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    Im Pausenhof: Gebet für schwerkranke Mitschülerin

    Sie zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Bildungseinrichtungen in Fulda. Die Marienschule besteht seit 275 Jahren. Geprägt wird das kirchliche Mädchengymnasium im Zentrum der Bischofsstadt vom Erbe der englischen Ordensgründerin Maria Ward (1585 bis 1645) und ihrer Schwesterngemeinschaft.

    Sie zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Bildungseinrichtungen in Fulda. Die Marienschule besteht seit 275 Jahren. Geprägt wird das kirchliche Mädchengymnasium im Zentrum der Bischofsstadt vom Erbe der englischen Ordensgründerin Maria Ward (1585 bis 1645) und ihrer Schwesterngemeinschaft.

    Mädchen der Abiturklassen verteilen in der großen Pause auf dem Innenhof der Marienschule selbst zubereitete Pizzabrötchen. Die Hälfte des Erlöses geht an das Hilfsprojekt der Schule in El Cabure (Argentinien). Dort unterstützen Maria-Ward-Schwestern Straßenkinder. Mit dem Rest bessern die Schülerinnen ihre Abikasse auf. Der Hilfe für El Cabure diente auch die Parkplatzaktion an den Samstagen in der Adventszeit. Gegen eine Spende konnten Autofahrer ihr Fahrzeug auf dem Schulhof in der Innenstadt parken. Schülerinnen und Lehrer übernahmen den Dienst der „Parkwächter“.

    Solidarisches Miteinander kennzeichnend für Umgang

    Über diese Solidaritätsaktionen für Hilfsprojekte freut sich Schulleiter Oswald Post. Für den Pädagogen, der die Fächer Religion sowie „Politik und Wirtschaft“ unterrichtet, zählt dieser Einsatz zum „Geist“ der Marienschule. Er sei geprägt von der Gestalt Maria Wards und ihrer Ordensgemeinschaft, erklärt Post, der seit Sommer 2008 die kirchliche Schule leitet. Obwohl die Trägerschaft der Schule seit 1997 auf die „Stiftung Marienschule Fulda“ übergegangen ist, hat sich das Leitbild der Bildungseinrichtung nicht geändert (Kasten „Marienschule“).

    Die „Englischen Fräulein“, wie die Maria-Ward-Schwestern in der Bevölkerung auch genannt werden, erfuhren in ihrer 275-jährigen Geschichte nicht nur Zustimmung. Zweimal mussten sie, auf staatlichen Druck hin, den Schulbetrieb einstellen. Das erste Mal geschah dies im „Kulturkampf“ zwischen Staat und Kirche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Von 1876 bis 1888 war die Schule geschlossen. Die meisten Schwestern mussten nach Ungarn auswandern. Das zweite Mal waren es die Nationalsozialisten, die 1938 die Schließung der Schule anordneten. Bereits wenige Monate nach Kriegsende konnten die Schwestern ihre erzieherische Arbeit mit 600 Mädchen wieder aufnehmen.

    „Ich bin sehr dankbar, dass die Schwestern da sind“, betont Schulleiter Post. Schwester Edelgard Mahr, früher Lehrerin, kümmert sich mit Schülerinnen um die Grünanlagen auf dem Gelände. Zudem betreut sie die Bibliothek. Die Schwestern übernehmen auch den Pfortendienst. Vor allem, so Post, begleiten die Ordensfrauen das Schulleben mit ihrem Gebet. Ein Gebet steht am Anfang des Unterrichts am Morgen. In der Adventszeit gab der Schulleiter einen geistlichen Impuls. Über die Lautsprecheranlage wurde dies in die Klassenzimmer übertragen.

    An drei Tagen finden in der ersten Stunde Gottesdienste für die verschiedenen Klassenstufen statt. „Wir haben hierfür in der Schule eine Kapelle“, so Post. Die Gottesdienste mit Schulpfarrer Christian Schmitt werden von den Klassen vorbereitet – im Religionsunterricht oder mit dem Klassenlehrer. „Für mich ist die morgendliche Messfeier in der Kapelle ein schöner Beginn des Schultags“, bekennt der Schulleiter, der vor seiner Berufung an die Marienschule an einem staatlichen Gymnasium unterrichtete.

    Auf die Initiative von Eltern geht das Schulgebet zurück, das erstmals beim Schulfest zum 275-jährigen Bestehen der Marienschule im vergangenen September stattfand. Es soll ein fester Bestandteil im Leben der Schulgemeinde werden. „Ich unterstütze das sehr“, hebt Post hervor. Ein stets wiederkehrendes Element dieser halbstündigen Andacht ist das „Schulgebet“, das Pfarrer Schmitt verfasst hat.

    Die christliche Ausrichtung der Schule, in deren Mittelpunkt das „Ja zum Menschen“ steht, zeigt sich für Post im Miteinander von Lehrern, Eltern und Schülern. „Wenn eine Schülerin länger krank ist, sprechen wir mit den Eltern, was getan werden kann. Und dies nicht nur einmal.“ Aber nicht nur das. Post berichtet von einer schwer erkrankten Schülerin. „Wir haben uns alle, Lehrer und Schülerinnen, im Hof versammelt. Pfarrer Schmitt las einen Text aus dem Evangelium vor, ich einen Psalm und ein Gebet. Es war still auf dem Schulhof. Lediglich die vorbeifahrenden Autos draußen auf der Straße waren zu hören.“ An normalen Schultagen ist das anders: Dann herrscht auf dem Hof ein reges Treiben. Etwa an den Tischtennisplatten. Andere Mädchen stehen in Gruppen zusammen oder gehen umher. Gewaltszenen – Fehlanzeige.

    Gymnasium mit besonderer Prägung

    Die kirchliche Prägung der Schule hat Auswirkungen auf den Führungsstil des Schulleiters. Post verweist auf den Ordensmann Josef Gossenreiter. Der Marianist leitete lange Jahre das Marianum, eine kirchliche Realschule mit gymnasialer Oberstufe in Fulda. „Er sah sich als Diener der Schulgemeinschaft. Da ist er mir ein Vorbild.“ Er nennt ein Beispiel. Gossenreiter brachte jeden neuen Schüler persönlich in seine Klasse und stellte ihn den Mitschülern vor. Diese Vorgehensweise hat Post von dem gestorbenen Ordensmann übernommen.

    Als Schulleiter einer Mädchenschule hat Post Neuland betreten. Er fügt allerdings hinzu: „Meine Frau und eine Tochter waren Schülerinnen hier. Insofern ist mir die Marienschule nicht völlig fremd gewesen.“ Post weiß um die Vorteile eines nach Geschlechtern getrennten Unterrichts. In einer früheren Schule erlebte er mit, wie in einer vormaligen Mädchenschule auch Jungen aufgenommen wurden. „Die Jungen drängten die Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern an den Rand. Auch die Schülerverwaltung dominierten die männlichen Jugendlichen nach kurzer Zeit.“ Im getrennten Unterricht könne man die unterschiedliche Entwicklung von Jungen und Mädchen besser berücksichtigen, so Post.

    Die Aufgaben der Marienschule gehen für den Schulleiter über den Unterricht hinaus. „Wir müssen die Familien unterstützen“, erklärt er. Er sei dankbar, dass die meisten Schülerinnen aus intakten Familien kommen. Aber: Für christliche Familien müsse etwas getan werden. So kann sich der Schulleiter vorstellen, dass an Wochenenden in der Schule geistliche Angebote für Familien stattfinden. „Die Räumlichkeiten hierfür sind vorhanden“, fügt Post hinzu. So hat die Theatergruppe der Schule bereits an Wochenenden für Aufführungen geprobt.

    Von Hans-Joachim Stoehr