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    Im Schatten der Päpste

    Kein Fotograf in Deutschland hat so lange Päpste mit dem Fotoapparat begleitet wie Josef Albert Slominski“, beginnt Kardinal Reinhard Marx sein Vorwort zu dem Bildband „Im Schatten der Päpste“. Von Pius XII. bis Franziskus war Slominski – besser bekannt unter seinem Kürzel SLOMI – im Vatikan, in Rom und auf fast allen Kontinenten mit den Päpsten unterwegs, um sie und ihr Wirken mit der Kamera zu dokumentieren. Doch der Titel des Buches deutet schon darauf hin, dass in der Publikation diesmal nicht die Nachfolger Petri selber im Fokus stehen. Der Untertitel klärt dann darüber auf, über wen der 1937 geborene Fotograf gemeinsam mit der Journalistin und ehemaligen Vatikankorrespondentin Christa Langen-Peduto berichtet: den „Alltag der Papstsekretäre“.

    Kein Fotograf in Deutschland hat so lange Päpste mit dem Fotoapparat begleitet wie Josef Albert Slominski“, beginnt Kardinal Reinhard Marx sein Vorwort zu dem Bildband „Im Schatten der Päpste“. Von Pius XII. bis Franziskus war Slominski – besser bekannt unter seinem Kürzel SLOMI – im Vatikan, in Rom und auf fast allen Kontinenten mit den Päpsten unterwegs, um sie und ihr Wirken mit der Kamera zu dokumentieren. Doch der Titel des Buches deutet schon darauf hin, dass in der Publikation diesmal nicht die Nachfolger Petri selber im Fokus stehen. Der Untertitel klärt dann darüber auf, über wen der 1937 geborene Fotograf gemeinsam mit der Journalistin und ehemaligen Vatikankorrespondentin Christa Langen-Peduto berichtet: den „Alltag der Papstsekretäre“.

    Wer den „Annuario Pontificio“, das Päpstliche Jahrbuch, aufschlägt, wird erstaunt feststellen, dass in diesem hochoffiziellen Nachschlagewerk des Vatikans das Amt eines Privatsekretärs des Heiligen Vaters nicht aufgelistet wird. Und es gibt im Grunde nicht einmal eine „Stellenbeschreibung“ für Papstsekretäre, so Christa Langen-Peduto. Besonders deutlich wird dies, wenn man das Pontifikat von Pius XII. (1939–1958) betrachtet. Denn für diese Zeit lässt sich kaum eruieren, wer in ihr dem üblichen Profil, das man für einen Privatsekretär ansetzt, entsprach. War es der Jesuitenpater Robert Leiber oder die Ordensfrau Pascalina Lehnert? Das Buch versucht, darauf Antworten zu geben, unter anderem im Gespräch mit dem Zeitzeugen Pater Peter Gumpel SJ.

    Für die nächsten fünf Pontifikate zeichnet sich dann jedoch schon recht deutlich ab, wer im Schatten der Päpste steht, ja sogar aus ihm heraustritt und bisweilen im Umfeld des Pontifex unübersehbar Dominanz zeigt. Loris Francesco Capovilla (1915–2016) war an der Seite des heiligen Johannes XXIII. (1958–1963) als dessen Sekretär wahrzunehmen. Kurz vor dem Tod des Geistlichen, den Papst Franziskus 2014 mit dem Purpur auszeichnete, kamen Langen-Peduto und Slominski mit dem fast hundertjährigen, aber agilen Kardinal zu einem Interview und zu Bildaufnahmen zusammen. An Don Pasquale Macchi (1923–2006) kam kaum jemand vorbei, der den Kontakt zum seligen Paul VI. (1963–1978) suchte. Macchi aber war mehr als ein Privatsekretär des Montini-Papstes. Er konnte 1970 ein Attentat auf den Pontifex verhindern. Und ihm war es im Zusammenspiel mit Paul VI. zu verdanken, dass im Vatikan die Moderne Kunst vehement Einzug hielt.

    Aufschlussreich und von besonderem Interesse ist für den Leser das Kapitel über Don Diego Lorenzi, der dem 33-Tage-Papst Johannes Paul I. (1978) als treuer Adlatus diente. Nach dem Tod des Papstes ging der Don-Orione-Priester als Missionar auf die Philippinen und verschwand gänzlich von der Bühne der Öffentlichkeit. Über das dramatische Ende des kurzen Pontifikates gab er nur einmal, im Jahre 2000, in einer Veröffentlichung seines Ordens kurz Auskunft. Daher ist das Interview, das Christa Langen-Peduto mit ihm führte, ein Zeitdokument. Als wahrhaft rechte Hand seines Herrn erwies sich Stanislaw Kardinal Dziwisz. Zwölf Jahre stand er dem heiligen Johannes Paul II. in Krakau zur Seite, fast 27 Jahre wohnte er mit ihm im Apostolischen Palast des Vatikans. Der polnische Geistliche war der erste Sekretär eines Papstes, der noch zu Lebzeiten seines Dienstherrn zum Bischof erhoben wurde – eine Geste, die sich im darauffolgenden Pontifikat wiederholte.

    Papst Benedikt XVI. verlieh gegen Ende seiner Regierungszeit seinem Sekretär Georg Gänswein die Bischofswürde und ernannte ihn zum Präfekten des Päpstlichen Hauses. Der 1956 in Waldshut am Hochrhein geborene Prälat war auch der erste Privatsekretär eines Papstes, der die Medien nicht scheute und bisweilen selbst Boulevardblättern Interviews gab (im Buch nimmt er dazu freimütig Stellung). Nach dem Rücktritt Benedikts XVI. steht Gänswein für eine zweite Novität im Vatikan: Er blieb der Sekretär des emeritierten Pontifex und versieht weiterhin sein hohes und arbeitsintensives Kurienamt.

    Unter Franziskus sehe die Rolle der Papstsekretäre wieder anders aus, merkt Christa Langen Peduto an, denn der Jesuitenpapst mache vieles selbst: „Bis jetzt stehen sie nie im Licht der Öffentlichkeit, im Gegenteil, sie werden oft gar ausgeblendet. Bewusst blasse Schatten des Papstes also.“ Trotz dieses Schattendaseins ist den beiden Monsignori, dem Argentinier Fabián Pedacchio Leániz und dem Ägypter Yoannis Lahzi Gaid, ein eigenes Kapitel mit seltenen Aufnahmen von ihnen gewidmet. In der Bedeutung und Stellung von Privatsekretären, so kommentieren es nicht wenige Stimmen im Vatikan, sei man nun anscheinend wieder zur Praxis von Papst Pius XII. zurückgekehrt.

    „Im Schatten der Päpste. Der Alltag der Papst-Sekretäre von Pius XII. bis Franziskus“ ist mit seinen Fotografien, Erläuterungen und Exklusivinterviews eine empfehlenswerte und nützliche Publikation für all jene, die einen auf Seriosität fußenden und dennoch einzigartigen, spannenden Blick in den inneren Kreis des Vatikans werfen möchten.

    Josef Albert Slominski/Christa Langen-Peduto: Im Schatten der Päpste. Der Alltag der Papst-Sekretäre von Pius XII. bis Franziskus. 128 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Leipzig 2016, ISBN 978-3-7462-4676-5, EUR 16,95