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    Im „Jahr des Glaubens“ das Evangelium mutig verkünden

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Jedes Jahr lässt uns die Liturgie am Tag nach der Geburt des Herrn das Fest des heiligen Diakons und ersten Märtyrers Stephanus feiern. Das Buch der Apostelgeschichte zeigt ihn uns als Mann voller Gnade, der vom Heiligen Geist erfüllt war (vgl. Apg 6, 8–10; 7, 55); in ihm hat sich die Verheißung Jesu, die im heutigen Evangelientext angeführt wird, vollkommen erfüllt, dass nämlich die Gläubigen, die dazu aufgerufen sind, in schwierigen und gefährlichen Situationen Zeugnis abzulegen, nicht verlassen und wehrlos sind: der Geist Gottes wird durch sie reden (vgl. Mt 10, 20). Tatsächlich wirkte, sprach und starb der Diakon Stephanus erfüllt vom Heiligen Geist und bezeugte die Liebe Christi bis zum äußersten Opfer.

    Der erste Märtyrer wird in seinem Leiden als vollkommene Nachahmung Christi beschrieben, dessen Leiden sich bis in die Einzelheiten wiederholt. Das Leben des heiligen Stephanus ist ganz von Gott geformt, Christus gleichgestaltet, dessen Leiden sich in ihm wiederholt; im Moment seines Todes, auf Knien, nimmt er das Gebet Jesu am Kreuz auf, vertraut sich dem Herrn an (vgl. Apg 7, 59) und verzeiht seinen Feinden: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (V. 60) Während sich seine Augen schließen, richtet er erfüllt vom Heiligen Geist seinen Blick auf „Jesus, der zur Rechten Gottes steht“ (vgl. V. 55), den Herrn von allem, der alle an Sich zieht.

    Am Tag des heiligen Stephanus sind auch wir aufgerufen, den Blick auf den Sohn Gottes zu richten, den wir in der freudigen Atmosphäre des Weihnachtsfestes im Geheimnis seiner Menschwerdung betrachten. Mit der Taufe und der Firmung, mit dem kostbaren Geschenk des Glaubens, der durch die Sakramente – vor allem die Eucharistie – gestärkt wird, hat Jesus Christus uns an sich gebunden und möchte Sein Heilswerk, das alles befreit, aufwertet, erhebt und zur Erfüllung bringt, durch das Wirken des Heiligen Geistes in uns weiterführen. Sich von Christus anziehen zu lassen, wie der heilige Stephanus es gemacht hat, bedeutet, sein Leben dem Licht zu öffnen, das es ruft, ihm die Richtung weist und es dem Weg des Guten folgen lässt, den Weg einer Menschheit nach dem Liebesplan Gottes.

    Schließlich ist der heilige Stephanus für alle ein Vorbild, die sich in den Dienst der neuen Evangelisierung stellen wollen. Er zeigt, dass die Neuheit der Verkündigung nicht in erster Linie in der Verwendung besonderer Methoden oder Techniken liegt - auch wenn diese durchaus hilfreich sein können – sondern darin, vom Heiligen Geist erfüllt zu sein und sich von Ihm führen zu lassen. Die Neuheit der Verkündigung besteht im tiefen Eindringen in das Geheimnis Christi, der Aufnahme Seines Worts und Seiner Gegenwart in der Eucharistie, so dass er selbst, der lebendige Jesus, durch seinen Gesandten sprechen und handeln kann. Im Wesentlichen wird der Verkünder des Evangeliums fähig, Christus auf wirksame Weise zu den anderen Menschen zu bringen, wenn er aus Christus lebt, wenn sich die Neuheit des Evangeliums in seinem Leben zeigt. Bitten wir die Jungfrau Maria, dass die Kirche in diesem „Jahr des Glaubens“ einen Zuwachs an Männern und Frauen sehen möge, die wie der heilige Stephanus überzeugt und mutig Zeugnis von Jesus, dem Herrn, zu geben wissen.

    Auf Deutsch sagte der Papst:

    Am heutigen Stephanustag heiße ich ganz herzlich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher hier auf dem Petersplatz willkommen. Der heilige Stephanus sieht den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen, so erzählt uns die Apostelgeschichte. Mit seinem Zeugnis und seinem Martyrium bestätigt er die Botschaft von der Menschwerdung Gottes. Er bezeugt, dass der Mensch, der sich Christus, dem göttlichen Wort, zuwendet, Gott selbst begegnet und durch die Kraft der Liebe verwandelt wird in Gottes neue Schöpfung hinein. Der Herr schenke euch und euren Familien in dieser Weihnachtszeit seinen Frieden und seine Freude.

    Übersetzung aus dem Italienischen

    von Claudia Reimüller