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    Im Dienst für die Menschenrechte

    Aneeqa Maria Antony, Menschenrechtsanwältin aus Lahorem ist für ihren Einsatz für Gerechtigkeit im Namen der Schwächsten mit dem Stephanus-Preis 2017 für verfolgte Christen ausgezeichnet worden. „Zunehmende Gewalt, Zwangsverheiratung und Zwangskonversion, häusliche Gewalt und Vergewaltigung, Kinderarbeit, moderne Sklaverei, Folter und religiös begründete Angriffe auf Leib und Leben sowie immer wieder fadenscheinige Blasphemievorwürfe“ sind die Arbeitsfelder, gegen die sich Aneeqa Maria Antony „unermüdlich, selbstlos und in ständiger Gefahr für ihr eigenes Leben einsetzt“. So hat die Vorstandsvorsitzende der Stephanus-Stiftung, Michaela Koller, am 25. März in der Frankfurter Jesuitenhochschule Sankt Georgen, die diesjährige Preisvergabe begründet. Mit einem Sonderpreis wurde außerdem, zusammen mit Max Klingberg und Ron Kubsch, Thomas Schirrmacher für die Herausgabe des Jahrbuches über Christenverfolgung und Religionsfreiheit ausgezeichnet. Die Übergabe der Auszeichnungen fand im Rahmen einer Feierstunde statt, an der auch der Stifter des Preises, Wolfgang Link, teilnahm. Nach seinen Worten solle die Stiftung „eine Brücke zu allen Organisationen sein, die sich für verfolgte Christen einsetzen“,

    Aneeqa Antony. Foto: IGFM

    Aneeqa Maria Antony, Menschenrechtsanwältin aus Lahorem ist für ihren Einsatz für Gerechtigkeit im Namen der Schwächsten mit dem Stephanus-Preis 2017 für verfolgte Christen ausgezeichnet worden. „Zunehmende Gewalt, Zwangsverheiratung und Zwangskonversion, häusliche Gewalt und Vergewaltigung, Kinderarbeit, moderne Sklaverei, Folter und religiös begründete Angriffe auf Leib und Leben sowie immer wieder fadenscheinige Blasphemievorwürfe“ sind die Arbeitsfelder, gegen die sich Aneeqa Maria Antony „unermüdlich, selbstlos und in ständiger Gefahr für ihr eigenes Leben einsetzt“. So hat die Vorstandsvorsitzende der Stephanus-Stiftung, Michaela Koller, am 25. März in der Frankfurter Jesuitenhochschule Sankt Georgen, die diesjährige Preisvergabe begründet. Mit einem Sonderpreis wurde außerdem, zusammen mit Max Klingberg und Ron Kubsch, Thomas Schirrmacher für die Herausgabe des Jahrbuches über Christenverfolgung und Religionsfreiheit ausgezeichnet. Die Übergabe der Auszeichnungen fand im Rahmen einer Feierstunde statt, an der auch der Stifter des Preises, Wolfgang Link, teilnahm. Nach seinen Worten solle die Stiftung „eine Brücke zu allen Organisationen sein, die sich für verfolgte Christen einsetzen“,

    In ihrer Laudatio ging Michaela Koller auch auf das Schicksal des inzwischen verstorbenen ersten Preisträgers, Ranjha Masih, ein. Unter falschem Blasphemieverdacht habe er von 1998 bis 2006 in Einzelhaft gesessen. Der heutigen Preisträgerin Aneeqa Antony sei es gelungen, dessen Witwe Rasheeda Bibi und ihren Sohn Mubarik Masih ausfindig zu machen, die auch nach dem Tod von Masih immer wieder Morddrohungen erhielten. So gut es geht, versuche die erst 35-jährige Aneeqa Antony, sich um die Familie zu kümmern. Die Laudatorin berichtete von einem weiteren Fall, wo dank der Hartnäckigkeit der Anwältin zum ersten Mal seit Einführung des Blasphemiegesetzes Lynchmorde an Christen bestraft worden seien. Der Fall hatte damals internationales Aufsehen erregt. Kardinal Tauran sprach von einem „barbarischen Akt.“ Das Christenpaar Shahzad Masih und seine schwangere Frau Shama Bibi, die in einer Ziegelei arbeiteten, wurde beschuldigt, Seiten aus einer Koranausgabe verbrannt zu haben. Ein fanatisierter Mob habe sie in die Felder gezerrt, geschlagen, ihnen die Beine gebrochen und anschließend in einen Ziegelofen gestoßen, wo sie verbrannten. Auch hier kümmere sich die Anwältin um die Familie. Im letzten Herbst hatte Aneeqa Antony Gelegenheit, mit Papst Franziskus über diesen Lynchmord zu sprechen.

    Drei Anschlägen auf ihr Leben sei die Anwältin bereits knapp entkommen, so Michaela Koller weiter. Einmal, als sie als Beraterin der ersten Rechtshilfeorganisation für die Blasphemie-Opfer war. Sie musste fliehen und fand Aufnahme in Deutschland, wo sie bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) ihre Spezialisierung erweitern konnte. Bereits als Studentin hatte sie ihre eigene Organisation für rechtliche und humanitäre Hilfe „The Voice Society“ gegründet, die als inzwischen großes Netzwerk von spezialisierten Anwälten Benachteiligten kostenlose Rechtshilfe zur Verfügung stellt. Auf die Frage, woher sie die Kraft zu ihrem Engagement nehme, habe sie einmal geantwortet: „Unsere Stärke gibt uns Gott. Er ist die einzige Waffe, die wir haben. Bei schwierigen Ermittlungen wird mir oft geraten, mich zu bewaffnen. Aber Gott wird uns immer, wenn wir große Dinge zu tun, beschützen.“

    Aneeqa Antony steht nach Worten der Laudatorin „an der Front zwischen einem universalen, durch Jahrtausende hindurch gewachsenen Menschenrechtsverständnis auf der einen Seite, und einer gefährlichen Scharia-Kasuistik auf der anderen, wo Leben und Würde des Einzelnen nichts gelten. Einen diplomatisch einzigartigen Vorgang habe es beim Neujahrsempfang für die Diplomaten Anfang 2011 im Vatikan gegeben. Nach dem tragischen Mord am Gouverneur der Provinz Punjab habe der damalige Papst Benedikt XVI. die pakistanische Regierung dazu aufgefordert, das Blasphemiegesetz aufzuheben – „umso mehr, als es offensichtlich als Vorwand dient, um Ungerechtigkeit und Gewalt gegen die religiösen Minderheiten zu provozieren“. Die pakistanische Regierung habe sich damals diese „Einmischung in interne und religiöse Angelegenheiten des Landes“ verbeten. Für Benedikt wohl mehr das Ergebnis eines tiefen Nachdenkens über Freiheit und Recht, wie er es auch in seiner bedeutenden Ansprache vor dem deutschen Bundestag ausgeführt hat, dass nämlich Vernunft und Natur in ihrem Zueinander als die für alle gültige Rechtsquelle anerkannt werde.

    Prof. Thomas Schirrmacher, der als anglikanischer Bischof auch an den letzten Bischofssynoden in Rom teilgenommen hat, bedankte sich am Ende der Feierstunde als erster und sprach von seiner großen Sorge, weil sich die Verfolgung von Christen weltweit immer mehr verschlimmere. Er dankte dem Stifter des Preises, aber auch allen Menschen, die an vorderster Front ihr Leben riskieren. Frau Antony überbrachte allen Teilnehmern der Feierstunde Grüße aus Pakistan. Sie sei dankbar für den Preis, der für sie nicht nur Anerkennung bedeute, sondern auch Inspiration zum Weitermachen. Die Feierstunde wurde umrahmt von der Sopranistin und Komponistin Gloria Bruni, die ihre Zuhörer begeisterte und die Stiftungsvorsitzende Michaela Koller zu ihrem die Feierstunde abrundenden Schlusssatz veranlasste: „Das Recht kann wie die Musik Menschen zusammenführen und versöhnen. Zu seiner Durchsetzung bedarf es jedoch furchtloser Menschenrechtsverteidiger wie Aneeqa Maria Antony.“