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    Im Schutz des Erzengels

    Bamberg (DT) Die Stadt und das Erzbistum Bamberg feiern in diesem Jahr den 1 000. Jahrestag der Gründung von Kloster Michelsberg, ein Jubiläum, das auch von den Museen der Stadt mit ansprechenden Ausstellungsprojekten begleitet wird. St. Michael ist mit der Grablege des heiligen Bischofs Otto nicht nur ein bedeutender Gedenkort des Bistums, es markiert auch den Beginn von tausend Jahren Ordensgeschichte in der Region. Das fürbittende Gebet erfüllte eine wichtige gesellschaftliche Funktion. So wie diejenigen, die in Handwerk und Landwirtschaft arbeiteten, die Versorgung der Bevölkerung gewährleisteten und diejenigen, die als Ritter kämpften, die Sicherheit garantierten, sorgten die Mönche und Nonnen für das spirituelle Gleichgewicht der Gesellschaft.

    Wegweiser zum Himmel: Wie eine Stadt auf dem Berg prägt das Benediktinerkloster auf dem Michelsberg das Bamberger Panora... Foto: IN

    Bamberg (DT) Die Stadt und das Erzbistum Bamberg feiern in diesem Jahr den 1 000. Jahrestag der Gründung von Kloster Michelsberg, ein Jubiläum, das auch von den Museen der Stadt mit ansprechenden Ausstellungsprojekten begleitet wird. St. Michael ist mit der Grablege des heiligen Bischofs Otto nicht nur ein bedeutender Gedenkort des Bistums, es markiert auch den Beginn von tausend Jahren Ordensgeschichte in der Region. Das fürbittende Gebet erfüllte eine wichtige gesellschaftliche Funktion. So wie diejenigen, die in Handwerk und Landwirtschaft arbeiteten, die Versorgung der Bevölkerung gewährleisteten und diejenigen, die als Ritter kämpften, die Sicherheit garantierten, sorgten die Mönche und Nonnen für das spirituelle Gleichgewicht der Gesellschaft.

    Es war deshalb ein wirkmächtiger symbolischer Akt, als Kaiser Heinrich II. und Bischof Eberhard II. im Jahr 1015 gemeinsam das Kloster St. Michael in Bamberg gründeten. Der tiefgläubige, kinderlose Kaiser, der die Stadt Bamberg zum Bischofssitz erhoben und Gott zu seinem Erben bestimmt hatte, setzte mit der Gründung eines Benediktinerklosters im Norden der Stadt den Ausbau Bambergs zu einem fränkischen Rom fort. Schon bei der Weihe des Doms an seinem Geburtstag drei Jahre zuvor hatte Heinrich den 45 anwesenden Bischöfen und den Großen des Reichs ein durchdachtes, Architektur gewordenes spirituelles und zugleich gesellschaftlich wirksames Netzwerk präsentiert. Denn mit der Strukturierung des Doms durch zahlreiche Altäre und den beiden Angelpunkten in Gestalt der Hauptaltäre im Ost- und Westchor und den in ihnen geborgenen Reliquien aus verschiedenen Regionen seines Herrschaftsgebiets hatte der Kaiser die Kathedrale nicht nur zu einem Memorialort, sondern auch zu einem Reichsdom gemacht.

    Das 1015 gegründete Benediktinerkloster war bewusst auf einem Berg im Norden der Stadt angelegt und dem Erzengel Michael geweiht worden. Im Kirchbau repräsentiert der Norden die unbesonnte Seite der Kirche, sie war häufig mit Darstellungen aus dem Alten Testament, den Patriarchen und Propheten, den Königen des Alten Bundes, den Vorfahren Christi, der Wurzel Jesse oder heidnischen Sybillen verziert, die die Geburt Christi prophezeit hatten. Auf den Maßstab einer Stadt übertragen war der Norden ebenfalls eine Seite, die eines besonderen Schutzes bedurfte, da man aus dieser Himmelsrichtung Unbill aller Art erwartete. Deshalb ist die Wahl des Patrons, des machtvollen Erzengels Michael, kein Zufall. Die Verehrung der Engel war schon in der Spätantike weit verbreitet. Bereits der Kirchenvater Augustinus hatte die für das irdische Leben wegweisende Bedeutung der Engel hervorgehoben. Die Menschen, so Augustinus im Gottesstaat, sind dazu berufen, durch das Gotteslob den Platz derjenigen Engel einzunehmen, die sich von Gott abgewandt haben, ein Gedanke, der in Hildegard von Bingens Engelvision im Liber Scivias weiter entfaltet wurde. Die Beziehung zwischen Kloster und Kaiser war von Beginn an eng, zumal die Mönche die guten Kontakte zu ihrem Herrscher nutzten, um sich vom Einfluss des Bischofs unabhängig zu machen. Heinrich versorgte den Michelsberg mit dem, was für ein Benediktinerkloster besonders wichtig ist, mit einer großen Anzahl ausgezeichneter Bücher. Heinrich II. galt, was seine Bücherliebe anging, als gefürchteter Besucher, denn überall dort, wo er zu Gast war und interessante Handschriften entdeckte, nahm er sie mit oder ließ sich zumindest Abschriften anfertigen. Im 12. Jahrhundert entstanden im klostereigenen Skriptorium weitere bedeutende Manuskripte. Die Mönche hatten sich der Reformbewegung des Klosters Hirsau angeschlossen und erlebten, wie die auf die Ordensgeschichte fokussierte Ausstellung des Dom- und Diözesanmuseums eindrucksvoll zeigt, eine Blütezeit. Ob prachtvoll verzierte Ausgaben der Benediktusregel, Musikhandschriften, medizinische oder theologische Werke, die Mönche bauten ihre Bibliothek ebenso zielgerichtet aus, wie sie ihre Klosterkirche ab 1117 neu errichteten. Bischof Otto, der die Übernahme der Hirsauer Reform maßgeblich angeregt und begleitet hatte, gilt als zweiter Gründer des Klosters. Seine Grabstätte mit dem charakteristischen Durchschlupf, nach dessen Durchqueren auf Fürsprache Ottos zahllose Gläubige von Rückenproblemen geheilt worden sind, befindet sich in der Klosterkirche. Die im Skriptorium der Abtei entstandenen Handschriften sind in der Ausstellung der Staatsbibliothek zu besichtigen. Neben den Originaldokumenten erlauben Computerpräsentationen die weitergehende Entdeckung der kostbaren Miniaturen.

    Die Hochzeiten des Michelsberger Klosters, dies zeigt die Ausstellung des Diözesanmuseums eindrucksvoll, sind jeweils an innere Reformprozesse gekoppelt. Deshalb verzeichnen die Klosterannalen nach den schwierigen 1430-er Jahren eine neue Blüte, die sich entfaltete, nachdem der Konvent sich der Bursfelder Reform angeschlossen hatte. Bemerkenswerterweise konsolidierte sich das Kloster immer dann wirtschaftlich, wenn eine geistliche Erneuerung zu neuer spiritueller Vitalität geführt hatte, was angesichts heutiger Konsolidierungsprozesse zu der Überlegung anregen könnte, ob vor der Rettung von Strukturen nicht eine Neuevangelisierung der Menschen notwendig und hilfreich wäre. Obwohl die Region Bamberg durch die Unruhen während der Reformation und der Bauernkriege beeinträchtig wurde, blieb Kloster Michelsberg bestehen und wurde nach dem Brand von 1610 fraglos wiedererrichtet. Der barocke Gewölbebau ist mit einer bemerkenswerten Darstellung des Himmelsgartens geschmückt. Das 17. und 18. Jahrhundert war einerseits durch rege Bautätigkeiten, andererseits durch Spannungen und Umstrukturierungen innerhalb des Konventes, sowie zwischen Kloster und Erzbischof geprägt. Das Jahr 1803 brachte wie für zahlreiche andere Klöster auch für den Michelsberg das Aus durch die Säkularisation, der auch die meisten anderen Klöster und Stifte des zum Kurfürstentum Bayern gehörenden Erzbistums zum Opfer fielen. Die Gesundheitsfürsorge für die Menschen in der Umgebung, die Benediktinerklöster vom Mittelalter an leisteten, blieb auch nach der Auflösung des Konvents mit dem Michelsberg verbunden, denn die Gebäude beherbergten ab 180 das Bürgerspital. Und auch der Aspekt der kulturellen Bildung war weiterhin mit dem vormals heiligen Berg verknüpft. Denn 1839 wurde ein Teil des Michelsbergs als Ausstellungsstandort der Städtischen Kunst- und Gemäldesammlung zu einem weltlichen Kulturzentrum umfunktioniert, dessen Galerie bis 1935 geöffnet war. Im Historischen Museum Bamberg wird dieser Aspekt der Geschichte des Michelsbergs aufgearbeitet. In einer Sonderausstellung sind Objekte und Gemälde aus der damals dort präsentierten Sammlung zu sehen, darunter so bedeutende Bilder wie der „Turmbau zu Babel“ eines flämischen Meisters aus dem 17. Jahrhundert. Historische Fotos gestatten einen Einblick in die Galerie auf dem Michelsberg.

    bis 4. Oktober im Dom- und Diözesanmuseum Bamberg (Di–So 10–17 Uhr),

    Historisches Museum Bamberg (Di–So 9–17 Uhr), Staatsbibliothek Bamberg (Mo–Fr 9–17 Uhr, Sa 9–12 Uhr, im August Samstags geschlossen).