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    Innerlich brennen für Christus

    Freising (DT) Die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz aus Erlangen hat am Donnerstag bei der Eröffnung des 16. Internationalen Kongresses des katholischen Hilfswerks Renovabis in Freising die herausragende Rolle der Laien bei der Neuevangelisierung betont. Als sie zwischen 1993 und 2011 an der Technischen Universität in Dresden Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft lehrte, habe sie große Aufgeschlossenheit unter den Studierenden für Glaubensinhalte bemerkt.

    Erzbischof Robert Zollitsch und Hanna Gerl-Falkovitz. Foto: Renovabis

    Freising (DT) Die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz aus Erlangen hat am Donnerstag bei der Eröffnung des 16. Internationalen Kongresses des katholischen Hilfswerks Renovabis in Freising die herausragende Rolle der Laien bei der Neuevangelisierung betont. Als sie zwischen 1993 und 2011 an der Technischen Universität in Dresden Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft lehrte, habe sie große Aufgeschlossenheit unter den Studierenden für Glaubensinhalte bemerkt.

    Rund 80 Prozent ihrer Hörer seien ungetauft gewesen, dennoch habe sie wegen des starken Zulaufs auch schon einmal die Lehrveranstaltung in einen größeren Raum verlegen müssen. „Das liegt auch daran, dass man als Laie spricht“, zeigte sich Gerl-Falkovits überzeugt. Zudem habe sich als vorteilhaft erwiesen, dass die Studierenden in Vorlesungen und Seminaren erstmals mit christlichen Inhalten in Berührung kamen und gerade die Universität der natürliche Ort für Reflexion sei. „Evangelisierung beginnt mit Wissen über den Glauben und setzt sich fort mit Reflexion über den Glauben.“

    Die Philosophin, die inzwischen an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz bei Wien lehrt, hält die intellektuelle Vorarbeit für das Christentum für entscheidend. „Heute kommt die Philosophie auf die Theologie zu“, sagte sie vor Journalisten. Aktuell sei Aufklärung nicht mehr Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, sondern Aufklärung über die Beschränktheit der Vernunft. Die Arbeiten bedeutender Philosophen der letzten Jahrzehnte zeigten deutlich eine „Öffnung nach oben“, auch wenn deren ernsthafte Diskussion noch nicht in den deutschen Talkshows angekommen sei.

    „Wo etwas neu entdeckt wird, da gibt es neue Chancen“, glaubt auch der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er betonte, dass Neuevangelisierung an Orten gelingen könne, wo Glaube erlebt und erfahren werde. „Wir brauchen Menschen, die innerlich brennen“, sagte er. Die Wahrheit Christi bleibe, aber sie müsse auch das Herz treffen. Zollitsch, der auch als Mitglied des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung in Freising sprach, zählte den in Deutschland begonnenen Dialogprozess zur „Gestaltung neuer Wege der Evangelisierung“. Es gelte selbstkritisch zu prüfen, ob die Europäer durch Zeugnis und Handeln eine Begegnung mit Christus ermöglichten. Die Erfahrungen in der Glaubensweitergabe in osteuropäischen Staaten seien auch für Deutschland wichtig, „weil wir Weltkirche zu jeder Zeit als globale Lern-, Solidar- und Gebetsgemeinschaft verstehen“. Er machte in seiner Eröffnungsrede klar, dass nur eine „hörende, dienende und pilgernde Kirche“ die Angst vor Veränderungen in Europa überwinden kann.

    Der Prager Religionssoziologe Monsignore Thomas Halik, einst einer der engsten Mitarbeiter von Frantisek Kardinal Tomasek, attestierte den Gläubigen im Westen eine „Mittagsmüdigkeit“. Das sei der richtige Moment, um weder nach links noch nach rechts zu blicken, sondern in die Tiefe zu gehen. Bei der Evangelisation müsse es um eine Bekehrung der Christen gehen, „um ein Abrücken von dem selbstsicheren Christsein zu einem demütigen Christwerden hin“, betonte er. Evangelisierung bedeute für ihn hingegen nicht „Expansion des Christentums“ oder „Bekehrung der Heiden“. Es gehe darum, das Christsein wieder in seiner ursprünglichen Form zu leben, und zwar nicht selbstgefällig, sondern in der Bereitschaft, „die Knechtsgestalt anzunehmen“. Diese Haltung überzeuge auch in Mittel- und Osteuropa. „Die Leute sind dort auf Indoktrination allergisch.“

    Dass die Thematik der Säkularisierung und einer „Verdunstung der Glaubenssubstanz“ nicht nur in Osteuropa aktuell ist, machte Pater Stefan Dartmann SJ, Hauptgeschäftsführer von Renovabis, in der Eröffnungspressekonferenz deutlich. Neben dieser europaweiten Entwicklung lebten die Christen in den einzelnen Ländern dennoch in sehr verschiedenen Glaubenswelten. Dartmann rechnet damit, dass der Kongress auch einen Einblick in diese unterschiedlichen Welten ermöglicht.

    „Heute den Glauben entdecken – Neue Wege der Evangelisierung in Europa“ – unter diesem Motto sprachen die Redner auf Einladung von Renovabis in Freising. Das Hilfswerk wurde im März 1993 als Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa gegründet. Die mehr als 370 Teilnehmer aus 30 mittel-, ost- und westeuropäischen Staaten tagen noch bis einschließlich Samstag.