• aktualisiert:

    Jesus stets im Mittelpunkt

    Berlin (DT) Die katholische Franziskusschule liegt direkt an der Schöneberger Pfarrei Sankt Matthias, eine der größten und traditionsreichsten im Erzbistum Berlin. Hier war einst Clemens August Graf von Galen Kaplan und Pfarrer, der populäre Berliner Bischof Alfred Kardinal Bengsch wurde hier gefirmt, und Erich Klausener, der 1934 ermordete katholische Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten, war hier Mitglied des Pfarrgemeinderats. Kein schlechter Ort also, den die Jugend2000 für ein weiteres historisches Ereignis wählte: für das erste Prayerfestival in Berlin.

    Fitness für die Seele: Bei Lobpreis und Anbetung tanken Jugendliche beim Prayerfestival auf. Foto: Bordat

    Berlin (DT) Die katholische Franziskusschule liegt direkt an der Schöneberger Pfarrei Sankt Matthias, eine der größten und traditionsreichsten im Erzbistum Berlin. Hier war einst Clemens August Graf von Galen Kaplan und Pfarrer, der populäre Berliner Bischof Alfred Kardinal Bengsch wurde hier gefirmt, und Erich Klausener, der 1934 ermordete katholische Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten, war hier Mitglied des Pfarrgemeinderats. Kein schlechter Ort also, den die Jugend2000 für ein weiteres historisches Ereignis wählte: für das erste Prayerfestival in Berlin.

    Das Programm des Prayerfestival hält, was der Titel verspricht: Im Zentrum des Treffens stehen Gebet und Gottesdienst, insbesondere das Sakrament der Eucharistie. Dazu gibt es Glaubenszeugnisse, geistliche Impulse und Workshops zu aktuellen Fragen, in denen man sich über Gott und die Welt austauschen kann. Nicht zuletzt spielt die erlebte Gemeinschaft eine große Rolle. Ein kleiner, spirituell äußerst dichter Weltjugendtag im Herzen der atheistischen Hauptstadt. Die Veranstaltungen tragen klingende Namen – „Reinige mein Herz“ oder „Entzünde das Feuer“.

    Ganz im Mittelpunkt steht bei allen Veranstaltungen des Prayerfestivals aber der, der im Herzen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer unverkennbar den größten Platz einnimmt: Jesus Christus. So wurde in der Turnhalle eine Holzpyramide aufgebaut, auf der das Allerheiligste das ganze Wochenende über ausgesetzt blieb. Die ganze Zeit über steht der eucharistische Herr im Zentrum. Ob Musik gespielt wird, Impulse oder Erfahrungen auf dem Programm stehen, kein Zweifel besteht, um wen es dabei immer geht: Jesus Christus.

    Trotz des begrenzten Charmes einer Schöneberger Schulturnhalle – als den Jugendlichen vertrauter Ort ganz bewusst gewählt – ist die Atmosphäre trotz allem sehr einladend und feierlich, auch wenn man sich mit einem Basketballkorb über dem Altar und Kletterseilen neben dem Ambo erst anfreunden muss. Mit charismatischen Lobpreisliedern versetzt die Band den ungewöhnlichen Gottesdienstraum in Stimmung. Konzentriert beten und singen die etwa 30 jungen Erwachsenen, die vor dem Allerheiligsten knien, auf den guten, alten hellblauen Turnmatten, die einige Erinnerungen an den Schulsport wecken. „Gott sucht die Jugendlichen in ihrem Alltag und ihrer Lebenswelt“, so Julia Kleinheinz vom Leitungsteam der Jugend 2000. Also auch in einer Turnhalle.

    Dass es dennoch ein Wagnis ist, katholische Veranstaltungen in der ostdeutschen Diaspora durchzuführen, war schon beim Katholikentag in Leipzig festzustellen, wo die etwas über 30 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwar im Stadtbild zu erkennen waren, aber die Stimmung nicht wirklich auf die Leipziger Bevölkerung überspringen wollte. Auch Berlin erwies sich als schwieriges Pflaster für das katholische Prayerfestival. Die sonst üblichen hundert bis dreihundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden bei weitem nicht erreicht, doch es komme eben nicht nur auf die Quantität an, so Klemens Rischar vom Leitungsteam der Jugend 2000. Man wolle einen Impuls setzen für Berlin, wolle beten für die Stadt. Und das geht bekanntlich, wo zwei oder drei im Namen Jesu versammelt sind. Dass das am Wochenende in Berlin-Schöneberg der Fall war, ist unbestritten.

    Die spürbare Konzentration der Anwesenden auf die Mitte des christlichen Glaubens – auf Jesus Christus – beeindruckte sehr. Auch die Zeugnisse der jungen Frauen und Männer waren bewegend. Ein junger Mann namens Freddy berichtete von seinem Lebensweg, der ihn über die katholische Jugend an die Jugend2000 und von dort an Jesus herangeführte. Begeistert und begeisternd sprach er von seiner Wandlung, die er auch angesichts der Prayerfestivals erfahren habe. Dort habe sich die „Faszination der eucharistischen Anbetung“ mit der herzlichen Akzeptanz seiner Person durch die Menschen in der Gemeinschaft um Christus vermengt, bis die Entscheidung reifte, eine Lebensbeichte abzulegen und künftig ernst zu machen im Glauben.

    Offen benannte er die Angst, die in ihm war, als er sich der Strahlkraft des Allerheiligsten erstmals direkt und ganz bewusst ausgesetzt sah. Da habe ihn eine Mitbeterin ermutigt: Vor Gott müsse er keine Angst haben. Ein wenig tauchte hier schon das Motto des diesjährigen Weltjugendtags auf: Barmherzigkeit, ehe im weiteren Verlauf des Samstags noch ein „Abend der Barmherzigkeit“ auf dem Programm steht. Krakau ließ grüßen. Wie Gott ganz konkret ins Leben eingreift, erzählte Andrea. Die junge Frau hatte Schwierigkeiten bei der Berufswahl, war sich nicht schlüssig, ob eine bestimmte Ausbildung zu ihr passe. Sie bat Gott ganz handfest und bodenständig um ein konkretes Zeichen. „Wenn es Dein Wille ist, lass mich die Aufnahmeprüfung schaffen und angenommen werden!“, bat sie den himmlischen Vater und dieser sorgte tatsächlich für die große Überraschung: In allen Tests, auch in den Feldern, auf denen sie für sich zuvor die größten Probleme gesehen hatte, bestand sie mit Bravour und wurde schlussendlich angenommen. Eine glückliche junge Frau saß auf der Turnmatte und die Teilnehmer hörten ihr fasziniert zu.

    Die Zeugnisse der jungen Christen über ganz persönliche Glaubens- und Lebenserfahrungen waren eindrucksvoll. Noch eindrucksvoller erschien jedoch der Mut, in dieser Form Zeugnis zu geben. Persönliches wurde geteilt. Das ist sicher nicht für alle etwas, doch es entspricht dem christlichen Missionsgedanken, für das Vertrauen in Gott zu werben. Nicht mit flotten Sprüchen, sondern mit konkreten Erfahrungen. „Gott hat Großes vor an diesem Wochenende!“, hatte Julia Kleinheinz im Vorfeld des Treffens gesagt. In den Herzen der jungen Menschen hat er bereits sehr viel bewegt. So groß diese Erfahrungen waren, so einfach war der Rahmen der Veranstaltung. Übernachtet wurde in Klassenzimmern auf Schlafsack und Isomatte. Gegessen wurde – in guter christlicher Tradition – gemeinsam. „Gereicht hat es immer noch für alle“, so Julia Kleinheinz.

    Die Berliner Gebetsveranstaltung markierte den Weg der katholischen Jugend nach Krakau zum diesjährigen Weltjugendtag Ende Juli. Dort wird die Youth2000, die internationale Organisation, Anbetungsstunden in einer der größten Kirchen der Stadt veranstalten: in Sankt Marien auf dem malerischen Marktplatz Krakaus. Besonders eindrucksvoll: Jugendliche aus spannungsreichen Weltregionen bereiten die Gebetszeiten gemeinsam vor – so etwa junge Katholiken aus Israel und aus dem Libanon. Das allein hat schon Gewicht. Spätestens da wird man nicht mehr die Teilnehmer zu zählen brauchen, um festzustellen, ob die Veranstaltung ein Erfolg war oder nicht.