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    „Ironisch, manchmal sogar sarkastisch“

    Rom (DT) Einen Besucherrekord hat der vatikanische Pressesaal am Dienstag verzeichnen können. Dicht gedrängt verfolgten Medienvertreter aus aller Welt die Vorstellung eines Buchs, das in den Tagen zuvor für Schlagzeilen gesorgt hatte. Das ausführliche Interview, dass Papst Benedikt im vergangenen Sommer mit dem Münchener Publizisten Peter Seewald geführt hatte und das nun in acht Sprachen erschienen ist – auf Deutsch unter dem Titel „Licht der Welt“ –, hatte nach einer Vorabveröffentlichung durch die Papst-Zeitung „Osservatore Romano“ am vergangenen Wochenende für einen Medien-Hype gesorgt. Zwei Antworten des Papstes zur Frage des Gebrauchs von Präservativen in einem Umfeld, in dem moralisch gesehen alles Drunter und Drüber geht, hatten das Thema „Papst und Kondom“ wie Gummigeschosse in die obersten Ränge der internationalen Aufregungs-Skala katapultiert. Und jetzt saßen die Journalisten mit scharrenden Füßen in der „Sala stampa“, ungeduldig darauf wartend, ihre Fragen zu diesem Thema loswerden zu können.

    Rom (DT) Einen Besucherrekord hat der vatikanische Pressesaal am Dienstag verzeichnen können. Dicht gedrängt verfolgten Medienvertreter aus aller Welt die Vorstellung eines Buchs, das in den Tagen zuvor für Schlagzeilen gesorgt hatte. Das ausführliche Interview, dass Papst Benedikt im vergangenen Sommer mit dem Münchener Publizisten Peter Seewald geführt hatte und das nun in acht Sprachen erschienen ist – auf Deutsch unter dem Titel „Licht der Welt“ –, hatte nach einer Vorabveröffentlichung durch die Papst-Zeitung „Osservatore Romano“ am vergangenen Wochenende für einen Medien-Hype gesorgt. Zwei Antworten des Papstes zur Frage des Gebrauchs von Präservativen in einem Umfeld, in dem moralisch gesehen alles Drunter und Drüber geht, hatten das Thema „Papst und Kondom“ wie Gummigeschosse in die obersten Ränge der internationalen Aufregungs-Skala katapultiert. Und jetzt saßen die Journalisten mit scharrenden Füßen in der „Sala stampa“, ungeduldig darauf wartend, ihre Fragen zu diesem Thema loswerden zu können.

    Aber das Protokoll des vatikanischen Presseamts war eisern. Zunächst mussten sich die Anwesenden zwei längere Referate anhören. Buch-Autor Seewald war anwesend, ebenso der Direktor des Vatikan-Verlags „Libreria Editrice Vaticana“, aber auch die Leiter der Verlagshäuser, die das Buch in anderen Sprachen herausgegeben haben, hatten ihren Weg nach Rom gefunden. Das Wort ergriffen jedoch zunächst Erzbischof Rino Fisichella, Präsident des vom Papst neu geschaffenen Rates für die Neuevangelisierung, und Luigi Accattoli, einer der bekanntesten Vatikanberichterstatter Italiens.

    Fisichella wies einleitend darauf hin, dass es Papst Benedikt selber gewesen sei, der den Buchtitel „Luce del mondo – Licht der Welt“ gewählt habe. Stünde normalerweise in Büchern dieser Art der Interviewte im Mittelpunkt, gehe es in diesem Gespräch vor allem um die Kirche: um ihre Natur, ihren Platz in der Geschichte und um das, was der Papst für die Kirche leisten wolle und könne. Dabei habe sich Benedikt XVI. keiner Frage des Interviewers entzogen. „Der Eindruck“, so Fisichella, „den man in diesem Buch bekommt, ist der von einem Papst, der trotz aller Schwierigkeiten optimistisch auf das Leben der Kirche schaut. Er nennt die Kirche lebendig und dynamisch, er weist zum Beispiel darauf hin, dass die Zahl der Priester und der Priesteramtskandidaten weltweit wächst. Damit macht er klar: Die Kirche kann nicht nur auf das Fragment einer geografischen Zone reduziert werden.“

    Mit keinem Wort ging der Erzbischof auf die Kondom-Frage ein – die Ungeduld der anwesenden Journalisten stieg bis ins Unerträgliche. Stattdessen wir Fisichella darauf hin, dass das neue Papstbuch keineswegs nur auf ein oder zwei Sätze reduziert werden dürfe. Vor allem zeichne sich „Licht der Welt“ durch eine große Einfachheit und Wahrhaftigkeit aus. Den Stil des Buchs charakterisierte Fisichella zudem als „familiär, vertraulich, ironisch, manchmal sogar sarkastisch“.

    „Wir sehen in diesem Buch einen Joseph-Benedetto, der zweifelt und sich selbst ausforscht, oder der – je nach dem Thema, um das es geht – seiner selbst und seines Wortes sicher ist“, meinte etwas nebulös der Journalist Luigi Accattoli. Benedikt XVI. sei jedenfalls ein Papst, „der Irrtümer zugibt und sich in die Karten schauen lässt. Wie alle Päpste der Neuzeit – von Pius XII. an – stellt er sich die Frage, unter welchen Umständen er zurücktreten würde. Vor diesem Interview hatte kein Papst das öffentlich getan.“

    Erst nachdem die beiden Referate vorüber waren, konnten die anwesenden Medienleute ihre Fragen zu „Papst und Kondom“ loswerden. Vatikansprecher Federico Lombardi bekräftigte nochmals, dass die Äußerung des Papstes über Präservative keine grundlegende Neuerung der kirchlichen Lehre darstelle. Der Papst selbst habe seine Erklärung dazu (siehe DT vom 23. November) gegengelesen und autorisiert, meinte Lombardi. Peter Seewald zeigte sich bei der Präsentation erstaunt darüber, dass die Medien das Buch auf die Frage nach der Zulässigkeit von Kondomen reduziert hätten. Es habe viele Facetten; so sei es auch ein Aufruf des Papstes zu einem schonenden Umgang mit der Schöpfung angesichts bedeutender ökologischer Herausforderungen. Dieser Aspekt verdiene mehr Beachtung, auch wenn die „Kondomfrage“ wichtig sei, so Seewald. Den Anwesenden vertraute Seewald an, dass es bei seinem Interview mit dem Papst keinerlei „Zensur“ gegeben habe. Er habe seine Fragen an den Papst nicht vorher genehmigen lassen, sondern nur ein Konzept für die insgesamt sechsstündigen Gespräche einreichen müssen.