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    In einer lauten Welt die Stille entdecken

    Köln (DT) Ein Stückchen Brot aus Wasser und Mehl und Jesus Christus darin real präsent: das ist es, was die katholische Eucharistie einzigartig macht. Schwer zu glauben? Dass es dazu im Endeffekt nur viel Liebe, Stille und ein wenig Demut braucht, offenbart die Podiumsdiskussion „Das fällt mir schwer zu glauben!“ am Samstag in Köln.

    Köln (DT) Ein Stückchen Brot aus Wasser und Mehl und Jesus Christus darin real präsent: das ist es, was die katholische Eucharistie einzigartig macht. Schwer zu glauben? Dass es dazu im Endeffekt nur viel Liebe, Stille und ein wenig Demut braucht, offenbart die Podiumsdiskussion „Das fällt mir schwer zu glauben!“ am Samstag in Köln.

    Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Dogmatikprofessor Karl-Heinz Menke vertreten auf dem Podium die theologische Seite, während Elisabeth Horz, eine Kölner Pädagogin und Kommunionkatechetin, und Natalie Kamps, Mitglied der Pfadfinderschaft St. Georg (Neuss), im Rahmen ihrer praktischen Erfahrungen nach Antworten suchen. Pfarrer Dirk Bingener vom BDKJ DV Köln führt durch die Diskussion und bezieht das Publikum mit ein, das auch zu Wort kommen darf.

    In einem einführenden Statement erläutert Professor Menke die unerhörte Begebenheit: Nach der Wandlung sei das Brot nicht mehr Brot, sondern Christus selbst. Diesen Vorgang zu verstehen, sei ein Prozess der Verinnerlichung. Denn was einer beginnt zu verstehen, ist ihm, wenn der Groschen fällt, nicht mehr äußerlich, sondern innerlich, im Kopf. Wo Hegel hier vom Phänomen des Geistes spricht, ginge die katholische Theologie in die Superlative und bringe den Heiligen Geist ins Spiel. Und verweise damit auf ein konkretes Beziehungsgeschehen: Zwischen Jesus und Gott, so Menke, herrsche vollkommenes Verstehen.

    Das sei möglich, weil einer ganz im anderen sei und umgekehrt: „Jesus ist ganz im Vater und der Vater ist ganz in ihm.“ Jesus sei so sehr in Gott, dass man an ihm ablesen könne, wie Gott ist. Damit sei Jesus nach katholischem Verständnis mehr als nur, wie oft angenommen, Zeichen, Symbol oder Wegweiser. „Wer mich sieht, sieht den Vater“, zitiere ihn die Bibel und manifestiere damit Einmaliges in der gesamten Religionsgeschichte: Gott ist nicht „in“ Jesus, sondern „als“ Jesus präsent.

    Diese historische Präsenz Gottes in der Welt hätten, so Menke weiter, die Menschen ihrer eigenen Fehlerhaftigkeit zu verdanken. Die Sünde ist eine objektive Wirklichkeit in der Welt, die Gott nicht rückgängig machen kann, weil die Menschen sie in ihrer Freiheit, Nein zu Gott sagen zu können, begehen. Die Konsequenz von Gottes Liebe zum Menschen reiche jedoch so weit, dass er selbst mitten hineingehe in das Elend: Er wende sich nicht ab, sondern strecke den Menschen durch Jesus die Hand entgegen. In jeder Eucharistie nun komme die ausgestreckte Hand Jesu zum Ausdruck. Jedes Empfangen der Hostie sei ein Annehmen dieser ausgestreckten Hand, so Menke. „Ich bleibe bei euch alle Tage“, hat Jesus gesagt: In der Eucharistie würden diese Worte wahr.

    Bischof Overbeck plädiert daher für einen Zugang über das Tun: „Ohne regelmäßigen Gottesdienstbesuch und Gebet ist kein Zugang möglich“, sagt er. Auch für Kinder und Jugendliche. Dazu gehöre ebenso, im Alltag Ehrfurcht und Verehrung zu leben, in dem Bewusstsein, dass Gott größer sei als alles, was wir uns denken können – und ihm deshalb auch möglich sei, sich in einem kleinen Stück Brot zu verbergen. Alles, was Gott mache, sei dabei mit dem Verstand erkennbar, erschließbar; aber da sei immer noch ein „Mehr“, denn Gott sei immer noch „mehr“.

    Für Natalie Kamps sind für ein Verstehen vor allem Gottesdienste wichtig, die berühren und dadurch in Erinnerung bleiben. Sie betont, dass Kinder durchaus viele Fragen hätten, dass sich aber Laien oft sehr schwer täten, die theologischen Zusammenhänge angemessen zu erklären. Max, ein Messdiener aus dem Publikum, ergänzt, dass Kindern nicht alles kompliziert erklärt werden müsse: Sähen kleine Kinder zum Beispiel drei, vier Leute, die andächtig vor einer Monstranz knien und ganz bei der Sache sind, verstünden sie sofort, dass hier etwas besonderes zugegen ist – „wenn aber ein riesiges Theater mit tausend Programmpunkten aufgezogen wird, werden sie unruhig und quengeln“. Die wachsende Beliebtheit und Neuentdeckung der stillen Anbetung sei ein Zeichen dafür, dass Jugendliche eben auf der Suche nach Tiefe seien, und nicht nach Befindlichkeiten.

    Elisabeth Horz spricht hierauf offen von ihren Schwierigkeiten mit der Eucharistischen Anbetung, wo doch Gott auch in der Meditation, in der Betrachtung des Kreuzes oder in der Natur erfahrbar sei. Sie käme da nicht recht mit: Ist Gott in der Monstranz in einer Weise präsenter als er sowieso schon um den Menschen herum ist? Menke weiß hier Antwort: In der Aussetzung des Allerheiligsten komme die Präsenz Gottes auf besondere Weise zum Ausdruck.

    Vor der Monstranz stehe der Mensch gleichsam im Anblick Gottes. „Das ist keine Magie, sondern Beziehung“, so Menke. Das Beziehungsgeschehen zwischen Gott und Jesus übertrage sich damit auf den Menschen: So wie vor 2 000 Jahren die Zeitgenossen Jesu an ihm als Mensch Gott ablesen konnten, könnten wir dasselbe nun anhand des Stücks Brot in der Monstranz tun. Jesus warte da auf uns wie ein Freund, sagt eine junge Frau aus dem Publikum; ob wir ihn besuchen kommen oder nicht, liege an uns. Diese Beziehung zu pflegen, helfe dann, die Präsenz Christi im Alltag zu spüren. „Die eucharistische Anbetung ist eine Möglichkeit, Christus bewusst in das Leben hineinzunehmen“, ergänzt Menke.

    Erneut plädiert Bischof Overbeck hier auf Hartnäckigkeit als Hilfe im Suchen eines Zugangs zur Eucharistie. Öfter kommen heiße besser verstehen. Die Gefühlsebene allein sei nicht alles: Das Gefühl helfe zwar, ein Bewusstsein der Dinge zu erlangen; um sie zu erschließen, brauche es aber die Vernunft. „Es ist Aufmerksamkeit nötig, um dem Geheimnis Gottes begegnen zu können.“ Aufmerksam werde man im Innehalten, in der Stille. Dann könne Erfahren und Verstehen geschehen – nicht selten in einem Umfang, der Leben verändert.