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    In die Geschichte des US-Katholizismus eingegangen

    In diesem Jahr gedenkt die Kirche der Tschechischen Republik eines deutschen Heiligen aus dem Böhmerwald. In Prachatitz (Prachatice), einer Stadt am Ende des Goldenen Steiges, der seit 1010 von Passau nach Prachatitz führte, wurde am 28. März 1811 Johann Nepomuk Neumann geboren. Der Vater des Heiligen war erst 1802 aus dem unterfränkischen Obernburg am Main ausgewandert und hatte sich in der Handelsstadt am Ende des Goldenen Steiges niedergelassen. Johann Nepomuk war das älteste von sechs Kindern. Er besuchte von 1818 bis 1823 die Elementarschule seiner Vaterstadt, ehe er auf das von Piaristen geleitete Gymnasium nach Budweis kam.

    Gründete 100 Pfarrschulen, baute 50 Kirchen und hielt Diözesansynoden: Bischof Johannes Nepomuk Neumann. Auch eine franz... Foto: Archiv

    In diesem Jahr gedenkt die Kirche der Tschechischen Republik eines deutschen Heiligen aus dem Böhmerwald. In Prachatitz (Prachatice), einer Stadt am Ende des Goldenen Steiges, der seit 1010 von Passau nach Prachatitz führte, wurde am 28. März 1811 Johann Nepomuk Neumann geboren. Der Vater des Heiligen war erst 1802 aus dem unterfränkischen Obernburg am Main ausgewandert und hatte sich in der Handelsstadt am Ende des Goldenen Steiges niedergelassen. Johann Nepomuk war das älteste von sechs Kindern. Er besuchte von 1818 bis 1823 die Elementarschule seiner Vaterstadt, ehe er auf das von Piaristen geleitete Gymnasium nach Budweis kam.

    Lebenslauf am Tag vor der Bischofsweihe geschrieben

    In seinem „Lebenslauf“, den er am Tag vor seiner Bischofsweihe niederschrieb, berichtete er, wie josefinisch geprägt seine Studienzeit war, auf dem Gymnasium ebenso wie in der Philosophie, wo auf dem Budweiser Lyzeum Zisterzienser des Stiftes Hohenfurt seine Lehrer waren. Während seines Theologiestudiums in Prag wurde er mit Schriften der Leopoldinen-Stiftung in Wien bekannt. Diese Stiftung war der älteste Missionsverein im deutschsprachigen Raum, benannt nach der Prinzessin Leopoldine, die als Frau des brasilianischen Kaisers Pedro I. starb. So reifte in dem jungen Neumann der Entschluss, nach Nordamerika zu gehen. Bestärkt wurde er in seinem Entschluss noch durch den Priesterüberschuss in seiner Heimat. Weil damals die Diözese Budweis keine Neupriester brauchte, wurde Neumann nach Abschluss seiner Studien gar nicht zur Priesterweihe zugelassen. So nimmt er am 11. Februar 1836 Abschied von der Heimat, um am 20. April von Le Havre aus nach New York zu segeln. Die Leopoldinenstiftung bezahlte ihm die Reise, denn in Nordamerika suchte man dringend Priester für die deutschen Auswanderer. Am Fronleichnamstag 1836, am 2. Juni, geht Neumann in New York an Land, schon am 24. Juni wird er zum Diakon und am 25. Juni zum Priester geweiht.

    In der Wildnis bei Buffalo beginnt er unter Einwanderern und Indianern seine priesterliche Tätigkeit, über die wir durch Briefe in die Heimat gut unterrichtet sind. Armut, Mühe und Enttäuschung bestimmen sein Leben im Gebiet der Niagarafälle. 1839 kommt sein Bruder Wenzel nach, 1840 tritt Johann Neumann bei den Redemptoristen ein, sein Bruder Wenzel folgt ihm als Ordensbruder. In seinem Lebenslauf schreibt Johann Neumann: „Ich selbst war nie ein rechter Novize, denn als ich in unsere liebe Kongregation eintrat, gab es noch keinen Novizenmeister und kein Noviziat in Amerika. Aber ich habe des ungeachtet viele Erfahrungen gemacht und viele Versuchungen kennengelernt, mit denen der alte Feind die Rekruten des hl. Alfonsus heimsucht.“

    Die Chronik des Noviziates vermerkt: „Dieser erste Novize unserer amerikanischen Provinz genoss nicht den regelmäßigen Unterricht und die sorgfältige Leitung eines geordneten Noviziates, dennoch ward er sogleich mit den Arbeiten reifer Ordensmänner betraut, und zeichnete sich aus durch treue Beobachtung der Ordensregeln, durch Liebe zur Kongregation und durch große Tugenden.“

    Sein Wahlspruch: „Leiden Christi, stärke mich“

    Seine erste Pfarrstelle nach Ablegung der Gelübde war für Pater Neumann die Seelsorge an der Alfonsus-Kirche in Baltimore, wo es damals 4 000 deutsche Katholiken gab. Bald wurde er Stellvertreter des Provinzials; er betreute dann die Armen Schulschwestern Unserer Lieben Frau, die von München nach Nordamerika gekommen waren und die ihn heute„zu Recht als unseren Gründer in Amerika verehren“. P. Neumann baute Kirchen und gründete Schulen, er predigte und hörte Beichte in sieben Sprachen. Er schrieb einen deutschen „Kleinen Katechismus“, der 30 Auflagen erlebte, ein größerer englischer wurde 18mal nachgedruckt.

    An seinem 41. Geburtstag, am Passionssonntag 1852, wurde er zum Bischof von Philadelphia geweiht und wählte sich als Wahlspruch für sein Bischofswappen: „Leiden Christi, stärke mich!“

    Als Schulbischof, der 100 Pfarrschulen gründete, geht Neumann in die Geschichte des amerikanischen Katholizismus ein. Er baute 50 Kirchen, gründete eine franziskanische Schwesterngemeinschaft und hielt Diözesansynoden. Kaum 49-jährig brach er gesundheitlich zusammen und starb am 5. Januar 1860. Sein Begräbnis war die größte Feier, die Philadelphia bis dahin erlebt hatte, so zahlreich waren die Menschen gekommen.

    Schon 1886 wurde in Budweis und Philadelphia, 1895 auch in Rom der Seligsprechungsprozess eingeleitet. 1963 erfolgte die Selig- und 1977 die Heiligsprechung. An beiden Feiern in Rom nahmen meist Sudetendeutsche und Amerikaner teil, aber nur wenige Exiltschechen, da in Böhmen Kirchenverfolgung herrschte und der Reiseverkehr fast unterbunden war.

    Erst seit der Wende 1990 ist auch in Prachatitz Bischof Neumann kein Unbekannter mehr: Die deutschen Bewohner waren dort nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben worden, die Neuansiedler wussten kaum etwas von dem großen Sohn der Stadt. Heute erinnert am Geburtshaus in der Neumann-Straße eine Gedenktafel in tschechischer, deutscher und englischer Sprache an ihn. Das Haus hatte die ältere Schwester des Bischofs geerbt, die bei den Borromäerinnen eintrat. So wurde das Geburtshaus ein kleines Kloster, das nach der Wende die Borromäerinnen wieder betreuen. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten hat die Tschechische Bischofskonferenz auch die vertriebenen Sudetendeutschen eingeladen. Ihr Visitator Msgr. Karl Wuchterl rief bereits zur zahlreichen Teilnahme auf.

    Wie sehr Bischof Neumann vor allem von seinen sudetendeutschen Landsleuten verehrt wird, zeigt die Tatsache, dass es im sudetendeutschen Beiheft zum Gotteslob auch Lieder zu seinen Ehren gibt, die seit der Selig- und Heiligsprechung gesungen werden.