelsbach war ein größeres Wunder als die Wende. Wie erging es Ihnen?

    Es ist natürlich eine Sternstunde für Etzelsbach gewesen. Sie bleibt uns allen in Erinnerung, wie die Grenzöffnung. Bei der Grenzöffnung fiel eine Last ab: die Diktatur, die alle gedrückt hatte. Man wusste gar nicht mehr richtig, was Freiheit war.

    Welcher Moment des Papstbesuchs war für Sie der atmosphärisch dichteste?

    Der dichteste Moment war für mich, als Papst Benedikt die ersten Worte an die Pilger richtete. Er hat genau die Herzen der Menschen erreicht als er sagte: „Seit meiner Jugend habe ich so viel vom Eichsfeld gehört, dass ich dachte, ich muss es einmal sehen“. Und es gab noch einen zweiten, stillen Moment, als der Papst den Rosenkranz an das Postament der Pieta angehängt und während des ganzen Liedes für die Muttergottes innegehalten hat – wunderschön.

    Hat die schwierige Zeit, die hinter den Gläubigen im Eichsfeld liegt, auch die Beziehung zur Schmerzensmutter intensiver werden lassen?

    Das kann ich nicht beantworten. Ich bin erst sieben Jahre hier. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass da manch einer in aller Stille und Zurückgezogenheit der Muttergottes sein Herz ausgeschüttet und auch Gebetserhörungen wahrgenommen hat. Und jetzt erst wagen Einzelne, darüber zu reden.

    Viele, auch gläubige Christen im Westen, haben Etzelsbach nicht gekannt bevor der Heilige Vater kam. Ist Etzelsbach jetzt eigentlich noch ein Geheimtipp?

    Wer sich nicht einen halben Tag Zeit nimmt, fühlt sich in diesen Ort nicht ein. Da braucht man ein bisschen Stille. Das ist eine in Feld und Flur allein stehende Kapelle mit ein paar Linden drum herum. Und da muss man erst diese Atmosphäre. Wenn der Maschinenlärm vom Rückbau weg ist – dann kommt man wieder da rein – wunderschön.

    Sie haben sicher auch viel Echo von den Pilgern bekommen. Was war denn das Markanteste für Sie, oder vielleicht, was Sie überrascht hat?

    Das große Gemeinschaftserlebnis kam auch dadurch, dass wir Eichsfelder als Pilger mit Fahnen, Kreuzen und Messdienern zur Kapelle gepilgert sind. Keiner konnte mit dem Auto bis auf die Wiese fahren. Alle sind betend als Pilger gekommen. Wir sind in unserer Gemeinde mit dreihundert Personen gelaufen, andere Gemeinden sind mit fünfhundert Pilgern gekommen. Alle sind sternförmig an diesen Ort gezogen, um die Muttergottes zu bitten und Christus zu ehren und Gott zu loben. Das bleibt mir in Erinnerung: Jeder sprach davon, dass das die eigentliche Atmosphäre der Wallfahrt ausgemacht hat.

    Rechnen Sie mit Auswirkungen des Papstbesuches auf das Leben in der Pfarrei – vielleicht sogar mit einem Langzeiteffekt?

    Das steht heute schon als Arbeitsthema auf dem Plan. Für die Gemeinde, erhoffe ich mir, dass man begreift: Wo Christen sich als Gemeinschaft erleben, da kommt ein Friede, ein Geist von Jesus Christus in die Herzen, der mehr trägt als jedes Rockkonzert.